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Ein eisiger Januarabend, Flutlicht an, 5807 Zuschauer im Rosenheimer Stadion - und ein junger Mann namens Ghalib Mordechai, 18 Jahre alt, entschließt sich, Kaiserslautern höchstpersönlich in die sportliche Depression zu schießen. Zwei Tore in den ersten 22 Minuten, beide vorbereitet vom ebenso jugendfrischen Henry Shepherd - das war der Stoff, aus dem Lokallegenden gemacht werden. Am Ende hieß es 2:0 für DJK Rosenheim, und die Gäste aus der Pfalz durften sich glücklich schätzen, dass es nicht schlimmer wurde. Trainer Kamil Breer grinste nach dem Abpfiff wie ein Mann, der gerade den Lottojackpot gewonnen hat - oder zumindest drei Punkte gegen einen großen Namen. "Die Jungs haben gespielt, als hätten sie vergessen, dass sie in der Regionalliga sind", sagte er. "Und ehrlich gesagt, manchmal habe ich das auch vergessen." Von Anfang an nahm Rosenheim das Heft in die Hand. Schon nach fünf Minuten prüfte Innenverteidiger Mathias Witt den gegnerischen Keeper mit einem Fernschuss, der wohl eher als Wachmacher gedacht war. Vier Minuten später wurde es ernst: Shepherd steckt durch die Mitte, Mordechai nimmt den Ball mit der Eleganz eines Balletttänzers und schiebt eiskalt ein - 1:0. Während die Kaiserslauterner noch suchten, wo eigentlich ihr Defensivkonzept hingekommen war, legte Rosenheim nach. In Minute 22 dieselbe Kombination, gleicher Ausgang: Shepherd legt ab, Mordechai trifft. "Ich hab einfach den Ball gesehen und gedacht: Warum nicht nochmal?", grinste der Doppeltorschütze später. "Henry meinte danach, er will jetzt auch Tore schießen, aber ich hab ihm gesagt, er soll lieber weiter Pässe spielen - das kann er besser." Kaiserslautern dagegen wirkte, als hätte jemand die Mannschaft auf "Sparflamme" gestellt. Ganze zwei Torschüsse in 90 Minuten - einer in der 42., einer kurz nach der Pause. Beide Male war Rosenheims Keeper Riley Malfoy eher unterfordert. "Ich hab mir in der zweiten Halbzeit fast gewünscht, dass einer mal richtig draufzieht", sagte Malfoy halb lachend, halb frierend. "Sonst fängt man ja an, über das Abendessen nachzudenken." Das Spiel kippte nie, auch wenn Trainerin Laura Hellström zur Pause gleich zweimal wechselte. Der verletzte Charles Grantham musste schon nach 23 Minuten raus, und zur Halbzeit traf es Torwart Janis Jürgens, der durch den 19-jährigen Diego Calvente ersetzt wurde. "Wir wollten frischen Wind", erklärte Hellström trocken. "Bekommen haben wir eher einen lauen Hauch." Rosenheim kombinierte weiter - nicht immer effizient, aber mit spielerischer Lust. 18 Torschüsse standen am Ende zu Buche, Ballbesitz 55 Prozent, Zweikampfquote 57 Prozent. Zahlen, die Bände sprechen. Und doch blieb der zweite Durchgang torlos, weil die Hausherren es etwas zu gemütlich angingen. "Wir wollten nicht übermütig werden", meinte Breer, um dann mit einem Augenzwinkern nachzuschieben: "Aber ein drittes Tor hätten wir schon verdient gehabt - allein für die Ästhetik." Zwischendurch sorgte nur eine Szene für Aufregung: In der 60. Minute dribbelte sich Mordechai erneut in den Strafraum, wurde aber von Jonas Bergmann resolut - und grenzwertig - gestoppt. Der Schiedsrichter ließ weiterspielen, was bei den Fans für ein Raunen sorgte. Von der Tribüne rief einer: "Schiri, der will doch nur dein Trikot!" - und selbst Breer konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen. Kaiserslautern versuchte zwar, mit langen Bällen irgendwie ins Spiel zu kommen, blieb aber harmlos. "Wir hatten mehr Ballverluste als Ballkontakte", stöhnte Mittelfeldmann Alexandre Stephan nach dem Spiel. "Da kannst du nicht mal im Training gewinnen." In der Schlussphase durfte Rosenheim noch ein halbes Dutzend Mal aufs Tor schießen, doch der Ball wollte nicht mehr rein. Besonders Christiano Marin (63., 84.) und der unermüdliche Carlos Sa Pint (77.) vergaben Chancen, die in der Kneipe später wohl als "hundertprozentig" durchgehen werden. Als Schiedsrichterin Pfeifer um 22 Uhr abpfiff, jubelte Rosenheim, als ginge es um die Meisterschaft. Kaiserslautern dagegen verschwand wortlos in der Kabine - vielleicht um dort das eigene Passspiel zu suchen, das irgendwo zwischen Rosenheims Strafraum und der Mittellinie verloren gegangen war. "Das war heute ein Statement", sagte Breer zum Abschluss. "Wir sind jung, wir sind wild, und manchmal wissen wir gar nicht, wie gut wir sind." Hellström konterte mit typisch nordischer Gelassenheit: "Wenn du zwei Tore in 20 Minuten kassierst, weißt du, wie schlecht du warst. Mehr Analyse braucht’s da nicht." So bleibt von diesem 7. Spieltag der Regionalliga C ein klarer Eindruck: Rosenheim hat Spaß am Fußball - und Kaiserslautern hat einiges aufzuarbeiten. Und irgendwo in der Rosenheimer Kabine wird Ghalib Mordechai wohl gerade sein Handy checken, ob schon Scouts angerufen haben. Nach so einem Abend wäre das kein Wunder. 29.03.643987 14:10 |
Sprücheklopfer
Da wir nicht voll auf Niederlage spielen, spielen wir voll auf Sieg.
Berti Vogts