Außenseiter
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Rot-Weiss Essen schießt Erfurt in Grund und Boden

Manchmal braucht es keine taktische Finesse, keine komplizierten Formationen - manchmal reicht einfach ein junger Stürmer mit richtig viel Lust auf Tore. Am Sonntagabend, 20:15 Uhr, unter den Flutlichtern an der Hafenstraße, zeigte Rot-Weiss Essen, wie so etwas aussieht. 4:0 hieß es am Ende gegen ein völlig überfordertes RW Erfurt. Und die 3.838 Zuschauer bekamen genau das, was sie wollten: Offensivfußball, jugendlichen Übermut und ein bisschen Ruhrpott-Pathos.

"Ich hab einfach geschossen, weil ich dachte: warum eigentlich nicht?", grinste Miguel Travassos nach dem Spiel - und das mit gutem Grund. Der 18-jährige Mittelstürmer erzielte zwei Tore selbst (13. und 28. Minute) und bereitete zwei weitere direkt vor. "Der Junge hat heute gespielt, als hätte er gestern seinen Führerschein bekommen und wollte gleich auf die Autobahn", witzelte Trainer Luca Orlando.

Schon nach wenigen Minuten war klar, wer hier das Kommando führte. Essen, offensiv eingestellt, mit 18 Torschüssen im ganzen Spiel, drückte Erfurt tief in die eigene Hälfte. Maurice Harrington prüfte den jungen Gästekeeper Fricke in der 2. und 4. Minute, Nelson Ramallo legte in der 7. nach. Als Travassos dann in der 13. Minute nach einem Pass von Nasreddin Sentürk trocken einschoss, brach das Eis - und die Tribüne gleich mit.

Erfurt, das laut Trainer Mario Pingel "eigentlich gar nicht so schlecht angefangen" hatte, fiel danach in Schockstarre. Das 2:0 (28.) durch Travassos nach feinem Zuspiel von Nick Richter war fast ein Duplikat des ersten Treffers - nur noch konsequenter. "Da war einfach zu viel Platz in der Mitte", stöhnte Erfurts Abwehrchef Christophe Marchand, "wir standen da wie im Haltestellenmodus."

Zur Pause sah alles nach einem gemütlichen Abend für die Essener aus. Der Ballbesitz war zwar fast ausgeglichen (50,5 zu 49,5 Prozent), aber die Zahlen logen: Essen machte aus jeder Offensivaktion Gefahr, Erfurt aus jeder Defensivaktion ein Abenteuer.

Nach dem Seitenwechsel änderte sich wenig. Die Gäste blieben brav bei ihrer "Balanced"-Taktik mit "Weak Effort" - sinngemäß also: nicht überanstrengen, vielleicht geht ja was. Ging aber nichts. Stattdessen sorgte Sentürk in der 60. Minute nach Vorarbeit von Travassos für das 3:0. Ein Schuss, so zielstrebig wie ein Paketbote am Freitagabend.

Bei der Heimelf wurde munter gewechselt. Lenz ging in der 68. Minute raus, Longfellow kam - und holte sich prompt in der 83. Minute die Gelbe Karte ab, als er etwas zu enthusiastisch in einen Zweikampf rauschte. "Ich wollte zeigen, dass ich da bin", erklärte er später mit einem Grinsen.

Das 4:0 in der 78. Minute war dann endgültig der Deckel auf einem rot-weißen Fest: Eduard Iwanow, ebenfalls 18, schlenzte den Ball nach Vorlage - natürlich - von Travassos ins lange Eck. Ein Tor, das man sich gerne zweimal anschaut. Und das Publikum tat das auch, in Form von stehenden Ovationen.

Erfurt kam in der 81. und 88. Minute noch zu zwei harmlosen Abschlüssen, aber mehr als kosmetische Statistikpflege war das nicht. Vier Torschüsse insgesamt - das nannte Trainer Pingel hinterher "eine offensive Duftmarke mit Potenzial nach oben".

Nach dem Abpfiff versammelte Orlando seine Jungs im Kreis. "Ich hab ihnen gesagt, sie sollen das genießen", berichtete er. "Solche Spiele sind selten - und Travassos soll sich bitte nicht einbilden, dass das jetzt jeden Sonntag so läuft." Der Stürmer selbst nickte bescheiden, fügte aber an: "Wenn der Ball wieder so läuft, kann’s ruhig öfter passieren."

Essen zeigte an diesem 22. Spieltag der Oberliga H, dass jugendlicher Enthusiasmus manchmal mehr wert ist als Routine. Erfurt hingegen wirkte, als hätte man ihnen die Spielanweisung "Pressing: behind" zu wörtlich genommen - sie blieben tatsächlich ständig hinterher.

Und so endete ein Abend, an dem die Hafenstraße leuchtete, die Fans sangen und selbst der Stadionsprecher beim vierten Tor kurz die Stimme verlor. Man darf gespannt sein, wie lange die jugendliche Euphorie in Essen anhält - aber eines steht fest: Wenn Travassos so weitermacht, wird er bald nicht mehr lange nur in der Oberliga H für Gesprächsstoff sorgen.

Oder, wie ein älterer Fan beim Hinausgehen murmelte: "Dat war Fußball, Junge. Kein Tiki-Taka, kein Firlefanz - einfach rein da." Und genau so lieben sie es hier.

21.05.643993 21:12
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Man darf das Spiel doch nicht so schlecht reden wie es wirklich war.
Olaf Thon
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