Anpfiff
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Rot-Weiss Essen fegt Lotte mit jugendlicher Leichtigkeit vom Platz

Es war ein Freitagabend, wie ihn die 3836 Zuschauer an der Hafenstraße lieben: Flutlicht, Bratwurstgeruch, und ein Rot-Weiss Essen in Spiellaune. Am Ende stand ein sattes 3:0 gegen die Sportfreunde Lotte - ein Ergebnis, das so deutlich war, wie der Unterschied in Leidenschaft und Tempo.

Schon nach wenigen Minuten war klar, wer hier den Ton angibt. Essen startete offensiv, wie es Trainer Luca Orlando offenbar in die DNA seiner jungen Truppe eingraviert hat. "Wir wollten Lotte gar nicht erst das Gefühl geben, dass sie hier was holen könnten", grinste Orlando nach dem Spiel. Seine Elf setzte das in beeindruckender Manier um.

In der 14. Minute nahm die Party ihren Lauf: Der erst 18-jährige Nelson Ramallo, spritzig wie ein Energy-Drink auf zwei Beinen, vollendete nach feinem Zuspiel von Agemar Henrique eiskalt zum 1:0. Der Jubel war ohrenbetäubend - nicht nur, weil Ramallo fast bis zur Eckfahne durchrutschte, sondern weil das Publikum spürte: Heute läuft’s.

Kaum hatten sich die Sportfreunde von dem Schock erholt, klingelte es schon wieder. In der 20. Minute ließ Miguel Travassos, gerade einmal 19 Jahre jung, Lotter Torhüter Vitor Viana keine Chance. 2:0 - und der 44-jährige Schlussmann der Gäste dürfte sich in diesem Moment gefragt haben, ob er sich nicht doch besser hätte in den Alt-Herren-Kader zurückziehen sollen.

Lotte hatte mehr Ballbesitz (53,6 Prozent, wer’s genau wissen will), aber weniger Plan, was man damit anfangen soll. Ihre sechs Torschüsse wirkten eher wie höfliche Anfragen als wie ernsthafte Drohungen. Jens Thuesen versuchte es in der 10., 57. und 71. Minute - alle Male sicher Beute von Essens Keeper Petri Rautiainen. Der junge Finne parierte gelassen, als würde er gerade eine Fliege fangen. "Ich hatte heute einen guten Blick. Die Bälle kamen ja auch meist freundlich auf mich zu", meinte er später trocken.

Zur Pause stand es 2:0, und im Gästeblock herrschte betretenes Schweigen. Trainer Bauer Hauer von Lotte versuchte, seine Männer wachzurütteln. "Ich habe ihnen gesagt, sie sollen das Spiel annehmen", erklärte er nachher - um dann mit einem Seufzen hinzuzufügen: "Aber sie haben wohl den falschen Lieferschein unterschrieben."

Essen hingegen blieb heiß. Zwar sah der junge Ezequiel Assis nach 33 Minuten Gelb, weil er etwas zu energisch klärte - aber das passte zur galligen Entschlossenheit dieser Mannschaft. Auch Innenverteidiger Nelio Zubiaurre kassierte später noch eine Verwarnung (72.), doch niemand im Stadion nahm es ihm übel. Schließlich war er ansonsten überall, wo’s brannte.

In der Schlussphase durfte das Publikum dann noch einmal jubeln. In der 81. Minute legte der eingewechselte Phillip Berg schön quer, und Maurice Harrington schob locker zum 3:0 ein. Der Junge grinste danach wie ein Lottogewinner: "Ich hab nur draufgehalten. Wenn du so einen Ball bekommst, musst du einfach Danke sagen."

Die letzten Minuten verliefen standesgemäß: Lotte mühte sich, Essen kombinierte, das Publikum sang. Und als Schiedsrichterin Sabine Krüger abpfiff, war klar - das war ein Statement-Sieg. 24 Torschüsse, 55 Prozent gewonnene Zweikämpfe, drei Tore - Rot-Weiss Essen erinnerte an jene ungestüme Version, die man einst nur aus Pokalgeschichten kannte.

Trainer Orlando zeigte sich nach dem Spiel zufrieden, aber nicht übermütig: "Junge Mannschaft, klar. Aber heute hat man gesehen, was passiert, wenn man mutig bleibt. Wir dürfen jetzt nur nicht glauben, dass alles von selbst geht - wobei, ein bisschen darf man das schon genießen."

Bauer Hauer hingegen suchte Trost in der Statistik. "Wir hatten mehr Ballbesitz", murmelte er, bevor er ins Mannschaftsbus schwieg.

Ein Abend, der in Essen noch lange nachhallte. Die Fans zogen singend durch die Straßen, und einer rief in die Nacht: "Wenn das der fünfte Spieltag ist, dann will ich den zehnten gar nicht wissen!"

Ein bisschen Übermut darf sein - schließlich hat Rot-Weiss Essen an diesem Abend gezeigt, dass jugendlicher Elan manchmal klüger spielt als routinierte Erfahrung. Und wer so auftritt, darf auch mal träumen. Von mehr als nur Regionalliga D.

07.01.643994 00:07
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Man darf das Spiel doch nicht so schlecht reden wie es wirklich war.
Olaf Thon
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