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Saarbrücken schnappt sich den Sieg - Schliersee hadert mit dem späten Stich

Ein kalter Märzabend, Flutlicht, 3303 Zuschauer mit Mütze und Glühwein - und am Ende wieder diese bittere Erkenntnis: Fußball kann grausam sein. Der TSV Schliersee verlor am 28. Spieltag der Regionalliga D trotz leidenschaftlichem Auftritt mit 1:2 gegen den FC Saarbrücken. Es war ein Spiel, das alles bot: frühe Möglichkeiten, fliegende Grätschen, Gelbe Karten im Minutentakt - und ein Saarbrücker Joker mit einem Hang zum dramatischen Timing.

Die erste halbe Stunde gehörte den Gästen. Saarbrückens junger Mittelfeldmotor Fabio Sorbo San Basile, ein Name so lang wie seine Passquote präzise, zog in der 29. Minute aus 18 Metern ab - und traf. TSV-Keeper Cameron Nolan streckte sich vergeblich. "Ich hab den Ball gesehen, aber ich glaub, der war beleidigt, weil ich ihn letzte Woche gehalten hab", witzelte Nolan nach der Partie. Die Vorlage kam von Emanuele Acquaformosa, der auf dem linken Flügel mehr Kilometer machte als der Linienrichter.

Schliersee brauchte lange, um die kalte Dusche abzuschütteln. Trainer Christopher Fey gestikulierte wild an der Seitenlinie, rief: "Jungs, das ist kein Kaffeekränzchen!" - und tatsächlich, nach der Pause kam der TSV mit mehr Pfeffer zurück. In der 60. Minute war es ausgerechnet Innenverteidiger Duarte Costa, der nach einer butterweichen Flanke von Emanuel Hjorth den Ball per Kopf in die Maschen wuchtete. 1:1 - das Stadion bebte, Costa riss die Arme hoch, als wollte er den Schliersee teilen. "Ich bin eigentlich dafür da, Tore zu verhindern", grinste der Portugiese später, "aber manchmal muss man halt zur Selbsthilfe greifen."

Ab da kippte das Momentum. Schliersee hatte 51 Prozent Ballbesitz, zehn Torschüsse, und spielte munter auf Sieg. Felix Jahn prüfte Saarbrückens Torwart Daniel Kosowski zweimal (65. und 83. Minute), während sich hinten Javier Moutinho nach seiner Gelben Karte in der 31. Minute auffallend zurückhielt - man merkte, dass er lieber das Spiel beenden wollte als den Kabinengang.

Doch Saarbrücken blieb eiskalt und diszipliniert. Trainer Carsten Altmeyer, der das Wort "Pressing" offenbar als Lebensmotto versteht, wechselte in der Schlussphase defensiv, brachte frische Beine und ließ seine Flügel laufen. "Wir wollten über die Außen kommen, weil Schliersee da manchmal zu weit aufrückt", erklärte er hinterher mit der Gelassenheit eines Mannes, der weiß, dass sein Plan funktioniert hat.

In der 88. Minute dann der Nackenschlag: Theo Malfoy - nein, kein Zauberschüler, sondern ein linker Flügel mit Zauberfuß - traf nach Vorlage von Bartosz Iwan zum 2:1. Ein Schuss, flach ins rechte Eck, wie mit dem Lineal gezogen. "Ich hab einfach draufgehauen, ehrlich", sagte Malfoy, "ich dachte, wenn ich treffe, ist das gut - und wenn nicht, dann kann ich wenigstens sagen, ich hab’s versucht."

Schliersee warf in den letzten Minuten alles nach vorne. In der Nachspielzeit (91.) donnerte Ralf Bartsch den Ball aus spitzem Winkel ans Außennetz - fast wäre das 2:2 gefallen. Fey schlug die Hände über dem Kopf zusammen, während ein Fan auf der Tribüne rief: "Gib ihm doch den Zauberstab!" - gemeint war natürlich Malfoy, der schon wieder auf und davon war.

Statistisch war es ein Spiel auf Augenhöhe: 10:9 Torschüsse, Zweikampfquote knapp pari, Ballbesitz leicht auf Seiten der Hausherren. Aber Fußball wird nun mal nicht nach Prozenten entschieden, sondern nach Toren. Und da hatte Saarbrücken das letzte Wort.

"Wir haben alles gegeben", meinte Feys Stimme später auf der Pressekonferenz, "aber wenn du kurz vor Schluss so einen reinkriegst, dann tut das weh. Trotzdem: Wir haben gezeigt, dass wir mithalten können." Altmeyer konterte trocken: "Das war kein Zufall, das war Arbeit. Und ein bisschen Glück - aber das gehört dazu."

Während die Fans in der Kälte langsam Richtung Bahnhof trotteten, blieb das Flutlicht noch ein paar Minuten an, als wollte es sagen: Kopf hoch, Schliersee. Manchmal ist der Fußball eben kein Freund, sondern ein alter Schelm mit Sinn für Timing.

Und vielleicht, ganz vielleicht, wird Duarte Costa nächste Woche wieder ein Tor köpfen - nur diesmal auf der richtigen Seite des Glücks.

22.08.643993 00:24
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Rainer Calmund
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