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32950 Zuschauer im ausverkauften Stadion erlebten am Samstagabend einen dieser Abende, an denen Fußballfreunde lernen, dass Statistiken lügen können. ASK Salzburg dominierte Ball und Gegner, hatte 52 Prozent Ballbesitz, 14 Torschüsse - und trotzdem stand am Ende ein ernüchterndes 0:1 auf der Anzeigetafel. SK Sturm, clever, bissig und mit einem Hauch Glück gesegnet, entführte alle drei Punkte aus der Mozartstadt. Das Spiel begann wie erwartet: Salzburg, von Trainer Andreas Schuntner defensiv eingestellt, aber mit Lust auf gepflegten Kombinationsfußball, übernahm die Kontrolle. Schon in der sechsten Minute prüfte Xavier Aguas den Sturm-Keeper Herbert Beck mit einem ersten Distanzschuss. Die Fans rieben sich die Hände - das sah nach einem langen Abend für die Gäste aus. Doch Beck, ein 22-jähriger Keeper mit erstaunlicher Ruhe, blieb unbeeindruckt. "Wir haben uns gesagt: Lasst sie ruhig kommen. Wir wissen, dass wir vorne einen haben, der das Netz auch mit geschlossenen Augen trifft", grinste Sturm-Coach Nermin Muratovic nach dem Spiel. Damit meinte er natürlich Marcos Vazques, den Mann des Abends. In der 43. Minute, als Salzburg gerade wieder einen Angriff aufbaute, eroberte der 19-jährige Nicolo Fusco auf der rechten Seite den Ball, ließ zwei Salzburger stehen und flankte scharf in den Strafraum. Vazques kam angerauscht, wie ein Zug ohne Bremse, und drückte die Kugel kompromisslos über die Linie. 0:1 - eiskalt, effizient, Sturm eben. Das Tor fiel genau in der Phase, in der Salzburg glaubte, alles im Griff zu haben. Trainer Schuntner schüttelte später nur den Kopf: "Einmal pennt die Abwehr - und genau dann klingelt’s. Fußball kann so grausam sein." Nach der Pause reagierte Schuntner mit zwei frischen Kräften: Der 18-jährige Sean Connolly kam für den erfahrenen Aguas, und Stefan Ernst ersetzte den jungen Uwe Meyer. Connolly, kaum auf dem Platz, zeigte, warum er als großes Talent gilt: quirlig, mutig, mit Zug zum Tor. Seine Schüsse in der 52., 86. und 91. Minute zwangen Sturm-Ersatzkeeper Niclas Krug - der zur 40. Minute für den angeschlagenen Beck gekommen war - zu Glanzparaden. "Der Ball wollte heute einfach nicht rein", seufzte Connolly später, "vielleicht ist das Tor in Salzburg ein paar Zentimeter kleiner." Zahlenfreunde würden sagen: Salzburg hatte mehr vom Spiel, mehr Abschlüsse, mehr Zweikämpfe gewonnen (53,7 Prozent, um genau zu sein). Aber eben kein Tor. Sturm hingegen nutzte eine von gerade einmal sieben Gelegenheiten - und verteidigte danach mit Leidenschaft und einem Hauch Chaos. Besonders auffällig dabei: Marcos Vazques. Der 23-jährige Spanier war nicht nur Torschütze, sondern auch Dauerläufer, Unruhestifter, Pressingmaschine. "Ich spiele lieber ohne Ball", scherzte er nach Abpfiff. "Dann muss der Gegner mehr laufen." Salzburg dagegen mühte sich redlich. Maurice Beck, der junge Linksaußen, scheiterte gleich viermal knapp - mal am Torwart, mal am eigenen Nervenkostüm. Sein Trainer nahm ihn später in Schutz: "Er ist 20. In seinem Alter habe ich mich noch überlegt, ob ich lieber Fußball oder Tischtennis spiele." In den letzten zehn Minuten war es ein Spiel auf ein Tor. Der Ball flog, die Fans schrien, und Sturm verteidigte mit allem, was Beine hatte. Selbst Stürmer Vazques klärte in der 88. Minute per Kopfball im eigenen Strafraum. Muratovic an der Seitenlinie wirkte da schon wie ein Mann, der innerlich längst den Bus Richtung Heimfahrt geordert hatte. Als der Schlusspfiff ertönte, fiel nicht nur er, sondern auch seine Mannschaft kollektiv zu Boden - erschöpft, glücklich, erleichtert. Die Salzburger Spieler hingegen starrten ungläubig auf die Anzeigetafel. 0:1. Wieder kein Sieg gegen Sturm. "Wenn Fußball gerecht wäre, hätten wir 3:1 gewonnen", murmelte Mittelfeldmann Javier Castano. Ein Kollege korrigierte trocken: "Aber Fußball ist halt kein Mathematikunterricht." So bleibt für Salzburg nach zwei Spieltagen der bittere Beigeschmack eines Teams, das schön spielt, aber nicht trifft. Sturm dagegen feiert sich als Minimalisten mit maximaler Wirkung. Oder, wie Muratovic es formulierte: "Wir haben nicht viel gemacht - aber das Richtige." Und während die Salzburger Fans enttäuscht in die kalte Februar-Nacht stapften, sangen die rund 500 mitgereisten Sturm-Anhänger ihr Lieblingslied. Es klang ein wenig schief, aber dafür umso glücklicher - genau wie ihr Team an diesem Abend. Ein Satz bleibt hängen: Wer keine Tore schießt, kann nicht gewinnen. Und wer ein Tor schießt, braucht sonst gar nichts zu können. Zumindest nicht an diesem Samstag in Salzburg. 20.06.643990 10:02 |
Sprücheklopfer
Beim Football muß man nicht ins Tor schießen, sondern oben drüber. Das konnte ich schon immer ganz gut.
Axel Kruse nachdem ihn das Football-Team Berlin Thunder als Kicker eingestellt hat