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Rodengo Saiano - 2.266 Zuschauer erlebten an diesem frostigen Januarabend ein Spektakel, das man in der norditalienischen Provinz so schnell nicht vergessen wird. Rodengo Saiano gewann im Liga-Pokal gegen Venezia Unita mit 4:0 (3:0) - und das mit einer Sturmreihe, die kaum alt genug ist, um den eigenen Führerschein zu haben. Trainer Jan Beyer, sonst eher der stille Taktiker an der Seitenlinie, grinste nach dem Schlusspfiff breit. "Ich hatte den Jungs gesagt, sie sollen einfach Spaß haben - aber dass sie gleich so viel Spaß haben, war dann doch überraschend." Spaß hatten sie in der Tat: Vincenzo Cerutti (28.), Gaetano Uffugo (40.) und Alessandro Vegliaturo (43., 46.) trafen nach Belieben und spielten die Gäste aus Venedig phasenweise an die Wand. Dabei begann alles recht harmlos. Schon in der ersten Minute prüfte Uffugo den venezianischen Keeper Jonas Lambrechts mit einem satten Schuss, der noch pariert wurde. Doch was folgte, war eine Demonstration jugendlicher Unbekümmertheit in Grün-Weiß. Während Venezia Unita mit ihrem "balanced" Taktikplan eher wie ein Touristenbus im dichten Stadtverkehr wirkte, kombinierte Rodengo Saiano flüssig und schnell. Der erste Treffer war ein Musterbeispiel für Spielfreude: Der 22-jährige Linksverteidiger Lorenzo Montegiordano setzte sich nach einem energischen Lauf über die linke Seite durch, passte präzise in den Strafraum, und Cerutti vollendete eiskalt. 1:0. Venezia reagierte - allerdings eher mit Achselzucken als mit Angriffslust. "Wir wollten ruhig bleiben und auf unsere Chance warten", erklärte später Venedigs Trainer - dessen Name in den Unterlagen seltsamerweise fehlte, was vielleicht symptomatisch für den Auftritt seines Teams war. Chancen kamen kaum. Ganze drei Torschüsse verzeichnete Venezia in 90 Minuten, was bei einem Ballbesitz von immerhin 47 Prozent fast schon an Zauberei grenzt. Rodengo Saiano hingegen feuerte aus allen Rohren: 21 Schüsse auf das Tor, 52 Prozent Ballbesitz und eine Zweikampfquote, die mit 57 Prozent ebenso solide war wie die Abwehrarbeit von Bisignano und Di Paolo hinten. Kurz vor der Pause fiel dann die Entscheidung. Erst bediente erneut Montegiordano den quirligen Uffugo, der in der 40. Minute auf 2:0 stellte. Nur drei Minuten später war Vegliaturo zur Stelle - dank eines feinen Zuspiels von Lorenzo Cerva. Der junge Stürmer schob überlegt ein, und das Stadion bebte. "Ich wusste gar nicht, dass das Tornetz so schön klingt", scherzte Vegliaturo nach dem Spiel. "Das war mein erster Doppelpack im Profifußball - ich hoffe, nicht mein letzter." Denn kaum war die zweite Halbzeit angepfiffen, stand es schon 4:0. Marco Serrastretta spielte einen Traumpass in die Tiefe, Vegliaturo sprintete los, umkurvte Lambrechts und schob ein. 46. Minute, und der Rest war Schaulaufen. Venezia Unita verlor endgültig die Nerven. Enrico Parenti sah erst Gelb (48.) und dann Gelb-Rot (61.), weil er offenbar glaubte, dass ein beherzter Griff ans Trikot des Gegenspielers zum venezianischen Karneval gehört. Nach seinem Abgang fiel auch der letzte Rest Ordnung im Team auseinander. "Wir waren nicht aggressiv genug", murmelte Abwehrspieler Marcio Frechaut später in die Mikrofone. "Und mit zehn Mann gegen diese Teenager - das war wie gegen einen Schwarm Mücken mit einer Zeitung zu kämpfen." Rodengo Saiano dagegen spielte die Partie locker herunter. Trainer Beyer gönnte Cerva eine Pause und brachte den 18-jährigen Domenico Roggiano, der prompt zweimal gefährlich abschloss (49., 50. Minute). Und als Uffugo in der 81. und 85. Minute noch zwei weitere Schüsse abfeuerte, stand das Stadion längst Kopf. "Wir haben gezeigt, dass man auch mit jungen Spielern dominieren kann", sagte Beyer. "Manche dieser Jungs dürfen gerade erst wählen - aber sie spielen schon wie alte Hasen." Die Zuschauer verabschiedeten ihr Team mit stehenden Ovationen. Venezia Unita hingegen wirkte beim Abpfiff, als wolle man direkt in den nächsten Vaporetto steigen und zurück in die Lagune fliehen. Ein Spiel wie aus einem Guss - mit einem Team, das über sich hinauswuchs, und einem Gegner, der wohl noch eine Weile überlegt, was da eigentlich passiert ist. Oder, wie es ein älterer Fan hinter der Trainerbank auf den Punkt brachte: "Wenn das die Zukunft des italienischen Fußballs ist, dann kann man sich auf was gefasst machen." Man darf ihm glauben. 23.07.643987 04:35 |
Sprücheklopfer
Dann lebe ich in Oslo, spiele immer noch Fußball und bin immer noch so langsam.
Jan-Aage Fjörtoft auf die Frage, was er mit 85 Jahren machen wird