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Rostov und Wologda liefern sich ein Torfestival ohne Sieger

Premjer-Liga | 4. Spieltag | 20.09.26 | FC Rostov - Dynamo Wologda 3:3

Es gibt Fußballabende, an denen man sich fragt, ob beide Mannschaften den Begriff "Defensive" lediglich aus einem Wörterbuch kennen. Der 4. Spieltag der Premjer-Liga bot einen solchen Abend. Vor 20.000 Zuschauern trennten sich der FC Rostov und Dynamo Wologda am Sonntag um 20.30 Uhr mit 3:3 - ein Ergebnis, das nach 90 Minuten gleichermaßen spektakulär wie unvermeidlich wirkte.

Rostov begann, als hätte jemand den Startknopf für den Angriff zu früh gedrückt. Vladislaw Nikolischin prüfte Wologdas Tor bereits in der 2., 3. und 5. Minute. Die dritte Warnung wurde noch höflich ignoriert, die vierte nicht mehr: In der 6. Minute traf Santiago Ramos für die Gäste. Marek Mintal hatte den Angriff vorbereitet, Ramos vollendete - und plötzlich stand es 0:1, obwohl Rostov bis dahin praktisch vor dem gegnerischen Tor campiert hatte.

Die Antwort der Gastgeber kam schnell und schmerzhaft für Wologda. Timofej Chawanow, der zuvor bereits zweimal gefährlich aufgetaucht war, erzielte in der 11. Minute den Ausgleich. Swjatoslaw Boldin lieferte die Vorlage. Rostov blieb im Vorwärtsgang, Chawanow blieb hungrig: In der 24. Minute traf der Rechtsaußen erneut, diesmal nach Zuspiel von Potap Swetlow. Eine Minute später erhöhte Nikolischin auf 3:1. Claudiu Niculae bereitete vor, Rostov führte - und im Stadion dürfte mancher bereits über die Höhe des Sieges nachgedacht haben. Im Fußball ist das ungefähr der Moment, in dem die Partie beleidigt zurückschlägt.

Kurz vor der Pause tat sie genau das. Cristobal Mendes verkürzte in der 43. Minute nach Vorlage von Nicolae Barbulescu auf 2:3. Rostov hatte mehr vom Ball, 52,4 Prozent, und bis dahin auch deutlich mehr Abschlüsse. Doch Wologda schoss nicht nur aus aussichtsreichen Positionen. Die Gäste schienen nach der taktischen Devise zu spielen: Wenn das Tor sichtbar ist, darf man es auch versuchen. "Wir hätten gern etwas weniger Drama bestellt", rief ein Rostov-Fan in der Pause - eine Bestellung, die bekanntlich nicht mehr angenommen wurde.

Nach dem Seitenwechsel änderte sich am Grundbild wenig. Rostov blieb ausgewogen und suchte eher die sichere Chance, während Wologda mit großer Aggressivität und Schüssen aus allen Lagen dagegenhielt. Insgesamt kamen die Gastgeber auf 14 Torschüsse, Dynamo auf acht. Doch Präzision ist im Fußball manchmal überschätzt - zumindest von Mannschaften, die auch mit weniger Gelegenheiten drei Treffer erzielen.

In der 64. Minute fiel der Ausgleich. Barbulescu, diesmal selbst Torschütze, verwertete die Vorlage von Vitali Tregubow. Aus 3:1 war 3:3 geworden, aus Rostovs Kontrolle eine kollektive Suche nach dem letzten Rest Nervenkraft. Die Gastgeber drängten noch auf den Sieg, Jewgraf Kowaljow versuchte es in der 86. Minute, doch Wologdas Abwehr hielt stand. Lew Sajenko sah in der 84. Minute noch die Gelbe Karte, bei Rostov wurden Boldin und Swetlow verwarnt. Immerhin blieb es bei Karten und Gegentoren - der Abend hatte offenbar bereits genug Unterhaltung geliefert.

So endete ein Spiel, das Rostov mit 14:8 Torschüssen eigentlich hätte gewinnen können und Wologda mit bemerkenswerter Effizienz beinahe gewonnen hätte. Chawanow ragte mit zwei Treffern heraus, Ramos, Mendes und Barbulescu hielten dagegen. Trainer Mike Borzinsky durfte sich über einen Punkt freuen, Rostov dürfte sich eher fragen, wie man drei Tore schießt und trotzdem das Gefühl hat, etwas verloren zu haben.

Das 3:3 war kein Unentschieden für Taktikfreunde. Aber für alle, die Tore mögen, war es ein ausgesprochen großzügiger Abend. Nur die Torhüter dürften anderer Meinung sein.

21.09.2026 05:54
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