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Wenn man an einem kühlen Februarabend in Sangiustese Fußball serviert bekommt, erwartet man gewöhnlich rustikale Hausmannskost: viel Einsatz, ein paar lange Bälle, und vielleicht ein glückliches Tor aus dem Gewühl. Doch was Rodengo Saiano am 9. Februar beim 0:3 im Liga-Pokal bot, war eher ein Drei-Gänge-Menü mit Dessert und Espresso. Trainer Jan Beyer durfte sich zurücklehnen und genießen - seine Mannschaft tanzte, kombinierte, dominierte. Schon nach zwölf Minuten klingelte es erstmals im Tor von Ralph Sonnenschein. Antonio Cocco, 33 Jahre jung, aber mit der Spritzigkeit eines Studenten auf Koffein, verwertete eine butterweiche Hereingabe von Niccolò Gasser zum 0:1. "Ich musste nur den Fuß hinhalten", grinste Cocco danach, "aber das sage ich natürlich auch nur, damit Gasser mir weiter so flankt." Der junge Mittelfeldmann lachte laut - er wusste, dass an diesem Abend alles funktionierte, was golden und gelb-blau leuchtete. Sangiustese versuchte, sich zu wehren. Miguel Arias zog in der 11. Minute ab, doch sein Schuss landete ungefähr dort, wo die Ultras ihre Fahnen aufhängen - ein Sinnbild des Abends. Nach 45 Minuten hatte die Heimelf 47,8 Prozent Ballbesitz, aber nur zwei Torschüsse. Rodengo Saiano dagegen: 17 Versuche, 3 Tore, 90 Minuten pure Spielfreude. "Wir wollten offensiv bleiben, auch wenn’s mal weh tut", erklärte Coach Beyer nüchtern. Tatsächlich blieb seine Truppe durchgehend in der Offensiv-Ausrichtung, kombinierte im Kurzpassspiel, spielte geduldig, fast britisch höflich - aggressiv war höchstens der Wunsch nach Toren. In der zweiten Halbzeit kam der Moment des Abends: Vincenzo Cerutti, 19 Jahre alt, Gesicht wie aus einem Jugendroman und Beine wie aus Carbon, betrat das Rampenlicht. In der 76. Minute nahm er sich ein Herz, dribbelte durch die Innenverteidigung der Gastgeber, und schob eiskalt zum 0:2 ein. Acht Minuten später legte er nach - diesmal nach einem Abpraller, den er gedankenschnell über Sonnenschein lupfte. "Ich hab gar nicht nachgedacht", stammelte Cerutti später. "Vielleicht war das gut so." Währenddessen verlegte sich Sangiustese aufs Zählen: nicht der Tore, sondern der gelben Karten. In der 92. Minute sah Edoardo Bonifati noch Gelb - sinnbildlich für den Frust, der sich über das Stadion gelegt hatte. 3454 Zuschauer sahen zu, wie ihre Mannschaft zwar rannte, kämpfte, rutschte, aber nie wirklich ankam. "Wir waren im Prinzip immer einen Schritt zu spät", sagte ein abgekämpfter Massimo Lamezia nach dem Spiel, während er seine Stutzen auszog. "Und wenn wir mal dran waren, war der Ball schon wieder weg." Sein Trainer - der Name wurde im offiziellen Bericht diskret verschwiegen - stand derweil mit verschränkten Armen am Spielfeldrand, als würde er überlegen, ob er die Spieler lieber tröstet oder laufen lässt. Rodengo Saiano hätte das Ergebnis noch höher schrauben können. Gaetano Uffugo, der 19-jährige Wirbelwind auf rechts, prüfte den Keeper gleich mehrfach, Gasser rannte und flankte, als ginge es um den letzten Bus nach Brescia. Selbst Innenverteidiger Luca Piemontese probierte sein Glück aus der Distanz - ein Schuss, der eher nach Rugby roch, aber immerhin Mut bewies. Das Geheimnis des Erfolgs? Vielleicht die Mischung aus jugendlichem Übermut und alter Schule. Cocco vorne als erfahrener Dirigent, Cerutti als ungestümer Solist, Gasser als unermüdlicher Taktgeber. Beyer lächelte: "Ich sag den Jungs immer: Wenn du Spaß hast, hat der Ball auch Spaß. Heute hatte er eine gute Zeit." Am Ende applaudierten sogar einige Heimfans - nicht aus Höflichkeit, sondern aus ehrlicher Anerkennung. Man hatte eine Mannschaft gesehen, die Fußball spielte, während die andere versuchte, ihn zu verhindern. "Das war heute Lehrstunde und Lektion zugleich", murmelte Sangiusteses Torwart Sonnenschein, der seinem Namen ironischerweise keine Ehre machen konnte. Drei Mal musste er hinter sich greifen, drei Mal sah er die Sonne untergehen. Rodengo Saiano hingegen sonnte sich im Glanz des Erfolgs. Ein 0:3 auswärts, drei verschiedene Torschützen-Generationen auf dem Platz, und ein Trainer, der nicht mal laut werden musste. In der Gruppenrunde des Liga-Pokals (3. Liga Italien / 1. Div) ist das ein Statement - und vielleicht der Beginn einer kleinen Pokalromanze. Oder, wie es Cocco beim Verlassen des Platzes mit einem Augenzwinkern sagte: "Wenn’s so weitergeht, müssen wir uns bald daran gewöhnen, dass die anderen uns den Bus vor dem Tor parken. Dann schießen wir halt durch die Fenster." Ein Spiel, das in Sangiustese noch lange nachhallen wird - wenn auch eher als Albtraum denn als Erinnerung. 21.06.643990 22:55 |
Sprücheklopfer
Ein Denkmal will ich nicht sein, darauf scheißen ja nur die Tauben.
Toni Polster auf die Frage, ob er in Köln schon ein Denkmal sei