Anpfiff
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Rot-Weiß Halle verspielt Führung - Braunschweig dreht Partie in 13 Minuten

Es war einer dieser Abende in Halle, an denen man sich fragt, warum Fußball gleichzeitig so grausam und so wunderbar sein kann. 4000 Zuschauer froren sich am Freitagabend im Erdgas-Sportpark die Hände warm - doch was sie sahen, war ein Spiel, das in Sachen Dramatik locker mit einem Krimi konkurrierte. Am Ende jubelte der Gast aus Braunschweig über ein 2:1, während die Hallenser mit hängenden Köpfen vom Platz schlichen.

Dabei hatte alles so verheißungsvoll begonnen. Bereits in der 15. Minute brachte Diego Jordao die Gastgeber in Führung - und das nach einem feinen Zuspiel seines Flügelpartners Nelio Meira. "Ich hab den Ball perfekt erwischt, ehrlich gesagt war ich selbst überrascht, dass er so reinging", grinste Jordao später in der Mixed Zone. Trainer Luis Muriel sprang an der Seitenlinie so hoch, dass man kurz dachte, er wolle selbst eingewechselt werden.

Rot-Weiß Halle dominierte die erste Hälfte nach Belieben. 59 Prozent Ballbesitz, ein gepflegtes Kurzpassspiel - und Braunschweig? Die Gäste wirkten nervös, verloren früh ihren jungen Linksverteidiger Johann Schramm, der sich in Minute 11 bei einem unglücklichen Zweikampf am Knöchel verletzte. "Das war bitter, Johann ist einer unserer Schnellsten. Danach mussten wir improvisieren", erklärte Trainer Heiko Duwe, der den erfahrenen Claudiu Jula einwechselte - und damit ungewollt die Wende einleitete.

Denn nach der Pause zeigte sich ein anderes Braunschweig. Vielleicht hatte Duwe in der Kabine einen besonders kräftigen Espresso serviert, vielleicht war es einfach der Stolz seiner Mannschaft - jedenfalls legten die Löwen plötzlich los. Der 18-jährige Maurice Hartung, gerade erst eingewechselt, belebte das Zentrum, spielte frech nach vorne und bereitete in der 62. Minute den Ausgleich vor: Berndt Urban traf nach einem präzisen Querpass aus spitzem Winkel. "Maurice hat da kein bisschen gezögert - das war eiskalt gespielt", lobte Duwe später.

Halle hingegen wirkte konsterniert. Statt weiter mutig zu kombinieren, verloren sie die Ordnung. Trainer Muriel brüllte von der Linie: "Bleibt ruhig, Männer!" - aber die Ruhe blieb aus. Nur 13 Minuten nach dem 1:1 schlug Lars Krause zu. Der Braunschweiger Mittelstürmer hatte zuvor schon drei Mal vorbeigeschossen, diesmal aber setzte er den Ball wuchtig unter die Latte - 1:2 in der 75. Minute, und das Spiel war gedreht.

"Ich wusste, irgendwann muss er ja mal reingehen", lachte Krause nach dem Spiel. "Der Keeper hat mir vorher schon den letzten Nerv geraubt." Niclas Rose im Tor der Hallenser konnte einem tatsächlich leidtun - 17 Schüsse feuerten die Gäste ab, und zwei davon waren einfach unhaltbar.

In der Schlussphase warfen die Hallenser alles nach vorn. Daniel Brun prüfte den Braunschweiger Keeper gleich drei Mal (86., 91.), Laszlo Safar zog in der Nachspielzeit noch einmal wuchtig ab - doch Tomas Galasek im Gästetor hielt, was zu halten war. "Der Ballbesitz ist schön, aber Tore zählen", murmelte Muriel nach dem Abpfiff, während er sich den Mantelkragen hochzog. "Wir haben das Spiel in zehn Minuten verschenkt."

Statistisch gesehen war’s fast paradox: Halle hatte mehr vom Spiel, mehr Pässe, mehr Struktur - Braunschweig aber hatte die Effizienz eines Schweizer Uhrwerks. 40 Prozent Ballbesitz reichten, um zwei Tore zu schießen und drei Punkte einzupacken. Vielleicht war das gar nicht unverdient: Während Halle sich in Schönheit übte, war Braunschweig schlicht zielstrebiger.

In der Kabine der Gäste klang Musik, während Heiko Duwe mit verschränkten Armen grinste: "Wir wussten, dass Halle viel Ballbesitz will. Aber Ballbesitz gewinnt keine Spiele - Tore schon." Auf der anderen Seite herrschte Schweigen. Nur Diego Jordao stand noch lange auf dem Rasen, blickte in die Flutlichtmasten und schüttelte den Kopf. "Es fühlt sich an, als hätten wir gegen uns selbst verloren", sagte er leise.

Am Ende bleibt ein lehrreiches Spiel für beide Seiten: Halle weiß nun, dass Schönheit allein keine Punkte bringt. Braunschweig dagegen, dass Geduld manchmal der beste Stürmer ist. Und die 4000 Zuschauer? Die gingen mit kalten Fingern, aber warmem Herzen nach Hause - denn wer solche Wendungen liebt, der liebt diesen Sport.

Oder, um es mit einem Fan auf der Tribüne zu sagen: "Das war nix für schwache Nerven - aber genau deswegen kommen wir ja her."

07.08.643990 11:38
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Sprücheklopfer
Das ist doch nicht weltbewegend, wenn ich einen Neuville auf rechts habe, und der spielt halt auf Rechtsaußen. Und der Bode spielt links, das ist eben so - und der Bierhoff in der Mitte.
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