La Prensa Libre
+++ Sportzeitung für Costa Rica +++

San Carlos schießt, Brujas zittert - aber das Tor bleibt wie vernagelt

Ein lauer Abend in Costa Rica, 32.444 Zuschauer im Stadion von San Carlos - und am Ende ein 0:0, das sich gleichzeitig nach Lehrstunde und Tragikomödie anfühlte. San Carlos FC dominierte den FC Brujas nach Belieben, schoss 19 Mal auf das Tor, traf aber nur in die Herzen der Fans, nicht ins Netz. Brujas dagegen - ein einziger Torschuss. Einer! Und selbst der wirkte eher wie eine höfliche Erinnerung daran, dass man auch mal in Richtung gegnerisches Tor zielen darf.

Von Beginn an spielte eigentlich nur eine Mannschaft. San Carlos, mit Trainer Spritty Bohne an der Seitenlinie, presste, kombinierte, flankte - und verzweifelte. Schon in der 3. Minute donnerte Rafael Gama den Ball auf den Kasten, doch Brujas-Keeper Henrik Holmqvist hatte offenbar einen guten Abend erwischt. Oder, wie er später lachend meinte: "Ich wusste, wenn ich heute einen Ball halte, könnte das schon reichen."

In der 7. Minute dann die erste und einzige Duftmarke der Gäste: Silvestre Futre, der Name klingt nach portugiesischem Flair, schoss - und das war’s dann auch schon. Danach baute der FC Brujas seine Defensive auf, als ginge es um den Bau einer mittelalterlichen Festung.

San Carlos ließ sich davon nicht beirren. In der 20. Minute prüfte Asier Martins per Distanzschuss die Aufmerksamkeit der Gästeabwehr, in der 25. und 27. Minute folgte Michael Brand mit zwei wuchtigen Versuchen. Der Ballbesitz sprach Bände: 54,7 Prozent für die Hausherren, die Gäste kamen kaum über die Mittellinie hinaus.

"Wir hätten 3:0 führen müssen - mindestens", knurrte Trainer Bohne nach dem Spiel. "Aber Fußball ist kein Wunschkonzert. Sonst hätten wir heute Beethoven gespielt."

Die erste Halbzeit endete torlos, aber nicht ereignislos. Brujas’ Roberto Quaresma sah in der 17. Minute Gelb, nachdem er Raul Dominguez auf dem linken Flügel unsanft stoppte. Später revanchierte sich San Carlos’ Außenverteidiger Manuel Pinto mit einer ebenfalls gelben Karte nach einem rustikalen Einsteigen (29.).

Nach der Pause wechselte Bohne gleich dreimal: neuer Torwart (Raul Ramos für Jose Maria Moutinho), frisches Mittelfeld (Adrian Bergantinos und Raul Figueras kamen). Der Druck blieb, die Tore blieben aus. Dominguez (48.), Brand (49., 66.) und immer wieder Louis Corey - zwischen Minute 56 und 91 ganze sieben Abschlüsse! - scheiterten an Holmqvist, an der Latte, am eigenen Nervenkostüm.

"Ich dachte, irgendwann muss der Ball doch Mitleid haben", sagte Corey später mit einem gequälten Grinsen. "Aber er wollte einfach nicht rein. Vielleicht war er Brujas-Fan."

Während San Carlos weiter anlief, beschäftigte sich Brujas zunehmend mit der eigenen Schadensbegrenzung. Trainer Alvaro Campos (dessen Name in der Statistik zwar nicht auftaucht, aber in der Coaching-Zone umso lauter war) brüllte seine Verteidiger zusammen, als ginge es um die letzte Schlacht der Saison.

Dann wurde es kurz chaotisch: In der 77. Minute sah Brujas-Verteidiger Jason Van Broeck Gelb, drei Minuten später Gelb-Rot. Fast gleichzeitig - wie in einer Art ritueller Symmetrie - flog auch San Carlos’ Pinto mit Gelb-Rot vom Platz. "Er hat mich zuerst geschubst", erklärte Pinto später, "ich wollte nur das Gleichgewicht halten." Der Schiedsrichter hatte dafür weniger Verständnis.

So endete das Spiel mit zehn gegen zehn. San Carlos rannte weiter an, Brujas mauerte weiter zu, und das Publikum schwankte zwischen Begeisterung und Verzweiflung. "Das war wie ein Konzert ohne Refrain", flüsterte ein Zuschauer auf der Haupttribüne, während der Ball in der 95. Minute noch einmal über das Tor rauschte - natürlich von Dominguez.

Am Ende bleibt ein torloses Unentschieden, das sich für San Carlos wie eine Niederlage anfühlt. 19:1 Torschüsse, mehr Ballbesitz, mehr Zweikämpfe gewonnen, mehr alles - außer eben Tore.

Trainer Bohne fasste es bitterironisch zusammen: "Wir haben heute gezeigt, dass man auch ohne Tore ein Spiel dominieren kann. Leider zählt das im Fußball noch nicht."

Und Brujas? Die freuten sich über den Punkt wie über einen Pokalsieg. "Manchmal", grinste Holmqvist, "ist 0:0 das schönste Ergebnis der Welt."

So blieb nach 95 intensiven Minuten die Anzeigetafel unverändert. Nur der Rasen wusste, wie oft er von verzweifelten Schuhen traktiert wurde. Und irgendwo in der Kabine von San Carlos hörte man Spritty Bohne murmeln: "Beim nächsten Mal schießen wir vielleicht einfach mit der Brechstange."

Ein Spiel, das zeigt: Es gibt Siege ohne Tore - und unentschiedene Helden.

01.05.643987 06:10
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