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Wenn man an einem frostigen Freitagabend in Rosenheim ins Stadion geht, erwartet man Herzblut, Glühwein - und gelegentlich einen Fußball, der den Weg ins Tor findet. Beim 2:0-Sieg der DJK Rosenheim gegen den VfB Speldorf bekamen die 5831 Zuschauer all das und noch ein bisschen mehr: jugendliche Unbekümmertheit, technische Finesse - und einen Gegner, der phasenweise aussah, als wolle er lieber wieder in den Bus steigen. Von Beginn an zeigte sich, dass die frisch zusammengestellte Rosenheimer Talentschmiede nicht nur laufen, sondern auch denken kann. 62 Prozent Ballbesitz und 19 Torschüsse sprechen eine klare Sprache - eine, die in Speldorf wohl niemand verstehen wollte. "Wir wussten, dass Rosenheim viel Ballbesitz will", sagte Gästetrainer Jakob Meier hinterher mit einem Seufzer, der den ganzen Frust von 90 Minuten in sich trug. "Wir wollten sie laufen lassen - blöderweise ließen sie lieber uns laufen." Die ersten Minuten gehörten allerdings noch den Gästen. Nick Fink prüfte in der 11. Minute DJK-Keeper Sander Houghtailing mit einem Schuss, der eher ein höfliches Anklopfen war. Kurz darauf versuchte es Javier Manu, aber auch er fand nur Handschuhe statt Netz. Danach übernahm Rosenheim das Kommando - und gab es bis zum Schlusspfiff nicht mehr her. In der 32. Minute war es dann so weit: Lewis Cascarino, 18 Jahre jung, schlenzte den Ball nach feiner Vorarbeit von Vitor Cabrero in die lange Ecke. Ein Tor, das so leicht aussah, dass man fast vergisst, wie schwer es ist, so etwas aussehen zu lassen. "Ich hab einfach draufgehalten", grinste Cascarino später, während ihm Teamkollegen Schulterklopfer verpassten. "Und gehofft, dass er reingeht. Hat funktioniert - wie im Training, nur ohne Trainer, der danach meckert." Kaum hatte Speldorf sich vom ersten Schock erholt, folgte der zweite. Zehn Minuten später, in der 42. Minute, zog Yves Buffett aus der Distanz ab - wieder hatte Cabrero seine Füße im Spiel - und der Ball zappelte im Netz. 2:0, Rosenheim jubelte, Speldorf schaute konsterniert. Der Rest der ersten Halbzeit war ein Lehrfilm in Sachen Ballzirkulation: Rosenheim spielte, Speldorf lief hinterher. Zur Halbzeit reagierte Kamil Breer, der Rosenheimer Trainer, trotzdem. "Ich wollte, dass die Jungs wissen, dass 2:0 gefährlich ist", erklärte er später mit einem ironischen Grinsen. "Aber ehrlich gesagt: So, wie wir gespielt haben, war nur gefährlich, dass einer vor lauter Passerei seekrank wird." Breer brachte Noah MacLachlan für Buffett, später Corey Fergusson für Clancy, und die Taktik blieb dieselbe - Ball laufen lassen, Gegner laufen lassen, Spiel kontrollieren. Speldorf versuchte in der zweiten Hälfte mit frischen Kräften (Boissieu, Kraft, Suan) das Ruder herumzureißen, doch das Boot war längst leckgeschlagen. Kein Pressing, kein Mut, kein Plan - und nur drei Torschüsse insgesamt, der letzte davon in der 93. Minute, ein verzweifelter Versuch von Javier Gonzalez. Houghtailing musste sich nicht mal die Handschuhe schmutzig machen. Auf der anderen Seite durfte sich der Speldorfer Keeper Stephan Karl mehrfach auszeichnen. Fergusson, Cabrero, Divic - sie alle scheiterten an ihm oder an der eigenen Zielgenauigkeit. "Der Ball wollte einfach nicht mehr rein", meinte Cabrero später lachend. "Aber okay, ich hab ja immerhin zwei Vorlagen. Das zählt fast doppelt." Einziger Wermutstropfen für die DJK: Zwei Gelbe Karten, eine für den eifrigen Raul Simao (55.) und eine späte für Luís Eusebio (91.). "Das war so eine typische 91.-Minute-Karte", kommentierte Trainer Breer trocken. "Da denkt der Schiri: ’Mensch, einer fehlt mir noch fürs Statistikheft.’" Nach dem Schlusspfiff wirkte die Stimmung im Jahnstadion fast ausgelassen. Die Fans sangen, die Spieler klatschten, und Breer gönnte sich einen Moment Genugtuung. "Wir sind jung, wild und manchmal naiv", sagte er. "Aber lieber jung und wild als alt und müde." Für Speldorf bleibt die Erkenntnis: Mit Standardpassspiel und ohne Pressing ist gegen diese Rosenheimer Mannschaft kein Blumentopf zu gewinnen. "Wir müssen lernen, dass man Spiele nicht mit Ballbesitzquoten gewinnt, sondern mit Toren", sagte Meier und blickte dabei auf seinen Notizblock, auf dem vermutlich stand: *Nächstes Mal früher angreifen.* Rosenheim hingegen kann sich freuen - über drei Punkte, zwei Traumtore und eine Mannschaft, die mit jugendlicher Leichtigkeit Regionalliga-Fußball zelebriert. Und vielleicht auch darüber, dass es im Januar in Rosenheim endlich mal wieder warm wurde - zumindest auf dem Platz. Schlusswort? Vielleicht dieses: Wer die DJK Rosenheim derzeit spielen sieht, bekommt Lust auf Fußball. Und wer sie stoppen will, braucht mehr als gute Vorsätze. 11.07.643987 17:46 |
Sprücheklopfer
Dann lebe ich in Oslo, spiele immer noch Fußball und bin immer noch so langsam.
Jan-Aage Fjörtoft auf die Frage, was er mit 85 Jahren machen wird