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Ein Winterabend, der alles hatte: eisige Luft, heiße Stimmung und ein Spiel, das sich anfühlte wie eine besonders wilde Oper - inklusive Drama, Leidenschaft und einem Abgang mit Gelb-Rot. 26.002 Zuschauer im Salzburger Stadion sahen beim 3:2 von Rot-Weiß Salzburg gegen den FC Bleiburg Fußball, der mehr Nerven kostete als ein Montagmorgen im Stau. Schon nach neun Minuten brandete erstmals Jubel auf. Christian Lockhart, der rechte Wirbelwind der Salzburger, setzte nach einem präzisen Zuspiel von Javi Aznar zum Schuss an - und traf flach ins lange Eck. "Ich hab einfach draufgehalten, die Kugel wollte rein", grinste Lockhart später, während er sich noch die Schneeflocken aus den Haaren wischte. Das 1:0 war verdient, denn die Rot-Weißen begannen forsch und drängten über die Flügel, ganz nach dem Geschmack von Trainer Dietmar Schmitzberger, der schon vor dem Anpfiff versprochen hatte: "Heute spielen wir mit Herz und Lunge, notfalls auch ohne Kopf." Doch Bleiburg ließ sich nicht einschüchtern. Nach zwanzig Minuten schlug Mikael Söderberg zurück - ein klassischer Konter, eingeleitet von Rechtsverteidiger Ferenc Radoki, der den Ball butterweich in den Lauf des Schweden legte. Söderberg blieb eiskalt, umkurvte Keeper Henrick Ganesvoort und schob zum 1:1 ein. Der Gästeblock tobte, und Trainer Siegi Kowa klatschte die Ersatzspieler ab: "Genau so wollte ich das sehen - mit einem Lächeln und zwei Pässen durchs ganze Feld!" Das Spiel blieb eine offene Schlagabfolge, und kurz darauf kam Uwe Konrad ins Rampenlicht. In der 31. Minute nahm der junge Mittelfeldspieler Maß und zimmerte den Ball aus 18 Metern in den Winkel - 2:1 für Salzburg, ein Treffer, der selbst den Schneemann am Spielfeldrand kurz zum Schmelzen brachte. Kurz vor der Pause sah Bleiburgs Innenverteidiger Nevio Heine Gelb, eine Verwarnung, die noch Folgen haben sollte. Nach dem Seitenwechsel drückte Bleiburg: 14 Torschüsse und 55 Prozent Ballbesitz - die Statistik sprach eigentlich für sie. Salzburg konterte, kämpfte, kratzte an der Grenze zum Chaos, aber sie hielten dagegen. Der junge Stürmer Curt Ahrens belohnte die Gäste in der 70. Minute: Nach schöner Vorarbeit von Kai Raab jagte er den Ball humorlos in die Maschen. 2:2 - der Ausgleich war verdient, und auf der Salzburger Bank herrschte kurz Schweigen. Doch kaum hatte man sich auf ein mögliches Unentschieden eingestellt, da schlug Karsten Klein zurück. Nur eine Minute nach dem Ausgleich drosch der rechte Flügelspieler den Ball, nach Pass von Gull Villadsen, mit einer Wucht ins Tor, dass die Latte noch nachhallte. 3:2 - das Stadion explodierte. "Ich hab gar nicht gezielt", gab Klein später lachend zu. "Ich wollte ihn einfach irgendwohin hauen, wo der Torwart nicht steht. Hat geklappt." Danach wurde’s hitzig. Erst kassierte Villadsen seine Gelbe (25.), später folgten Leif Söderberg (75.) und der eingewechselte Serge Fournier (83.). Auf der anderen Seite musste Bleiburgs Ferenc Radoki ebenfalls Gelb nehmen, und schließlich traf es Nevio Heine erneut: In der 88. Minute sah er Gelb-Rot, weil er, so der Schiedsrichter, "etwas zu herzhaft am Trikot gezogen habe". Heine stapfte vom Platz und rief seinem Trainer zu: "Ich hab ihn doch kaum berührt!" - worauf Kowa trocken meinte: "Ja, aber er fiel halt schön." Taktisch blieb’s bei beiden Teams offensiv - Salzburg über die Flügel, Bleiburg ausgewogen, aber am Ende fehlte den Gästen die Kaltschnäuzigkeit. Trotz ihrer Überlegenheit im Ballbesitz blieb der Lucky Punch aus. Salzburg verteidigte den knappen Vorsprung mit allem, was Beine hatte, und Coach Schmitzberger feuerte von der Seitenlinie: "Noch drei Minuten! Lauft, als gäb’s Freibier im Ziel!" Als der Schlusspfiff kam, fiel eine Mischung aus Erleichterung und Triumph über Salzburg herein. 3:2, das Ergebnis eines Abends, an dem beide Mannschaften mehr liefen als redeten - und am Ende doch viel zu erzählen hatten. "Wir haben mehr gezittert als gespielt, aber gewonnen ist gewonnen", sagte Schmitzberger mit einem Grinsen, das man nur nach Siegen sieht. Gästetrainer Kowa dagegen seufzte: "Wenn du zwei Tore auswärts schießt, willst du nicht mit leeren Händen heimfahren. Aber Fußball ist kein Wunschkonzert." Und so stand am Ende ein Heimsieg, der weniger mit Eleganz, sondern mit Entschlossenheit errungen wurde. Salzburg bleibt oben dran, Bleiburg fährt mit hängenden Köpfen, aber erhobenem Stolz nach Hause. Und irgendwo im Stadion murmelte ein Fan beim Hinausgehen: "Das war nix für schwache Nerven - aber genau deswegen kommen wir ja." Ein Abend, der wieder einmal bewies: Fußball schreibt die besten Geschichten selbst - man muss sie nur laut genug erzählen. 25.08.643987 10:00 |
Sprücheklopfer
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