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Rohde-Doppelpack trotz Unterzahl: Kiel stiehlt Linx den Abend

Es war einer dieser Abende, an denen das Fußballherz des SV Linx höher schlug - und am Ende doch gebrochen wurde. 4888 Zuschauer im schmucken Stadion am Rhein erlebten beim 30. Spieltag der Regionalliga A ein emotionsgeladenes 1:2 (0:1) gegen Holstein Kiel, das mehr Fragen als Antworten hinterließ.

Dabei begann alles mit viel Ballbesitz und Selbstvertrauen. Linx ließ die Kugel zirkulieren, 63 Prozent Ballbesitz sprechen eine deutliche Sprache. Doch Kiel, angereist mit der klaren Ansage von Trainer Malte Gosch, "hier nicht den Touristen zu geben", setzte den ersten Stich: In der 13. Minute entwischte Julian Rohde auf der linken Seite, bekam den Ball von Lasse Thomas mustergültig in den Lauf gespielt und schob eiskalt zum 0:1 ein. "Wir wussten, dass Linx gerne spielt, aber manchmal zu schön spielen will", grinste Rohde später in die Mikrofone.

Linx antwortete mit wütenden Angriffen. Morgan Shepherd prüfte Kiels Keeper Harald Lindner mehrfach, und Bernt Kühne zog aus 20 Metern ab, dass der Ball fast die Zuschauertribüne zur Flucht zwang. Doch Kiel stand tief und lauerte. "Das war kein Fußball fürs Auge, eher fürs Nervenleiden", kommentierte ein Linx-Fan trocken in der Halbzeitpause, während er seinen Stadionkaffee umrührte.

Nach dem Seitenwechsel drehte sich das Spiel scheinbar. In der 56. Minute kombinierte sich der SV Linx endlich durch: Der 17-jährige Dieter Wagner flankte butterweich von links, und Mark Fritsch, bislang unauffällig, köpfte zum 1:1-Ausgleich ein. Das Stadion tobte. "Das war genau das, was wir gebraucht haben", sagte Trainer Michal Dickschat später. Kaum war der Jubel verklungen, kam es zum nächsten Knalleffekt - allerdings auf der falschen Seite: Kiels Innenverteidiger Peter Peters sah in der 59. Minute glatt Rot nach einem taktischen Foul an Detlev Miller, der frei aufs Tor zugelaufen war.

Nun also Überzahl für Linx, das Spiel in der Hand, die Statistik auf ihrer Seite. 16:9 Torschüsse, 63 Prozent Ballbesitz, gefühlt 120 Prozent Wille. Doch Fußball ist eben kein Mathematikunterricht. Kiel, jetzt mit zehn Mann und mehr Trotz als Taktik, brachte in der 60. Minute den blutjungen Tom Steiner für den ausgepumpten Jürgen Schuster. Und dieser 17-Jährige sollte wenig später zum heimlichen Helden werden.

In der 80. Minute, als Linx längst auf den Sieg drängte, segelte ein Ball aus der Kieler Hälfte nach vorn. Steiner, mutig wie ein Schüler beim letzten Test, schlug eine Flanke in den Strafraum, die eigentlich niemanden finden sollte - außer Julian Rohde, der wieder einmal zur Stelle war. Volley, trocken, kompromisslos: 1:2. "Ich hab den Ball gar nicht richtig gesehen, nur gespürt, dass er gut lag", erklärte Rohde später mit einem Grinsen, das man nur nach einem Doppelpack trägt.

Die Schlussphase war ein wilder Sturmlauf der Gastgeber. Wolfgang Seitz schoss aus allen Lagen, Miller versuchte es per Fallrückzieher, Kühne kassierte in der Nachspielzeit noch Gelb, wohl aus Frust, dass selbst 63 Prozent Ballbesitz kein Trost sind. Die Kieler verteidigten mit allem, was noch laufen konnte - und was nicht mehr laufen konnte, wurde getragen.

"Das war ein Sieg der Moral", sagte Kiels Trainer Malte Gosch und klopfte seinen jungen Verteidiger Steiner auf den Rücken. "Wir haben nach der Roten gedacht, das wird heute ganz lang. Am Ende waren’s die längsten 30 Minuten meines Lebens."

Linx-Coach Dickschat hingegen suchte nach Worten: "Wir haben eigentlich alles richtig gemacht. Außer vielleicht, Tore zu schießen." Und dann fügte er mit einem bitteren Lächeln hinzu: "Wenn man 16 Torschüsse braucht für ein Tor, sollte man vielleicht mal mit der Schussausbildung anfangen."

So blieb am Ende nur der Applaus der Fans, die ihre Mannschaft trotz der Niederlage feierten. "Die Jungs haben gekämpft, das war kein Beinbruch, eher ein Lehrstück in Effizienz", rief ein Zuschauer im Vorbeigehen.

Kiel nimmt also drei Punkte mit, Linx den Trostpreis in Form von Ballbesitz und Statistiksiegen. Und irgendwo in der Kabine sitzt Julian Rohde, der Held des Abends, und denkt vielleicht: "Manchmal reicht eben zweimal treffen - und einmal Glück haben."

Ein Spiel, das zeigte, dass Fußball nicht gerecht ist, aber herrlich unberechenbar bleibt.

22.08.643993 13:30
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