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San Marino dreht Udinese - ein Abend zwischen Drama, Disziplin und Doppelpack

Es war ein Fußballabend, der in San Marino wohl noch lange in den Kneipen erzählt wird. 43.500 Zuschauer im kleinen Stadion, Flutlicht, ein klarer Winterhimmel - und am Ende ein 3:2 gegen den FC Udinese, das kaum jemand so erwartet hatte. "Ich musste mich zwicken, ob das echt ist", grinste San-Marino-Coach Husti Nette nach dem Schlusspfiff, "aber offenbar war’s kein Traum."

Dabei begann alles wie aus dem Lehrbuch des Underdogs, der seine Rolle ein bisschen zu ernst nahm. San Marino stellte sich in einer klassischen Defensivordnung auf, während Udinese von Beginn an auf Konter lauerte. Doch schon nach sieben Minuten fiel der erste Paukenschlag: Owen McGee, der 31-jährige Linksaußen mit der Schusstechnik eines Geometers, nagelte den Ball nach einem Pass von Eugenio Sorrentino aus spitzem Winkel ins lange Eck - 1:0.

Danach schien Udinese kurz beleidigt, dann wach. Nur sechs Minuten später glich Leonardo Iezzi aus, nach Vorarbeit von Guillermo Gomes. Zwei Minuten später legte Iezzi noch einmal nach, diesmal nach feinem Zuspiel von Andras Kohut - 1:2. In der 15. Minute war das Spiel gedreht, und die Fans von San Marino begannen zu befürchten, dass der frühe Jubel ein böser Scherz des Fußballgottes gewesen war.

Doch dieser Fußballgott hat Humor. In der 24. Minute sah Udineses Abwehrchef Age Fjortoft Gelb, und als er kurz nach der Pause einen Konter rustikal unterband, folgte Gelb-Rot (48.). "Ich habe den Ball klar gespielt", erklärte Fjortoft nach dem Spiel - während er in der Wiederholung ziemlich eindeutig nur McGees Schienbein traf.

In Unterzahl begann Udinese zu schwimmen. San Marino witterte die Chance, und McGee traf erneut, in der 51. Minute, diesmal nach einem Abpraller, den Keeper Luca Lange nur halbherzig abwehrte. Eine Minute später war das Stadion endgültig ein Tollhaus: Thomas Satchmore, der quirlig-ungestüme Rechtsaußen, erzielte das 3:2 - und das nach Vorlage von, richtig geraten, Owen McGee. "Ich hab ihn gar nicht gesehen, ich hab einfach gehofft, dass er da ist", lachte Satchmore später.

Von da an war es ein Spiel zwischen Geduld und Panik. Udinese versuchte mit zehn Mann zu retten, was zu retten war, während San Marino eine Mischung aus kontrollierter Offensive und kollektivem Herzrasen spielte. 18 Torschüsse standen am Ende zu Buche, Udinese brachte es auf magere fünf - wobei die meisten mehr an Rückgaben als an Abschlüsse erinnerten.

Trainer Emiliano Dicetutto suchte nach dem Spiel nach Erklärungen: "Wir hatten den Plan, San Marino laufen zu lassen. Aber am Ende sind wir selbst gelaufen - hinterher." Sein Gegenüber Husti Nette konterte trocken: "Ich sag’s mal so: Wenn man nicht trifft, muss man halt verhindern, dass der Gegner es tut. Heute haben wir beides geschafft."

Die Statistik unterstreicht den Spielverlauf: 52,6 Prozent Ballbesitz für San Marino, 55 Prozent gewonnene Zweikämpfe, und eine Mannschaft, die nach dem Rückstand nicht aufgab, sondern sich in einen Rausch spielte. Besonders McGee, mit zwei Toren und einer Vorlage, wurde nach dem Abpfiff von den Fans gefeiert wie ein Nationalheld. "Ich wollte einfach Spaß haben", meinte der Mann des Abends, "und wenn das so aussieht, nehme ich das gern öfter."

In der Schlussphase gönnte Nette seinen Helden noch etwas Applaus von der Tribüne: Satchmore ging unter tosendem Beifall, für ihn kam der junge Niccolo Rizzi (87.). Auch die Nachwuchskräfte Minelli und Sellia durften in der Nachspielzeit noch ein paar Minuten Erstliga-Luft schnuppern - eine Geste, die zeigte, dass San Marino an diesem Abend nicht nur ein Spiel gewann, sondern auch ein Stück Selbstbewusstsein.

Udinese dagegen reiste mit gesenkten Köpfen ab. Zwei Tore von Iezzi reichten nicht, um die Disziplin-Defensive der Hausherren zu knacken. Zu allem Überfluss handelten sich Poulin und Fjortoft Gelbe Karten ein - letzterer eben doppelt - und so klang das Fazit von Kapitän Daniel Galili resigniert: "Wenn du gegen San Marino verlierst, weißt du, dass irgendwas schiefgelaufen ist."

Vielleicht war es einfach einer dieser Abende, an denen der Fußball romantisch wird. Einer, an dem ein kleines Team mit Mut, Kampfgeist und einem überragenden Owen McGee die großen Jungs aus Udine überrascht.

Oder, wie Trainer Nette es formulierte, während er sein Lächeln kaum unterdrücken konnte: "Manchmal reicht’s, wenn man einfach glaubt, dass man’s kann. Und ein bisschen Glück schadet auch nicht."

Ein Abend für die Geschichtsbücher von San Marino - und vermutlich für die Albträume von Udinese.

15.10.643990 21:03
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