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San Marino schießt Udinese aus dem eigenen Stadion: 10:0 im Pokal-Debakel

Das Stadio Friuli in Udine hatte sich am Samstagabend mit 49.540 Zuschauern herausgeputzt - Flutlichter, Fahnenschwenker, Pokalstimmung. Was dann folgte, war allerdings kein Fußballfest für die Gastgeber, sondern eine historische Lehrstunde: Der FC Udinese wurde von San Marino mit 0:10 (0:6) aus dem Pokal geschossen. Ja, richtig gelesen. Zehn. Zu. Null.

Schon nach fünf Minuten begann das Unheil: Wolfgang Maus, der bullige Mittelstürmer San Marinos, stand dort, wo es weh tut - und traf eiskalt nach Vorlage von Simeon Galitsios. Noch jubelte man in Udine mit einem nervösen Lächeln, so nach dem Motto "früher Rückstand, passiert halt". Zehn Minuten später aber legte Michel Fernandes nach, und das Lächeln gefror. "Da war schon klar, dass es ein langer Abend werden könnte", murmelte Udinese-Kapitän Theo Preston später mit einem Gesichtsausdruck, als habe er soeben die Steuererklärung für die nächsten fünf Jahre verloren.

San Marino spielte Fußball, wie man ihn sonst nur aus Träumen kleiner Nationen kennt: direkt, selbstbewusst, präzise. In der 27. Minute erhöhte Billy MacMillan nach einem unwiderstehlichen Antritt, und kurz darauf bestrafte Jorge Maniche Udineses defensive Schlafmützigkeit mit dem 0:4. Fernandes legte nach, und kurz vor der Pause durfte selbst Innenverteidiger Nael Goncalves ran - per Kopf, versteht sich. 0:6 zur Halbzeit, und das Publikum pfiff, als ginge es um den letzten Bus nach Hause.

Udinese-Trainer Emiliano Dicetutto stapfte in die Kabine, die Hände tief in den Taschen: "Ich habe den Jungs gesagt, sie sollen sich daran erinnern, dass es ein Pokalspiel ist. Leider haben sie wohl gedacht, ich meinte Eishockey."

Die Zahlen sprachen Bände: 1 Torschuss für Udinese, 28 für San Marino. Ballbesitz 38,5 zu 61,5 Prozent. Tacklingquote? Eher symbolisch. Es war, als hätte San Marino beschlossen, in einem Spiel alle bisherigen Klischees über den eigenen Fußball zu widerlegen - und das mit einer Mischung aus Präzision und Spielfreude, die man sonst nur bei Mannschaften sieht, die ihre Trainingslager nicht mit Nudelsalat beenden.

Nach der Pause ging es munter weiter. In der 58. Minute schnürte Maus seinen Doppelpack, bedient von Fernandes, der an diesem Abend scheinbar überall gleichzeitig war. Dann traf Außenverteidiger Lionel Couto mit einem satten Linksschuss - 0:8, und Udineses Torwart Leandro Velasco blickte ratlos gen Himmel, als wolle er göttlichen Beistand anfordern.

Kurz vor Schluss wurde es dann endgültig grotesk. Maus machte in der 87. Minute das 0:9, ehe Petri Heikkinen nur eine Minute später den zweistelligen Endstand besorgte. Zehn Tore, sechs verschiedene Torschützen, ein kollektiver Albtraum für Udinese.

"Ich wusste gar nicht, dass man im Pokal so viele Tore schießen darf", witzelte San-Marino-Coach Husti Nette nach dem Spiel, während er sich demonstrativ die Hände rieb. "Wir haben einfach versucht, Spaß zu haben." Und das war ihnen anzusehen - jeder Angriff wirkte wie ein perfekt einstudiertes Schauspiel.

Die Gastgeber hingegen wirkten zunehmend wie Statisten. Selbst die Einwechslungen von Galili, Castello und Couto brachten keine Besserung. Als Giulio Andali in der 40. Minute Gelb sah, war das fast schon ein Akt der Verzweiflung - immerhin zeigte er damit, dass Udinese noch physisch anwesend war.

Nach dem Abpfiff blieben viele Fans auf den Rängen sitzen, still und fassungslos. Ein älterer Herr im Udinese-Trikot fasste es treffend zusammen: "Ich habe schon viele Spiele gesehen, aber das hier… das war Kunst. Nur leider moderne Kunst, die ich nicht verstehe."

San Marinos Spieler feierten ausgelassen, posierten für Selfies und sangen in der Kabine lautstark von "Wunder von Udine". Wolfgang Maus grinste breit: "Zehn Tore schießt man nicht jeden Tag. Aber heute hat einfach alles gepasst. Vielleicht lag’s am Espresso vorm Spiel."

Trainer Dicetutto hingegen verschwand kommentarlos im Kabinentrakt. Gerüchten zufolge soll er später gesagt haben: "Ich hätte lieber 0:1 verloren - wenigstens wäre das realistischer gewesen."

So bleibt dieses Spiel als eines jener seltenen Fußballmärchen in Erinnerung, bei denen David nicht nur Goliath schlägt, sondern ihm auch noch höflich das Tor zeigen darf. San Marino im Pokalrausch, Udinese im Schockzustand - und 49.540 Zeugen eines Abends, den man so schnell nicht vergessen wird.

Vielleicht tröstet Udinese ja der Gedanke, dass es schlimmere Dinge gibt im Leben. Etwa, bei diesem Ergebnis der Mannschaftspsychologe zu sein.

08.01.643994 09:26
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Es gibt Phasen, da ist man etwas angespannter. Das ist doch menschlich. Es wäre doch blöd von mir, den Schauspieler zu mimen.
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