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Es war einer dieser Abende, an denen 43.186 Zuschauer in Portoviejo zwar nicht das Spiel ihres Lebens sahen, aber immerhin eines voller Drama, Eifer und gelber Karten. UD Portoviejo und Expreso Cuenca trennten sich am 34. Spieltag der 1. Liga Ecuador mit einem 1:1 - ein Ergebnis, das so ausgeglichen war wie der Ballbesitz: 48 zu 52 Prozent. Schon früh gab es Anlass zum Jubeln im Estadio Reales Tamarindos. In der 12. Minute zog der 19-jährige Jose Ruiz aus der zweiten Reihe ab, nachdem Abwehrchef Robert Lockhart die Kugel klug abgelegt hatte. "Ich hab einfach draufgehalten, weil Robert mich so angesehen hat, als müsste ich das tun", grinste Ruiz nach dem Spiel. Der Ball zischte unhaltbar in die rechte Ecke - 1:0 für die Gastgeber. Doch lange hielt die Freude nicht. Cuenca, von Trainer Dierk Nordi mit einer offensiven Marschroute losgeschickt, antwortete elf Minuten später. Francisco Chalana, der flinke Linksaußen, verwertete eine Flanke von Fabio Galindo eiskalt. "Ich habe nur die Augen zu und den Fuß hingehalten", sagte Chalana bescheiden - wobei sein Trainer Nordi lachend ergänzte: "Das war das erste Mal, dass Francisco die Augen aufhatte, wenn er schießt." Danach entwickelte sich ein offener Schlagabtausch. Cuenca suchte mit 14 Abschlüssen den Weg zum Tor häufiger, während Portoviejo achtmal gefährlich wurde. Besonders auffällig: der 21-jährige Oliver Stanton, der in der ersten Hälfte gleich dreimal abschloss, aber entweder an Keeper Paul Celine oder an der eigenen Zielgenauigkeit scheiterte. Trainer Special Agent - ja, der Mann heißt wirklich so - gestikulierte an der Seitenlinie wie ein Dirigent auf Speed. "Wir haben das Spiel kontrolliert, zumindest gefühlt", meinte er später, sarkastisch auf die Statistik blickend, die etwas anderes sagte. Die zweite Hälfte begann mit viel Tempo und wenig Präzision. Cuenca blieb offensiv eingestellt, aber Portoviejo verteidigte mit Herz und Härte. In der 61. Minute sah Cuencas Linksverteidiger Ivan Antunez Gelb, nachdem er Arnau Ronaldo etwas zu stürmisch vom Ball getrennt hatte. Zuvor hatten bereits Asier Conceicao (19.) und Joseba Calvente (38.) die gelbe Karte für Portoviejo kassiert. In der 70. Minute traf es dann auch Lockhart, der sich mit einem rustikalen Tackling den Unmut des Schiedsrichters zuzog - und das Raunen des Publikums. Kurz darauf der Schockmoment: Der junge Duarte Barros verletzte sich nach einem Sprintduell in der 71. Minute und musste ausgewechselt werden. Für ihn kam Pekka Uusimäki, der prompt mit einem kernigen Zweikampf sein Debüt "markierte". "Ich wollte zeigen, dass ich da bin - vielleicht ein bisschen zu deutlich", lachte er später. In der Schlussphase war Cuenca dem Sieg näher. Diego Morais prüfte in der 79. und 86. Minute den starken Torhüter Celine, der sich mit Katzenreflexen auszeichnete. Und als in der 92. Minute Oliver Stanton erneut frei zum Schuss kam, hielt das ganze Stadion den Atem an - aber der Ball flog über die Latte und landete irgendwo in der dritten Zuschauerreihe. "Das war mein Beitrag zum Merchandise-Verkauf - vielleicht kauft der Fan den Ball", witzelte Stanton danach. Portoviejo versuchte es noch einmal über Arnau Ronaldo, der in der 90. Minute aus spitzem Winkel scheiterte. Danach war Schluss - und das Publikum applaudierte anerkennend. "Ein gerechtes Ergebnis", meinte Nordi. "Beide Teams haben gezeigt, dass sie wissen, wo das Tor steht - und auch, wie man es verfehlt." Statistisch war Cuenca leicht überlegen, aber Portoviejo kämpfte wacker und ließ sich vom Offensivdrang der Gäste nicht überrollen. Die taktischen Vorgaben beider Trainer - Agent mit ausgewogener Balance, Nordi mit beharrlichem Offensivgeist - spiegelten sich im Spiel wider: Cuenca drückte, Portoviejo hielt dagegen. Und so blieb es beim 1:1, einem Resultat, das in seiner Nüchternheit fast poetisch wirkte. Der eine Punkt hilft keinem so richtig, aber schadet auch niemandem - das klassische Fußball-Paradoxon. Zum Abschied sagte Agent mit einem schelmischen Grinsen: "Wenn wir nächste Woche auch 1:1 spielen, bin ich zufrieden - solange wir das Tor zum Schluss machen." Ein Satz, der wohl in die Kabine und vielleicht auch in die Herzen der Fans von Portoviejo wandern wird. Ein lauer Abend, ein gerechtes Remis, zwei Tore mit jugendlicher Unbekümmertheit - und das Gefühl, dass in der 1. Liga Ecuador manchmal der Humor das schönste Tor schießt. 25.04.643990 09:58 |
Sprücheklopfer
Man darf über ihn jetzt nicht das Knie brechen.
Rudi Völler