// Startseite
| Tuttosport |
| +++ Sportzeitung für Italien +++ |
|
|
|
Manchmal braucht es nur 15 Minuten und eine gute Ansprache in der Kabine, um ein Spiel auf den Kopf zu stellen. Rodengo Saiano brauchte gegen Massese exakt diese Viertelstunde, um aus einem zähen 0:0 zur Pause ein überzeugendes 3:0 zu machen. 6500 Zuschauer in Massa sahen, wie sich die Gäste nach einem farblosen ersten Durchgang in eine kleine Fußballmaschine verwandelten - und die Gastgeber in ratlose Statisten. Dabei hatte in der ersten Hälfte alles noch so brav und ausgeglichen gewirkt. Massese hielt den Ball mit 50,7 Prozent leicht länger in den eigenen Reihen, Rodengo Saiano wirkte bemüht, aber ebenso harmlos. Es war eines dieser Spiele, bei denen man sich fragt, ob der Schiedsrichter vielleicht versehentlich den Pausenpfiff vergessen hat. Ein paar harmlose Schüsse, eine Gelbe für Jacopo Costantini nach einem rustikalen Einsteigen in der 27. Minute - das war’s. Dann aber kam die 46. Minute. Trainer Jan Beyer hatte offenbar den richtigen Knopf gefunden. "Ich habe den Jungs gesagt, sie sollen den Bus aus dem Strafraum fahren und endlich mal am Spiel teilnehmen", scherzte er nach der Partie. Und seine Spieler nahmen ihn beim Wort: Kaum war wieder angepfiffen, legte Rechtsverteidiger Davide Castello den Turbo ein, flankte präzise auf den 19-jährigen Gaetano Uffugo - und der drosch die Kugel zum 0:1 unter die Latte. Der Teenager jubelte, als hätte er gerade die Champions League gewonnen, und Beyer grinste trocken: "In dem Moment war mir klar, dass ich ihm das nächste Mal das Mikro in der Kabine gebe." Massese versuchte, sich zu schütteln, schaffte es aber kaum, gefährlich zu werden. Drei Torschüsse in 90 Minuten sprechen eine deutliche Sprache. Der beherzte Versuch von Leonardo Longo in der 62. Minute war eher ein Symbol als eine Chance - ein zentraler Schuss, der Gästekeeper Igor Zunino kaum aus der Ruhe brachte. Rodengo Saiano dagegen bekam Geschmack. Der Ball lief nun flüssig durch die Reihen, angetrieben von den Mittelfeldstrategen Giacomo Morabito und Lorenzo Cerva. In der 72. Minute setzte Morabito den jungen Luca Cariati in Szene, der aus 18 Metern trocken ins rechte Eck vollendete - 0:2. "Ich habe gar nicht gezielt", grinste Cariati später, "ich wollte eigentlich flanken." Das Publikum, ohnehin nicht für überschäumende Geduld bekannt, quittierte den zweiten Gegentreffer mit einem kollektiven Seufzer. Einige Fans auf der Haupttribüne sollen sogar begonnen haben, die Ballbesitzphasen zu zählen, um sich die Zeit zu vertreiben. Doch Rodengo war noch nicht fertig. Acht Minuten später, in der 80., zauberte erneut Uffugo. Diesmal kam die Vorlage von Cerva, und der Youngster schob eiskalt zum 0:3 ein. Doppeltorschütze mit 19 Jahren - das lässt sich sehen. "Vielleicht darf ich jetzt auch mal den Bus fahren", witzelte er nach dem Spiel. Massese fand darauf keine Antwort. Trainer Enrico Lombardi (dessen Name man in den Unterlagen vergeblich sucht, aber auf der Bank sicher war) stand reglos an der Seitenlinie, die Hände in den Taschen, als könne er so die Zeit anhalten. Seine Mannschaft wirkte ideenlos, die Zweikampfquote von 45 Prozent belegt es deutlich. Rodengo Saiano hingegen spielte die letzten Minuten herunter, fast schon genüsslich. Selbst die jungen Ersatzspieler, die Beyer in der 61. Minute brachte - darunter der 17-jährige Massimiliano Pentone, der sich prompt eine Gelbe Karte abholte - fügten sich nahtlos in das dominierende Bild ein. "Wir sind noch nicht reif, um oben anzugreifen", meinte Beyer nach dem Schlusspfiff zwar bescheiden, "aber wenn man sieht, wie die Jungs heute reagiert haben, dann darf man zumindest träumen." Und Massese? Dort wollte sich keiner so recht äußern. Kapitän Leonardo Longo murmelte nur: "Drei Torschüsse, drei Gegentore - das fühlt sich an wie Statistikunterricht." Am Ende blieb Rodengo Saiano mit 11 Torschüssen und einer bemerkenswerten Effizienz der verdiente Sieger. Massese dagegen muss sich fragen, ob Ballbesitz ohne Ideen wirklich ein Konzept ist oder nur eine hübsche Zahl auf einem Zettel. Ein Zuschauer brachte es beim Verlassen des Stadions auf den Punkt: "Massese hatte den Ball, Rodengo die Tore. So einfach ist Fußball." Und manchmal, das zeigte dieser Abend in Massa, ist einfach eben auch gnadenlos effektiv. 25.06.643993 16:06 |
Sprücheklopfer
Ich habe es mir sehr genau überlegt und dann spontan zugesagt.
Toni Polster über seinen Wechsel zu Borussia Mönchengladbach