Außenseiter
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Rot-Weiss Essen rettet Remis gegen Landau - Teenager Moll sorgt für Jubelsturm

Ein Flutlichtabend an der Hafenstraße, 3774 Zuschauer, die Fäuste in den Manteltaschen, und ein 17-Jähriger, der plötzlich entscheidet, dass Erfahrung überschätzt wird: Rot-Weiss Essen und der ASV Landau trennten sich am 15. Spieltag der Oberliga H 1:1 (0:1). Es war ein Spiel zwischen jugendlichem Übermut und abgeklärter Routine - und am Ende hatte beides irgendwie recht.

Schon in den ersten Minuten zeigten die Hausherren, dass sie den Gegner unter Druck setzen wollten. Trainer Luca Orlando hatte seine Elf offensiv ausgerichtet, und besonders der junge Miguel Travassos sorgte früh für Betrieb. In der 9. Minute prüfte er Landaus Keeper Taras Fedotow erstmals ernsthaft. "Ich wollte einfach draufhalten", grinste Travassos später, "aber der Torwart hat wohl die längeren Arme."

Doch während Essen anlief, wartete Landau geduldig auf seine Chance - und nutzte sie eiskalt. In der 27. Minute kombinierte sich der ASV über rechts durch, Pattrick Krieger flankte mit der Präzision eines Uhrmachers, und Xavier Marquez köpfte zum 0:1 ein. Essen schaute kurz irritiert, als hätte jemand in der Kantine das Licht ausgemacht. "Da waren wir einmal zu weit weg vom Mann", knurrte Orlando nach dem Spiel, "und schon steht’s hinten drin."

Bis zur Pause rannten die Gastgeber an, doch weder Travassos noch der erfahrene Matthias Schwarz fanden den Weg vorbei an Fedotow. Der ASV verteidigte mit einer stoischen Ruhe, die an einen Yoga-Kurs erinnerte.

In der Halbzeitpause flogen in der Essener Kabine angeblich keine Teetassen, aber laute Worte soll es gegeben haben. Zumindest wirkte das Team danach entschlossener. Orlando brachte mit dem jungen Innenverteidiger Niklas Hess (60.) frische Beine und Mut - ein Wechsel, der später noch Bedeutung bekommen sollte.

Dann kam die 66. Minute, und sie hatte eine Pointe, wie sie nur der Fußball schreibt. Ausgerechnet der 17-jährige Rechtsverteidiger Walter Moll, bis dahin vor allem durch beherzte Grätschen aufgefallen, startete nach einem Pass von Hess über rechts durch. Niemand rechnete mit einem Abschluss - außer ihm. Moll zog aus 20 Metern einfach ab, der Ball flatterte, und Fedotow sah aus wie ein Mann, der plötzlich an Windkraft glaubt. 1:1! Das Stadion explodierte. "Ich hab einfach gedacht: Versuch’s mal, schlimmer kann’s ja nicht werden", sagte Moll später mit einem Grinsen, das fast breiter war als der Mittelkreis.

Danach drängte Essen auf den Sieg. 14 Torschüsse insgesamt, fast doppelt so viele wie Landau, und doch fehlte das letzte Quäntchen Glück. Miguel Travassos hämmerte in der 82. Minute einen Ball knapp über die Latte, während der eingewechselte Jacob Jaeger kurz darauf Fedotow zu einer Glanztat zwang. Landau dagegen lauerte weiter auf Konter - und kam in der 89. Minute durch Wilhelm Nowak beinahe noch zum Sieg, doch RWE-Keeper Joschua Schulze parierte souverän.

Statistisch gesehen hatte Landau etwas mehr Ballbesitz (53,6 Prozent), Essen dafür die klareren Chancen und die bessere Zweikampfquote (53,4 Prozent). Es war ein Duell auf Augenhöhe - wenn auch mit unterschiedlichen Philosophien: hier jugendlicher Offensivdrang, dort taktische Abgeklärtheit.

ASV-Coach Schneider (der sich nach Abpfiff demonstrativ an seinem Notizblock festhielt) meinte trocken: "Wenn man in Essen einen Punkt holt, darf man zufrieden sein. Und wenn der Gegner lauter Teenager bringt, sollte man vielleicht einen Jugendtrainer mitschicken."

Luca Orlando konterte mit einem Lächeln, das zwischen Stolz und Trotz pendelte: "Unsere Jungs haben Charakter gezeigt. Walter Moll ist 17 - und trifft, als würde er das jeden Freitag machen. Das ist unser Weg. Wir lernen, wir wachsen, und manchmal schießen wir sogar Tore."

Als die Flutlichter ausgingen, standen die Essener Spieler Arm in Arm vor der Westtribüne. Die Fans sangen, als wäre der Aufstieg schon sicher, und irgendwo mischte sich das Lachen eines Trainers mit dem Staunen eines Jungen, der gerade sein erstes Oberliga-Tor erzielt hatte.

Ein 1:1, das sich für Essen wie ein kleiner Sieg anfühlt - und für Landau wie die gerechte Belohnung für 90 Minuten Disziplin. Vielleicht kein Fußballmärchen, aber eine dieser Geschichten, die man in Essen noch ein paar Tage weitererzählt.

Oder, wie ein älterer Fan beim Hinausgehen murmelte: "Wenn die so weitermachen, spiel’n die bald Champions League - in der Jugendabteilung."

Ein bisschen Ironie darf eben sein, an der Hafenstraße.

10.07.643987 08:25
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