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Rot-Weiß Graz stolpert im Pokal - Altach tanzt ins Halbfinale

Es war ein Abend, an dem der Fußballgott offenbar ein Altacher Trikot trug. Rot-Weiß Graz, sonst zuhause eine Macht, musste sich im Pokal-Viertelfinale vor 53.100 Zuschauern im eigenen Stadion mit 1:3 (0:0) dem FC Altach geschlagen geben. Und das, obwohl die Grazer mehr Ballbesitz (54 Prozent) und durchaus Chancen hatten - aber eben nicht die Effektivität der cleveren Gäste.

Die ersten 45 Minuten verliefen wie eine Tasse lauwarmer Kamillentee: beruhigend, aber ohne besonderen Geschmack. Graz spielte gefällig, ließ den Ball laufen, Altach lauerte - und lauerte erfolgreich. "Wir wussten, dass sie kommen würden", knurrte Altach-Trainer José Raul Capablanca nach der Partie und klopfte seinem Matchwinner Aleksandar Drulic auf die Schulter. "Aber wir hatten unsere Fallen gestellt."

Die erste Falle schnappte in der 48. Minute zu. Der 20-jährige Ansgar Carlsen, bis dahin mehr mit Abwehrarbeit beschäftigt, tauchte plötzlich frei auf und versenkte nach Pass von Sigurd Mattson eiskalt - 0:1. Der Altacher Jubel war so laut, dass selbst die Tauben auf der Stadiontribüne kurz die Orientierung verloren.

Doch Rot-Weiß Graz antwortete prompt. Sechs Minuten später, in der 54. Minute, donnerte Linksverteidiger Nael Hermenegildo den Ball nach Vorlage von Routinier Olaf Unger ins Netz. Hermenegildo grinste später: "Ich dachte eigentlich, Olaf wollte schießen. Aber ich nehme den Treffer gern." Das Stadion tobte, die Hoffnung kehrte zurück - ganze acht Minuten lang.

Denn dann kam Drulic. Der bullige Mittelstürmer hatte schon in der ersten Halbzeit mehrere Warnschüsse abgegeben, diesmal traf er. Wieder war Sigurd Mattson der Vorlagengeber (62.). 1:2, und die Grazer Defensive wirkte plötzlich so stabil wie ein Kartenhaus im Föhnwind. "Wir haben den Zugriff verloren", gestand Trainer Carsten Krause später. "Und Drulic war einfach zu wuchtig. Ich hätte mir gewünscht, er hätte heute mal einen schlechten Tag."

Altach zog sein Spiel nun eiskalt durch. Während Graz hektisch anlief, lauerte Capablancas Team auf den nächsten Fehler - und bekam ihn. In der 79. Minute köpfte Roland Ivana nach Flanke von Innenverteidiger Matti Wojtowicz zum 3:1 ein. Der Drops war gelutscht. Auf der Grazer Bank flog kurz eine Wasserflasche, während der Altacher Trainer stoisch die Hände in die Manteltaschen steckte.

"Wir wussten, wenn wir kompakt bleiben, kriegen sie irgendwann kalte Füße", meinte Wojtowicz später schmunzelnd. "Und bei uns war Drulic halt heiß wie ein Grillabend im Juli."

Die Statistik sprach am Ende eine klare Sprache: 16 Torschüsse für Altach, nur 9 für Graz. Zwar hatten die Hausherren etwas mehr Ballbesitz, doch das brachte ihnen wenig. Die Altacher Defensive stand wie eine Betonwand, und Torhüter Halvor Andreasen fischte, was doch mal durchkam, mit stoischer Ruhe heraus.

Carsten Krause versuchte, das Positive zu sehen: "Wir haben in der ersten Halbzeit gut kontrolliert, aber im Pokal zählt halt nicht Kontrolle, sondern Tore. Und davon hat Altach drei geschossen, wir eins. Fußball kann so grausam sein."

Auf den Rängen diskutierten die Fans derweil hitzig. Einer rief: "Krause raus!", ein anderer konterte: "Dann spiel du doch!" - eine Szene, die sinnbildlich für die Grazer Ratlosigkeit stand.

Altach dagegen darf vom Pokaltraum weitersingen. "Wir waren nicht schön, aber effizient", fasste Capablanca zusammen. "Und manchmal reicht das."

Am Ende verließen die Spieler von Rot-Weiß Graz den Platz mit hängenden Köpfen, während die Gäste jubelnd zur Kurve liefen. In der Kabine soll Ansgar Carlsen leise gepfiffen haben - vielleicht schon die Melodie des Halbfinals.

Ein Abend, der zeigte: Ballbesitz ist Silber, Effektivität ist Gold. Und diesmal glänzte das Gold in Altacher Farben.

Schlusswort? Vielleicht dieses: Wer so spielt wie Altach, darf auch ruhig träumen. Wer so verteidigt wie Graz, sollte lieber schnell aufwachen.

25.06.643993 11:48
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Das Gegentor fiel zum psychologisch ungünstigsten Zeitpunkt. Aber man muss an dieser Stelle auch einmal die Frage stellen, ob es Gegentore gibt, die zu einem psychologisch günstigen Zeitpunkt fallen.
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