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Ein nasskalter Montagabend in Rosenheim, 9.574 Zuschauer mit kalten Füßen, aber warmem Herzen: Die DJK Rosenheim bezwingt Weiler im Allgäu mit 2:1 (1:0) und bleibt in der oberen Tabellenhälfte der 3. Liga auf Tuchfühlung. Es war kein Spiel für Feinschmecker, eher eins für den rustikalen Fußballgaumen - aber am Ende zählte der Geschmack des Sieges. Schon nach 19 Minuten bebte das kleine Stadion an der Mangfall. Dorian Kluskens, der flinkfüßige Rechtsaußen, hatte sich nach einem Pass von Veljko Divic auf der rechten Seite durchgedreht, als hätte er Schmierseife unter den Stollen, und wuchtete die Kugel aus spitzem Winkel unter die Latte. "Ich hab einfach draufgehalten, ehrlich gesagt wollte ich eigentlich flanken", grinste der 19-Jährige später. Rosenheim führte, und Trainer Kamil Breer klatschte zufrieden in seine schwarzen Handschuhe, wohl wissend, dass seine Mannschaft gegen die offensivfreudigen Gäste noch einen langen Abend vor sich haben würde. Denn Weiler im Allgäu, trainiert vom stets charmant-aufbrausenden Mino Raiola, ließ sich nicht beirren. Mit stolzen 19 Torschüssen feuerten die Gäste aus allen Lagen - allerdings meist so, dass die Bälle als Souvenirs auf den Zuschauerrängen landeten. Nick Scherer prüfte Rosenheims Keeper Sander Houghtailing in der 14. Minute, Jannick Fritsch scheiterte mehrfach knapp, und Linus Berger fluchte nach jeder vergebenen Chance lauter. "Wenn du so oft draufhaust und keiner will rein, dann fragst du dich irgendwann, ob der Ball was gegen dich hat", keuchte Berger nach Abpfiff. Die Rosenheimer hatten trotz 56 Prozent Ballbesitz Mühe, die Kontrolle zu behalten. Ihre Defensive war solide, wenn auch manchmal leichtsinnig - etwa, als Linksverteidiger Sefa Gülselam in der 25. Minute die erste Gelbe Karte des Spiels sah, weil er beim Tackling "etwas zu freundlich" zur Kugel war. "Ich wollte nur hallo sagen", witzelte er nachher in der Kabine. Nach der Pause blieb das Bild ähnlich: Weiler drückte, Rosenheim lauerte. Kamil Breer brachte in der 45. Minute Yves Buffett für Henry Shepherd - eine Maßnahme, die dem Spiel etwas mehr Stabilität verlieh, aber nach vorne wenig änderte. Die Gäste wechselten gleich dreifach in der 60. Minute, um frischen Wind zu bringen. Und tatsächlich: Der Wind wehte. In der 68. Minute war es dann soweit - Linus Berger, der Unglücksrabe der ersten Halbzeit, traf nach Vorarbeit von Linksverteidiger Bernd Jahn zum verdienten Ausgleich. Der Ball zappelte im Netz, und selbst die Heimfans mussten anerkennend klatschen. "Da dachte ich kurz, jetzt kippt das Ding", gab Breer später zu. Weiler blieb dran, Berger und Siebert schossen weiter munter - nur eben nicht ins Tor. Und dann kam die 88. Minute. Dorian Kluskens, wieder auf der rechten Seite, tanzte zwei Gegenspieler aus, legte quer - und Lewis Cascarino, erst 19, aber schon mit eiskaltem Instinkt, vollendete trocken ins lange Eck. 2:1. Das Stadion explodierte. "Ich hab’s kommen sehen", sagte Cascarino hinterher mit einem Grinsen, das noch im Flutlicht glänzte. "Dorian hat mir zugezwinkert, und ich wusste: Jetzt oder nie." Trainer Breer hob danach mahnend den Zeigefinger: "Wenn wir weiter so viele Chancen brauchen, wird das irgendwann bestraft. Aber heute? Heute darf man genießen." Weiler-Coach Raiola hingegen stapfte mit rotem Kopf vom Rasen. "Wir haben besser gespielt, mehr geschossen, mehr gekämpft - und verloren. Fußball ist manchmal ein schlechter Witz", schimpfte er, bevor er dann doch lächelte: "Aber ein Witz, den man liebt." In der Nachspielzeit wurde es noch einmal hektisch: Gelb für Michael Siebert in der 91. Minute, Gelb auch für Rosenheims Luís Eusebio kurz zuvor. Der Ballbesitz wechselte im Sekundentakt - sinnbildlich für ein Spiel, das nie zur Ruhe kam. Am Ende blieb den Rosenheimern der Jubel, den Gästen die Erkenntnis, dass Fußball eben nicht nach Statistik entschieden wird. 19 Torschüsse zu 12, mehr Zweikämpfe gewonnen, mehr Laufleistung - und trotzdem keine Punkte. "Wir haben den Sieg erzwungen", resümierte Breer, "nicht erspielt - aber das ist auch eine Kunst." Und so endete der Abend, wie er begonnen hatte: mit kalten Füßen, aber warmem Herzen. Rosenheim feierte, Weiler fluchte, und irgendwo auf der Tribüne sagte ein alter Fan, während er die Kappe zog: "So spielt man sich in die Herzen - oder in den Wahnsinn." Vielleicht war es ein bisschen von beidem. 02.06.643993 18:21 |
Sprücheklopfer
In der Nacht von Samstag auf Montag.
Rudi Assauer auf die Frage, wann die Entscheidung zur Entlassung von Frank Neubarth gefallen sei