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Rush Chorzow siegt in letzter Sekunde - Opole verzweifelt am eigenen Glück

Es war ein kalter Februarabend in Opole, aber die 27.000 Zuschauer im Stadion dürften am Ende ziemlich erhitzt gewesen sein - vor Wut, Verzweiflung oder schierer Fassungslosigkeit. Orda Opole verlor am 12. Spieltag der 1. Liga Polen gegen Rush Chorzow mit 0:1. Das klingt knapp, war aber eine dieser Partien, in denen das Ergebnis fast schon ein schlechter Witz des Fußballgottes war.

Denn wer sich das Zahlenwerk ansieht, reibt sich die Augen: 54 Prozent Ballbesitz für die Hausherren, aber nur zwei kümmerliche Torschüsse. Rush Chorzow dagegen ballerte sich mit stolzen 20 Schüssen auf den Kasten von Angelo Cattaneo den Frust von der Seele - und traf trotzdem erst in der 92. Minute.

Der Held des Abends hieß Adrian Dreszer. Der 30-jährige Torjäger, dessen Frisur irgendwo zwischen Retro und Risiko pendelt, stand genau da, wo ein Stürmer stehen muss, als Callum O’Leary von links eine letzte, verzweifelte Flanke in den Strafraum zimmerte. Dreszer hielt den Kopf hin - und plötzlich war das Spiel entschieden. Der Ball zappelte im Netz, die Bank der Chorzower explodierte. "Ich hab einfach gehofft, dass Callum ihn reinbringt", sagte Dreszer später mit einem Grinsen, "und diesmal war der Ball gnädig."

Bis dahin hatte es Chorzow geschafft, das Kunststück zu vollbringen, aus Dauerangriffen eine Lehrstunde in Chancenverwertung zu machen. Schon in der ersten Minute prüfte Dreszer den Torwart, in der sechsten und neunten Minute feuerte Torsten Kraft drauflos, in der 25. und 58. Minute durfte Dawid Gorawski ran - immer ohne Erfolg. Der Ball flog überall hin, nur nicht über die Linie.

Trainer Herth Ussia sah auf der Bank aus, als würde er innerlich eine ganze Kanne Espresso auf Ex trinken. "Wir hätten das Spiel schon in der ersten Halbzeit beenden müssen", knurrte er nach dem Schlusspfiff. "Aber vielleicht war’s besser so - am Ende schmeckt der Sieg süßer, wenn man sich ihn erarbeitet."

Opole dagegen wirkte, als hätte man einen Bus geparkt - aber vergessen, den Zündschlüssel zu ziehen. Trainer Oli Dudek ließ sein Team aus einer balancierten Formation heraus agieren, aber "balanciert" war eher höflich für "zögerlich". Zwei Abschlüsse in 90 Minuten - einer von Martin Buchholz in der 13., einer von Patryk Gancarczyk in der 41. - das war’s. "Wir haben den Ball gehabt, aber nichts damit gemacht", gestand Dudek nach der Partie. "Wenn du den Ball 60 Minuten streichelst, aber nie aufs Tor schießt, dann wird’s schwierig."

Sein Torwart Cattaneo wuchs dagegen über sich hinaus. Mehrfach parierte er spektakulär gegen Dreszer, Kraft und Wojcicki. In der 67. Minute etwa lenkte er einen Schuss aus kurzer Distanz über die Latte - und schrie danach sinngemäß: "Nicht in meinem Haus!" Ein Satz, der selbst auf der Pressetribüne noch zu hören war.

Rush Chorzow blieb unbeeindruckt, machte weiter Druck, und als in der Nachspielzeit alles nach einem Unentschieden aussah, war es wieder diese Kombination: O’Leary auf Dreszer, Kopfball, Tor. Das 0:1, das so verdient wie spät kam.

Zwei Gelbe Karten für die Gäste - Grzegorz Wilczek früh (5.) und Ramon Assis spät (90.) - rundeten ein körperlich robustes, aber faires Spiel ab. "Wir waren aggressiv, aber nicht böse", meinte Wilczek schmunzelnd. "Na ja, vielleicht ein bisschen genervt von unserem eigenen Pech."

Chorzow spielte von Beginn an offensiv, laut Taktikdaten ohne Pressing, aber mit klarem Fokus auf kontrollierte Angriffe. Zum Ende hin drehte Trainer Ussia dann die Regler nach oben: voller Einsatz, aktives Pressing - und prompt fiel das Tor. Manchmal schreibt der Fußball eben die einfachsten Drehbücher.

Opole dagegen blieb bis zum Schluss ihrem Plan treu - "balanciert", "ausgewogen", "keine Panik". Leider auch kein Tor. Als der Schlusspfiff ertönte, sackte Dudek mit verschränkten Armen zusammen und murmelte etwas, das wie "Fußball ist grausam" klang.

Rush Chorzow jubelte ausgelassen, während Dreszer auf die Tribüne zeigte und die Fans mit einem "Das war für euch!" anbrüllte. O’Leary, der Assistgeber, lächelte nur müde: "Ich wollte eigentlich in die Mitte flanken, aber gut, dass er hingegangen ist."

Am Ende steht ein 0:1, das alles über die Ungerechtigkeit und Schönheit dieses Sports erzählt. Die Statistik gehört Opole, der Sieg aber Chorzow - und die Moral der Geschichte? Manchmal reicht ein Ballkontakt, um einen Abend zu retten.

Oder, wie Trainer Ussia trocken zusammenfasste: "Wir haben 20 Mal geschossen. Irgendwann muss ja einer reinfallen."

Und er fiel. In der 92. Minute. Fußball kann so einfach sein - und so gemein.

04.10.643990 07:42
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