// Startseite
| World Soccer |
| +++ Sportzeitung für internationale Wettbewerbe +++ |
|
|
|
Es war ein frostiger Januarabend in Pruszkow, doch die 43.500 Zuschauer im Stadion wurden schnell warm - zumindest emotional. Denn was der SK Pruszkow und Santa Eulalia im dritten Gruppenspiel der Europaliga boten, war kein Feuerwerk der Tore, sondern eher ein taktisches Schachspiel mit einem einzigen, aber entscheidenden Zug: Mikhail Salenko, Innenverteidiger mit dem Herz eines Stürmers, entschied die Partie in der 54. Minute mit dem Tor des Tages. Von Beginn an hatte Pruszkow das Heft in der Hand - zumindest, wenn man dem Ballbesitz vertraut. 53 Prozent, das klingt nach Überlegenheit. Doch wie so oft im Fußball ist Statistik keine Garantie für Glück. "Wir hatten den Ball, aber irgendwie wollte er nicht mit uns sprechen", scherzte Heimtrainer Stefan Petruck später bitter. Seine Mannschaft kombinierte zwar gefällig, aber ohne Durchschlagskraft. Zehn Torschüsse, keiner davon zählte. Ganz anders die Gäste aus Santa Eulalia: Weniger Ballbesitz, dafür mehr Zielstrebigkeit. 17 Abschlüsse, und einer davon saß - ausgerechnet von einem Mann, der normalerweise hinten Beton anrührt. Nach einem Eckball von Inigo de Torre stieg Salenko wuchtig hoch und köpfte den Ball in die Maschen. Der Jubel der mitgereisten Fans war so laut, dass selbst die Tauben auf dem Stadiondach kurz die Orientierung verloren. "Ich hab einfach die Augen zugemacht und gehofft, dass ich den Ball treffe", grinste Salenko nach dem Spiel. "Hat ja geklappt." Bis dahin war das Spiel ein Abnutzungskampf. Santa Eulalia, von Trainer Dede Dedede gewohnt defensiv eingestellt, machte die Räume eng und setzte auf schnelle Konter über de Torre und Gimenez. Pruszkow antwortete mit viel Einsatz - aber wenig Struktur. "Wir haben ihnen das Leben schwer gemacht, aber uns selbst gleich mit", meinte Mittelfeldmann Grzegorz Chalaskiewicz trocken. Die erste Halbzeit war ein Lehrbuch für kontrollierte Langeweile. Chancen hüben wie drüben, doch beide Torhüter - Pedro Sousa für Pruszkow und Esteban Figo für Santa Eulalia - blieben weitgehend unbeeindruckt. Sousa musste zwar öfter eingreifen, aber Figo hatte die spektakuläreren Paraden - vor allem in der 62. Minute, als Amadeus Kowalik aus spitzem Winkel abzog und Figo mit den Fingerspitzen klärte. Dann kam die 54. Minute und mit ihr der Wendepunkt. Ecke de Torre, Kopfball Salenko, 0:1. Der Rest war eine Mischung aus Verzweiflung und Verhinderung. Pruszkow drückte, rannte, fluchte - und scheiterte. In der 80. Minute bot sich Kowalik erneut eine große Chance, doch wieder war Figo da. "Ich hab kurz überlegt, ob ich ihm einfach die Hand gebe und den Ball selbst ins Tor trage", sagte Kowalik halb im Spaß, halb im Frust. Trainer Petruck brachte frische Kräfte: den jungen Adrian Kosowski für Mateusz Hajto, später Rafael Acevedo für Dario Poggi. Doch die Gäste verteidigten mit der Konsequenz eines Banktresors. Dedede, der Meister der Mauer, dirigierte von der Seitenlinie mit verschränkten Armen und einem zufriedenen Lächeln. "Wir wollten kompakt bleiben und auf unsere Chance warten. Und sie kam", sagte er nach dem Spiel, als wäre es die einfachste Sache der Welt. Selbst als Pruszkow in den letzten Minuten alles nach vorne warf - inklusive des Torwarts Sousa bei einem späten Freistoß - blieb Santa Eulalia eiskalt. Die Verteidiger Piturca und Bermudo köpften alles weg, was in ihre Richtung flog, und Henriksson, frisch eingewechselt, sorgte vorne für Entlastung. So blieb es beim 0:1, einem Sieg der Effektivität über den Aufwand. Santa Eulalia zeigte, dass man auch mit defensiver Ausrichtung und minimalistischem Stil Punkte sammeln kann. Pruszkow dagegen bleibt der tragische Held des Abends: bemüht, engagiert, aber glücklos. "Wir haben alles gegeben, aber Fußball ist kein Wunschkonzert", bilanzierte Petruck, bevor er mit einem müden Lächeln in den Kabinengang verschwand. Sein Gegenüber Dedede klopfte ihm kurz auf die Schulter und meinte nur: "Beim Rückspiel sehen wir uns - hoffentlich mit besserem Wetter." Und so endete ein Abend, der kein Spektakel versprach, aber doch seine eigene Dramatik hatte - leise, zäh und mit einem Helden, der sonst im Schatten steht. Mikhail Salenko, der Mann des Spiels, wird den Kopf wohl noch lange oben behalten - im wahrsten Sinne des Wortes. 24.05.643987 03:07 |
Sprücheklopfer
Im Fußball ist es wie im Eiskunstlauf - wer die meisten Tore schießt, der gewinnt.
Rainer Calmund