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Essen hat wieder etwas zu feiern - und diesmal sind es keine Kohlenstaubwolken über der Hafenstraße, sondern Tore, die den Abend erhellten. Rot-Weiss Essen bezwang im Finale des Liga-Pokals (Oberliga H) die SF Saarbrücken mit 4:1 (2:0) und krönte sich vor 2733 begeisterten Zuschauern zu einem mehr als verdienten Pokalsieger. Schon früh war klar, dass Trainer Luca Orlando seine junge Truppe heiß gemacht hatte. "Ich hab ihnen gesagt: Wenn ihr euch heute nicht verausgabt, dann putzt ihr morgen den Bus!", grinste der Coach nach dem Abpfiff. Und seine Jungs nahmen ihn offenbar beim Wort. Bereits in der 11. Minute brannte der 17-jährige Linksverteidiger Ezequiel Assis ein Feuerwerk ab, das Saarbrückens Abwehrchef Owen Ruthven vermutlich noch im Schlaf verfolgen wird. Nach einem feinen Zuspiel von Eduard Iwanow zog Assis einfach mal ab - und der Ball segelte, von einem Hauch jugendlicher Unbekümmertheit getragen, unhaltbar ins lange Eck. 1:0 Essen, der Auftakt in einen rot-weißen Galaabend. Saarbrücken, das in den ersten Minuten durch Hugo Antonio und Tom Sauer noch mutig nach vorn stürmte, verlor danach zunehmend den Faden. "Wir waren eigentlich gar nicht so schlecht", murmelte Gästetrainer Thomas Kurz mit einem Gesichtsausdruck zwischen Trotz und Resignation. "Nur das mit den Toren… das war halt schwierig." Kurz vor der Pause dann der nächste Stich: Der 19-jährige Maurice Harrington, ohnehin Dauerbrenner auf der linken Seite, netzte in der 45. Minute nach Vorarbeit des flinken Nelson Ramallo zum 2:0 ein. Ein Treffer, wie aus dem Lehrbuch für jugendliche Angriffslust. "Ich wollte eigentlich flanken", gab Harrington später mit einem Grinsen zu, "aber wenn der Ball halt reingeht, beschwert sich keiner." Mit diesem komfortablen Vorsprung ging es in die Kabine. Dort soll Orlando laut Ohrenzeugen lediglich gesagt haben: "Bleibt dran - und spielt weiter wie auf dem Schulhof." Und siehe da, seine Mannschaft tat genau das. Saarbrücken versuchte nach der Pause alles, brachte frische Kräfte: Timo Baier und Mike Hase kamen, später auch der erfahrene Johannes Langer. Und tatsächlich gelang Langer in der 71. Minute der Anschlusstreffer, als er nach Flanke von Maximilian Schulze aus kurzer Distanz verwandelte. 2:1 - plötzlich keimte Hoffnung auf. Doch Rot-Weiss antwortete wie eine Mannschaft, die keine Lust auf Nervenkitzel hatte. Nur vier Minuten später stellte der 18-jährige Miguel Travassos den alten Abstand wieder her - nach Vorlage von Joker Jose Valente. "Ich hab den Ball auf den Fuß bekommen und gedacht: Jetzt oder nie", erklärte Travassos mit leuchtenden Augen. "Es wurde ’jetzt’." Und als wäre das noch nicht genug, setzte erneut Harrington in der 84. Minute den Schlusspunkt. Nach einem klugen Pass des 17-jährigen Mittelfeldstrategen Karol Cech schob der Linksaußen eiskalt zum 4:1 ein. Die Fans tobten, einige sangen bereits von der Tribüne: "Wir woll’n den Pokal!" - und diesmal mussten sie ihn sich nicht wünschen, sie hatten ihn schon. Statistisch war die Partie so ausgeglichen, wie das Ergebnis deutlich ist: 51,5 Prozent Ballbesitz für Essen, 48,4 für Saarbrücken. Torschüsse? 12 zu 10 - also kein Klassenunterschied auf dem Papier, aber ein Riesenunterschied in der Konsequenz. Wo Essen zielstrebig und mutig agierte, spielte Saarbrücken gepflegten, aber zahnlosen Sonntagsfußball. Nach dem Schlusspfiff fiel Coach Orlando seinen Youngstern in die Arme. "Das Durchschnittsalter meiner Elf liegt bei 18 Jahren - und sie haben gespielt wie alte Hasen", schwärmte er. Und tatsächlich: Die Jugend von Rot-Weiss zeigte, dass Fußball nicht nur Erfahrung, sondern auch Frechheit ist. Saarbrückens Trainer Kurz hingegen stapfte mit hängenden Schultern vom Platz. Auf die Frage, was er seiner Mannschaft jetzt sage, meinte er trocken: "Dass sie wenigstens die Medaillen nicht verlieren sollen." Während die Gäste also leise abtraten, feierte Essen ausgelassen. Kapitän Petri Rautiainen, der Torwart, tanzte mit der Eckfahne, während Harrington auf den Schultern seiner Mitspieler Pokal und Publikum gleichermaßen bejubelte. Und irgendwo zwischen Bengalos und Jubelrufen rief ein Fan: "Wenn die so weitermachen, spielen die bald Champions League!" - worauf Orlando lachend zurückwinkte: "Erstmal Mathearbeit am Montag!" So endete ein Abend, der zeigte, wie viel Spaß Fußball machen kann, wenn man ihn einfach spielen lässt. Rot-Weiss Essen hat sich mit jugendlicher Leichtigkeit den Pokal geschnappt - und vielleicht auch ein Stück Zukunft. 07.10.643993 18:28 |
Sprücheklopfer
Wir haben gegen zwei Mannschaften gewonnen, die von sich behaupten, ein Titelkandidat zu sein. Aber es war doch geradezu abenteuerlich von Leverkusen, mit drei Punkten als Ziel nach Schalke zu kommen. Wir sind doch schließlich nicht der SV Grün-Weiß Köln-Kalk.
Rudi Assauer nach dem 1:0-Erfolg gegen Europapokalsieger Borussia Dortmund, eine Woche nach dem 2:1 gegen Vizemeister Bayer Leverkusen