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Rodengo Saiano hat am Freitagabend eindrucksvoll bewiesen, dass in der "3. Liga Italien (1. Div)" auch Fußball mit Spaß und Schärfe gespielt werden kann. Vor 7865 Zuschauern im heimischen Stadion fegte die Mannschaft von Trainer Jan Beyer den SC Genua mit 3:0 vom Platz - ein Ergebnis, das so klar war, wie das Spiel selbst: Rodengo spielte, Genua schaute zu. Es dauerte keine sechzig Sekunden, bis die Hausherren das erste Mal jubelten. Giacomo Morabito, der zentrale Mittelfeldmotor mit dem eleganten Scheitel, zog schon nach dem ersten Torschuss beherzt ab - und traf. "Ich dachte, der Ball sei zu früh gekommen", grinste der 30-Jährige nach dem Spiel, "aber dann war er im Netz, also war alles gut." Der Assist kam von Emanuele Soverato, der an diesem Abend ohnehin mehr Ballkontakte hatte als die komplette gegnerische Offensive. Genua dagegen begann den Abend, als hätte der Bus im Stau gestanden. Zwei kümmerliche Torschüsse in 90 Minuten sprachen Bände. Einer davon, ein halbherziger Versuch von Rechtsverteidiger Aurel Falub in der 28. Minute, ging immerhin aufs Tor - aber genau in die Arme von Niccolò Argusto, der kaum wusste, womit er seine Handschuhe rechtfertigen sollte. "Wir hatten den Ball etwas mehr", murmelte Genuas Trainer nach dem Spiel in den Katakomben, "aber was bringt einem das, wenn man ihn nur quer spielt?" Tatsächlich wies die Statistik einen hauchdünnen Ballbesitzvorteil für die Gäste auf (50,2 Prozent), doch Rodengo nutzte jede Sekunde sinnvoller. Kurz nach der Pause schlug der 19-jährige Vincenzo Cerutti zu, der aussah, als wäre er gerade dem Jugendteam entlaufen. In der 49. Minute verwertete er eine butterweiche Hereingabe von Soverato zum 2:0. "Ich hab einfach die Augen zugemacht und gehofft, dass keiner dazwischengeht", erzählte Cerutti mit einem Lächeln, das eher an Schulabschlussfotos erinnerte als an einen gestandenen Stürmer. Genua wirkte nun endgültig konsterniert. Die Defensive stand zwar nominell, aber faktisch auf Urlaub. Rodengo kombinierte sich durch die Mitte, über die Flügel, manchmal auch einfach durch pure Willenskraft. Fünfzehn Minuten vor Schluss fiel dann der endgültige K.o.: Domenico Roggiano, ebenfalls zarte 19, nahm einen abgefälschten Ball direkt und versenkte ihn trocken zum 3:0 (76.). Dario Bassi, der Innenverteidiger und Vorlagengeber, kommentierte lakonisch: "Ich hatte eigentlich nur klären wollen." Das Publikum stand Kopf, während Trainer Beyer an der Seitenlinie in aller Seelenruhe seine Notizen sortierte. "Ich bin zufrieden", sagte er später in der Pressekonferenz, "wir haben das umgesetzt, was wir trainieren: früh draufgehen, konsequent abschließen, Feierabend machen." Ganz ohne Drama kam die Partie aber nicht aus. Federico Di Paolo, bis dahin souverän in der Abwehr, sah in der 74. Minute Gelb und verletzte sich kurz darauf beim Versuch, noch einen Ball zu erlaufen. Er musste raus, wurde von Lorenzo Cerva ersetzt. Auch Lorenzo Montegiordano und Morabito kassierten in der Schlussphase noch Gelbe Karten - eher aus Übermut als aus Notwendigkeit. Jan Beyer wechselte zudem in der 62. Minute den Torwart: Der 33-jährige Argusto machte Platz für den 18-jährigen Igor Zunino. "Ein kleines Geschenk für ihn", so Beyer, "er soll wissen, wie sich ein Sieg anfühlt." Die Fans von Rodengo Saiano verabschiedeten ihre Mannschaft mit stehenden Ovationen. Es war einer jener Abende, an denen man spürte, dass Fußball manchmal ganz einfach ist: Wer mehr will, der gewinnt. Der SC Genua indes verließ das Feld mit gesenkten Köpfen. Ein Spieler murmelte beim Abgang: "Wir hätten heute wahrscheinlich auch mit zwei Bällen kein Tor gemacht." Rodengo hatte 14 Torschüsse, Genua nur zwei. Der Rest ist Schweigen - oder Jubel, je nach Vereinszugehörigkeit. Zum Schluss fasste es Torschütze Morabito am besten zusammen: "Manchmal läuft’s einfach. Heute war so ein Tag. Morgen tut uns alles weh - aber das ist egal." Und so verabschiedete sich Rodengo Saiano mit einem klaren 3:0 (1:0) vom 15. Spieltag - mit der Gewissheit, dass Fußball, wenn er mit Leidenschaft gespielt wird, auch in der 3. Liga Italien ganz große Freude bereiten kann. 07.11.643990 23:30 |
Sprücheklopfer
Das Wort 'mental' gab es zu meiner Zeit als Fußballspieler noch gar nicht. Nur eine Zahnpasta, die so ähnlich hieß.
Rudi Assauer