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Es war ein Freitagabend, wie ihn die Regionalliga D liebt: Flutlicht, kalter Wind, 4524 Zuschauer im Ludwigspark, und zwei Mannschaften, die offenbar beschlossen hatten, dass Verteidigung überbewertet ist. Am Ende jubelte der FC Saarbrücken über ein 3:2 gegen den SV Steinbach - ein Ergebnis, das so knapp war wie verdient. Schon die ersten Minuten deuteten an, dass hier kein Taktikseminar, sondern ein Feuerwerk bevorstand. Steinbach legte los wie die Feuerwehr, schickte Raducanu und Konstantinou früh auf die Reise, und nach 21 Minuten zappelte der Ball erstmals im Netz. Adrian Kristinsson vollendete nach feinem Zuspiel von Hartmut Philipp - 0:1. Saarbrückens Keeper Daniel Kosowski blickte dem Ball nur hinterher, als wollte er sagen: "Den hätte selbst Neuer nicht gehabt." Die Antwort kam postwendend. Nur eine Minute später war Marc Albacar da, nach Vorlage von David Mai - 1:1, und das Stadion erwachte. "Ich hatte gar keine Zeit zum Jubeln, alle lagen schon auf mir", grinste Albacar später. Doch wer dachte, das Spiel würde sich nun beruhigen, wurde eines Besseren belehrt: Wieder nur eine Minute später, in der 23., köpfte Steinbachs Innenverteidiger Xavier Galvao nach einer Ecke von Raducanu zur erneuten Führung ein. 2:1 - und die FCS-Abwehr sah aus wie beim Stangentanz. Aber auch das hielt nur kurz. Fünf Minuten darauf hämmerte der 19-jährige Istvan Simonyi den Ball aus 18 Metern unter die Latte - 2:2. Trainer Carsten Altmeyer riss die Arme hoch, als hätte er gerade die Champions League gewonnen. "Der Junge kann schießen, das wusste ich. Dass er es so schön macht, war das Sahnehäubchen", schwärmte der Coach. Nach dieser turbulenten Anfangsphase gönnten sich beide Teams eine Verschnaufpause, ehe es in der zweiten Halbzeit taktisch etwas geordneter zuging. Saarbrücken übernahm zunehmend die Kontrolle, hatte am Ende 58 Prozent Ballbesitz, während Steinbachs Offensive weiter auf schnelle Gegenstöße setzte. Die Gäste kamen zwar auf 13 Torschüsse - fast doppelt so viele wie die Hausherren - aber die Effizienz blieb auf der Autobahn liegen. In der 67. Minute fiel dann die Entscheidung. Wieder war es Marc Albacar, der nach einem Durcheinander im Strafraum am schnellsten reagierte und zum 3:2 einschob. Der Jubel war ohrenbetäubend, und Steinbachs Torhüter Fabian Schmitz klatschte frustriert gegen den Pfosten. "So ein Mist, der Ball springt zwei Mal unglücklich - und dann steht der Kerl genau da", knurrte Schmitz nach Spielende. Steinbach rannte an, wechselte munter durch - Henning für Galvao, Gebhardt für Capucho, Labant für Fuhrmann - doch es blieb beim Versuch. Besonders der 18-jährige Gebhardt brachte frischen Wind, scheiterte aber in der 81. und 89. Minute an Kosowski, der sich mit zwei Glanzparaden unsterblich machte. "Ich habe einfach die Augen zugemacht und gehofft, dass mich der Ball trifft", witzelte der Keeper später. Die Schlussphase war dann ein Nervenspiel. Saarbrücken zog sich zurück, stellte auf Defensive um, während Steinbach alles nach vorne warf. In der 91. Minute sah Lennart Berthelsen noch Gelb, weil er beim Zeitspiel etwas zu offensichtlich den Ball suchte ("Ich schwöre, ich hab ihn wirklich nicht gesehen", beteuerte er). Der Schiedsrichter blieb unbeeindruckt, und Sekunden später war Schluss. Trainer Altmeyer atmete tief durch: "Das war nichts für schwache Nerven. Aber solche Spiele machen uns stärker - und graue Haare kommen gratis dazu." Sein Kollege Martin Schmittel wirkte gefasst: "Wir haben gut gespielt, aber Fußball ist kein Schönheitswettbewerb. Heute hat der Glücklichere gewonnen." Statistisch spricht vieles für Steinbachs Mut - 13 Schüsse, 52 Prozent gewonnene Zweikämpfe, unermüdliches Pressing. Doch Saarbrückens Kaltschnäuzigkeit vor dem Tor gab den Ausschlag. Albacar, der Doppeltorschütze, wurde zu Recht zum Spieler des Abends gekürt. "Ich hab einfach Spaß am Kicken", sagte der 20-Jährige, "und wenn’s dann zweimal klingelt, beschwer ich mich nicht." Am Ende blieb das Gefühl, ein Spiel gesehen zu haben, das man so schnell nicht vergisst: fünf Tore in knapp 70 Minuten, Emotionen pur, und zwei Teams, die sich nichts schenkten. Saarbrücken klettert mit diesem Sieg weiter nach oben, Steinbach fährt dagegen mit leeren Händen, aber erhobenem Kopf heim. Oder wie es ein älterer Fan auf der Tribüne zusammenfasste, während er sich den Schal enger zog: "Wenn das Regionalliga ist, brauch ich keine Bundesliga." Ein Satz, der an diesem Abend ziemlich viel Wahrheit enthielt. 22.08.643993 00:25 |
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Wenn kein Sprit im Tank und die Birne leer ist, läuft nichts.
Rainer Calmund