Außenseiter
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Rot-Weiss Essen dreht das Spiel: Jungspunde mit Nerven aus Stahl

Es war ein frostiger Freitagabend im Stadion Grüne Au, aber die 3661 Zuschauer brauchten keine Glühweinwärmer, um auf Betriebstemperatur zu kommen. Bayern Hof empfing am 16. Spieltag der Oberliga H die Gäste von Rot-Weiss Essen - und lange Zeit sah es so aus, als würde das Heimteam den Favoriten in die Oberfranken-Kälte schicken. Am Ende stand jedoch ein 1:2 auf der Anzeigetafel, das so mancher Hof-Fan noch im Schlaf sehen dürfte.

Dabei hatte alles so gut begonnen für die Mannen von Trainer Samih Uresen. Seine Elf startete mutig, offensiv, fast übermütig. Gleich in der dritten Minute setzte Olaf Franke das erste Warnzeichen, und als der 29-Jährige in der 22. Minute nach feiner Vorarbeit von Duarte Viana die Kugel zum 1:0 einschob, bebte die Tribüne. "Ich dachte, der Ball sei schon draußen, aber dann lag er plötzlich vor meinen Füßen", grinste Franke nach dem Spiel.

Bayern Hof blieb am Drücker, 13 Torschüsse sollten es am Ende werden - doppelt so viele wie der Gegner. Doch das Runde wollte einfach nicht mehr ins Eckige. Tim Eder donnerte das Leder in der 12. Minute an den Außenpfosten, Filip Lindström scheiterte kurz vor der Pause am glänzend reagierenden Essener Schlussmann Joschua Schulze. Rot-Weiss Essen wirkte in der ersten Halbzeit jung, nervös und - man darf es sagen - leicht überfordert. "Ich musste in der Kabine lauter werden", gestand Gästetrainer Luca Orlando später. "Aber nur ein bisschen. Die Jungs sind 17, da reicht ein strenger Blick."

Der zweite Durchgang begann mit einem Paukenschlag - allerdings aus Essener Sicht. In der 54. Minute tauchte plötzlich der erst 17-jährige Miguel Travassos im Strafraum auf, bekam den Ball von Ricardo Obregon serviert und vollstreckte eiskalt zum 1:1. Ausgerechnet jener Travassos, der laut Spielbericht in der Pause eigentlich ausgewechselt werden sollte. "Ich stand schon halb draußen, als der Coach rief: ’Miguel, bleib!’", erzählte der Teenager lachend. "Zum Glück hab ich’s gehört."

Von da an kippte das Spiel. Bayern Hof blieb zwar feldüberlegen, hatte mit 51 Prozent Ballbesitz und dem besseren Zweikampfwert (53 Prozent) auch die Statistiken auf seiner Seite, doch Rot-Weiss Essen zeigte, warum man manchmal nicht die Zahlen, sondern die Nerven zählen sollte.

In der 70. Minute war es dann Ricardo Obregon selbst, der nach einer butterweichen Vorlage von Lucas Thuringer den Ball unhaltbar in den Winkel drosch - 1:2. Die mitgereisten Essener Fans sangen sich die Winterjacken warm, während Hofs Verteidiger ratlos in die kalte Nacht blickten. "Wir haben einmal nicht aufgepasst, und das hat gereicht", murmelte Innenverteidiger Marvin Gärtner.

Die Schlussphase gehörte wieder den Gastgebern. Olaf Franke versuchte es in der 85. Minute mit einem Drehschuss, Duarte Viana prüfte Keeper Schulze in der 89., und sogar Rechtsverteidiger Joshua Heinemann zog in der Nachspielzeit ab - doch der Ball wollte einfach nicht mehr rein. Stattdessen sammelte Heinemann in der 73. Minute noch Gelb, ebenso wie zwei junge Essener (Niklas Hess und Martin Frey), die sich offenbar beweisen wollten, dass Zweikämpfe auch eine Kunstform sein können.

Nach dem Abpfiff war die Stimmung geteilt: Auf der einen Seite Erleichterung und jugendlicher Jubel, auf der anderen Frust und Frösteln. Trainer Uresen fasste es trocken zusammen: "Wir haben gut gespielt, aber Fußball ist kein Schönheitswettbewerb. Wenn das so wäre, hätten wir gewonnen."

Essen-Coach Orlando dagegen strahlte wie jemand, der gerade den Weihnachtsbaum gefunden hat, bevor der Nachbar ihn sieht: "Das war Charakter pur. Zwei Tore von Jungs, die noch nicht mal einen Führerschein haben - das macht mich stolz."

So endete ein Spiel, das mehr Geschichten bot, als das Ergebnis vermuten lässt: Bayern Hof mit Leidenschaft, aber ohne Fortune; Rot-Weiss Essen mit jugendlichem Leichtsinn, der sich diesmal als Glücksgriff erwies.

Vielleicht war es am Ende genau das, was die 3661 Zuschauer an diesem Abend mit nach Hause nahmen: die Erinnerung daran, dass Fußball manchmal einfach ein Spiel der Unvernunft ist - und dass 17-Jährige aus Essen dafür sorgen können, dass gestandene Männer aus Hof sich fragen, wie das eigentlich passieren konnte.

Und irgendwo in der Kabine von Bayern Hof sagte Olaf Franke leise zu sich selbst: "Nächstes Mal hau ich ihn wieder rein." - Man glaubt es ihm sofort.

11.07.643987 18:03
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