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Rostocker Routine sticht Rottweiler Kampfgeist - Empor siegt 3:2

Ein kalter Märzabend, Flutlicht im ehrwürdigen Stadion an der Prim - und 3762 Zuschauer, die sich fragten, ob der FV Rottweil nach zwei sieglosen Spielen endlich wieder jubeln darf. Am Ende blieb ihnen nur der Trost, dass ihre Mannschaft wenigstens nie aufgab. Empor Rostock hingegen zeigte, warum Routine manchmal einfach siegt: 3:2 aus Sicht der Gäste, die schon zur Pause komfortabel führten - und am Ende doch kurzzeitig ins Schwitzen kamen.

Das Spiel begann mit munterem Hin und Her. Rottweils Thomas Saint-Pierre prüfte schon in der siebten Minute Rostocks Keeper Uwe Kuehn, der den Ball mit einem Katzenreflex an den Pfosten lenkte. "Ich dachte, der geht rein - aber der Torwart hatte wohl was dagegen", grinste Saint-Pierre später. Drei Minuten später versuchte es Johannes Hummel, ebenfalls ohne Erfolg. Die Rottweiler legten los wie die Feuerwehr, doch das Feuer brannte bald im eigenen Strafraum.

Empor Rostock, von Trainer Johan Johansson taktisch gewohnt nüchtern eingestellt, brauchte nur einen Moment der Unachtsamkeit: In der 18. Minute schlug Valter Holmqvist nach Vorarbeit von Sebastian Krueger eiskalt zu. 0:1 - und Rostock übernahm die Kontrolle. "Wir wollten sie laufen lassen, bis sie müde werden", erklärte Johansson mit einem Lächeln, das irgendwo zwischen nordischer Gelassenheit und stiller Schadenfreude lag.

Rottweil antwortete mit wütenden Angriffen, doch vorne fehlte die Präzision, hinten die Geduld. In der 35. Minute machte es Rostocks Altmeister Maik Haase besser - und wie! Nach feinem Zuspiel des jungen Björn Hafner drosch der 35-Jährige den Ball mit links in den Winkel. 0:2, und die Heimfans rieben sich die Augen. "Ich hab einfach draufgehauen", sagte Haase trocken. "In dem Alter denkt man nicht mehr viel nach, man trifft oder man trifft nicht."

Zur Halbzeit herrschte Ernüchterung auf den Rängen. Rottweils Trainer - sichtlich bemüht, die Körpersprache seiner Jungs zu retten - schickte seine Mannschaft unverändert aufs Feld. Doch schon kurz nach Wiederbeginn kam der nächste Rückschlag: Mittelfeldmann Dennis Anders verletzte sich bei einem Zweikampf und musste raus. "Er hat was am Knöchel, hoffentlich nichts Schlimmes", murmelte ein besorgter Betreuer.

Aber der FV wäre nicht der FV, wenn er sich kampflos ergäbe. In der 57. Minute war es endlich soweit: Hummel, der schon vorher am aktivsten gewirkt hatte, traf nach Ecke von Lucas Fuchs zum 1:2. Das Stadion erwachte, die Rottweiler rochen Morgenluft. Und tatsächlich - nur fünf Minuten später legte Hummel nach. Diesmal war es Paul Fischer, der von rechts präzise flankte, und Hummel köpfte wuchtig ein. 2:2, der Ausgleich, pure Ekstase!

Doch kaum hatten die Fans zu Ende gejubelt, da schlug Rostock zurück. Kaum eine Minute nach Wiederanpfiff war es wieder der unermüdliche Haase, der nach Pass von Jakob Hauser die Kugel über die Linie drückte. 2:3 - und Rottweils Abwehr sah für einen Moment aus, als hätte sie kollektiv beschlossen, die Existenz des Gegners zu ignorieren.

Die Schlussphase gehörte dann wieder den Gastgebern. Saint-Pierre (84.) und Klaus (89.) hatten noch gute Schüsse, doch Kuehn im Rostocker Tor war an diesem Abend kaum zu überwinden. Als Hummel in der 90. Minute noch Gelb sah - wohl eher aus Frust als aus Bosheit - war klar: Das Spiel war gelaufen.

"Wir haben gezeigt, dass wir zurückkommen können", sagte Hummel nach dem Abpfiff. "Aber du darfst dir gegen so eine Truppe keine Sekunde Pause gönnen." Sein Trainer nickte nur, die Hände tief in den Taschen. "Zwei Tore reichen eben nicht, wenn man drei kassiert", murmelte er, was man wohl als Zusammenfassung eines ganzen Fußballlebens gelten lassen könnte.

Empor-Coach Johansson zeigte sich zufrieden: "Wir haben’s uns am Ende schwerer gemacht, als nötig. Aber das ist Fußball - ein bisschen Drama gehört dazu."

Statistisch war’s ein Duell auf Augenhöhe: 51,5 Prozent Ballbesitz für Rostock, 11:9 Torschüsse, eine Prise norddeutsche Effizienz und ein Schuss Rottweiler Leidenschaft. Unterm Strich aber blieb der Unterschied in der Chancenverwertung - und der hieß Maik Haase.

Während die Rostocker Spieler jubelnd in den Gästeblock winkten, applaudierten die Rottweiler Fans ihrer Mannschaft trotz Niederlage. Vielleicht, weil sie spürten, dass an diesem Abend nicht der Wille fehlte, sondern nur das letzte Quäntchen Glück.

Oder, wie ein älterer Zuschauer beim Hinausgehen sagte: "Wenn Hummel noch eins gemacht hätte, müssten die Rostocker jetzt im Bus schweigen." Stattdessen summte der Bus wohl leise nordische Seemannslieder - und Rottweil blieb der Trost, dass man immerhin ein Spektakel gesehen hatte.

31.01.643994 16:08
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He, Brrrand, du - du bist doch bolitisch, bist du doch, du Grüner, machst auf sozial und hetzt hier den Schirri gegen uns auf.
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