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Es war einer dieser Abende in Gdansk, an denen man sich fragt, ob Ballbesitz eigentlich Punkte bringt. 62 Prozent des Spielgeräts blieben bei BKS Gdansk - aber am Ende stand ein 0:2 auf der Anzeigetafel. Rush Chorzow zeigte, dass weniger manchmal mehr ist: 21 Torschüsse, zwei Treffer und ein Auswärtssieg, der den Gastgebern noch lange in den Knochen stecken dürfte. Schon nach vier Minuten nahm das Unheil für die Hausherren seinen Lauf. Torsten Kraft, der Name ist Programm, tankte sich nach einem feinen Zuspiel von Callum O’Leary durch und vollstreckte trocken ins lange Eck. "Wir wollten eigentlich erstmal ruhig aufbauen", knurrte BKS-Trainer Mike Matt nach dem Spiel, "aber dann hat uns gleich der erste Gegenangriff eiskalt erwischt." Von da an rannte Gdansk einem Rückstand hinterher, den sie trotz gefühlter Dauerpräsenz im Mittelfeld nie gefährlich werden ließen. Drei magere Torschüsse - das war alles, was die 35.322 Zuschauer in der heimischen Arena an echter Offensivgefahr zu sehen bekamen. "Wir haben den Ball schön zirkulieren lassen", seufzte Mittelfeldmann Wladimir Burkhardt, "nur leider meistens im eigenen Drittel." Rush Chorzow dagegen spielte schnörkellos. Jeder Angriff schien ein Statement gegen überflüssige Ballbesitzstatistiken zu sein. Allen voran Arkadiusz Wojcicki, der auf der linken Seite unermüdlich rackerte, flankte, schoss und dabei immer wieder Janek Frankowski im Gdansk-Tor beschäftigte. Der Schlussmann war der Einzige, der seine Mannschaft vor einem Debakel bewahrte - allein in der ersten Hälfte parierte er fünf Mal spektakulär. Kurz vor der Pause erhob sich Trainer Herth Ussia von der Chorzower Bank, klatschte zufrieden in die Hände und brüllte: "Genau so, Männer! Einfach draufhalten, irgendwann fällt wieder einer rein!" Die Botschaft kam an - auch wenn das nächste Tor erst tief in der Nachspielzeit fiel. In der 93. Minute, als die meisten Zuschauer schon mit dem Mantel in der Hand Richtung Ausgang schielten, machte der 19-jährige Michail Majewski alles klar. Frisch eingewechselt, bekam er einen perfekten Ball von Adrian Burkhardt, nahm ihn mit dem ersten Kontakt an und schob mit dem zweiten ins Netz. "Ich hab gar nicht nachgedacht, einfach drauf - und drin war er", grinste der Youngster später in die Kameras. Trainer Ussia legte ihm den Arm um die Schulter und fügte süffisant hinzu: "So macht man das, wenn man nicht 60 Prozent Ballbesitz braucht." Die Szene passte zum Spielverlauf: Während Gdansk in der zweiten Hälfte zunehmend verzweifelt mit langen Bällen operierte - offenbar eine spontane taktische Anpassung -, blieb Rush stoisch bei seiner offensiven, aber kontrollierten Linie. Die Gäste kassierten zwar zwei Gelbe Karten (Gorawski, 18.; Hawn, 72.), verloren aber nie die Ordnung. Dramatisch wurde es nur kurz, als BKS-Abwehrtalent Dennis Blaszczykowski in der 85. Minute verletzt liegen blieb und ausgewechselt werden musste. Ersatzmann Philip Gancarczyk kam, sah, und… konnte das 0:2 auch nicht verhindern. Nach Abpfiff standen die Gesichter der Hausherren leer. 62 Prozent Ballbesitz, 42 Prozent gewonnene Zweikämpfe - das klingt nach Kontrolle, aber nicht nach Gefahr. Trainer Matt versuchte, den Spagat zwischen Frust und Fassung zu halten: "Wir haben gut gestanden, aber das Spiel war vorne einfach tot. Vielleicht sollten wir mal ohne Ballbesitz trainieren." Auf der anderen Seite feierte Rush Chorzow ausgelassen. Torwart Ernesto Manuel, der kaum eingreifen musste, tanzte mit den Ersatzspielern über den Rasen. "Manchmal ist Fußball ganz einfach", meinte er. "Die da drüben haben gespielt, wir haben gewonnen." So endete ein Abend, der statistisch für BKS Gdansk schmeichelhaft aussieht, aber sportlich ernüchternd war. Rush Chorzow nahm drei Punkte mit, BKS nur die Erkenntnis, dass man mit schönen Pässen allein keine Tore schießt. Und irgendwo in der Kabine summte wohl jemand leise: "Ballbesitz ist schön, Tore sind schöner." Ein Satz, den man sich in Gdansk vielleicht an die Wand hängen sollte - direkt über die Taktiktafel. 07.09.643987 14:43 |
Sprücheklopfer
Der Vorteil von Trainern wie Branko Zebec und Ernst Happel war ihre kuriose Sprache. Die Spieler mussten sich stark konzentrieren, um zu verstehen, was sie meinten. Deshalb kam ihre Botschaft so gut rüber.
Felix Magath