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Rodengo Saiano überrollt Bari Calcio - ein Debakel zum Saisonauftakt

Es war 20:30 Uhr in Bari, als 12.931 Zuschauer voller Erwartung auf den Rängen des San-Nicola-Stadions Platz nahmen. Der erste Spieltag der 3. Liga Italien (1. Div) versprach Emotionen, Sonne, Herzblut - und für die Heimfans am Ende vor allem eines: Fassungslosigkeit. Bari Calcio ging mit breiter Brust ins Spiel, offensiv eingestellt, doch am Ende prangte auf der Anzeigetafel nur ein bitteres 0:4 gegen ein entfesseltes Rodengo Saiano.

Schon die zweite Minute legte den Ton fest: Luca Cariati, 21 Jahre jung, linker Mittelfeldspieler mit der Leichtigkeit eines Straßenkickers, tanzte durch Bolognas Abwehrreihe, als hätte jemand die Zeitlupe verkehrt herum eingeschaltet. Nach Pass von Domenico Roggiano drosch er den Ball humorlos unter die Latte - 0:1. Während die Fans von Bari noch überlegten, ob das vielleicht nur ein Weckruf war, applaudierten die Gäste schon mit einem Grinsen, das man bis nach Brescia sehen konnte.

Bari hatte danach zwar 51 Prozent Ballbesitz, aber was bringt das, wenn man damit nichts anfangen kann? Zwei Torschüsse in 90 Minuten - der eine von Francesco Marini in der 13. Minute, der zweite von Nicola Visintin kurz vor der Pause. Beide Male pfiff der Ball freundlich am Tor vorbei, als wollte er sagen: "Heute nicht, Jungs."

Rodengo Saiano dagegen spielte wie eine Mannschaft, die vergessen hatte, dass sie auswärts ist. 19 Torschüsse, davon vier Tore - eine Effizienz, die Trainer Jan Beyer nach Abpfiff mit einem trockenen "Wir hätten auch sechs machen können" kommentierte. Man glaubt es ihm sofort.

Nach dem Pausentee ging es weiter wie im Lehrbuch des Fußball-Schreckens für Bari. In der 49. Minute kombinierte sich das junge Duo Daniel Marittima (18) und Alessandro Vegliaturo (22) durch die Defensive der Gastgeber, als spielten sie auf dem Bolzplatz. Marittima flankte, Vegliaturo vollendete - 0:2. Nur fünf Minuten später revanchierte sich Marittima mit dem dritten Treffer, nach Vorlage von Cariati. "Ich hab einfach geschossen, weil der Ball so schön da lag", grinste der Teenager später, "und dann war er drin. Ich schwöre, ich wollte das so!"

Bari-Trainer - der Name blieb in dieser Partie so unsichtbar wie seine Abwehr - gestikulierte wild an der Seitenlinie, während seine Spieler weiterhin höflich Abstand zu den Gästen hielten. Selbst als Rodengo drei Gelbe Karten kassierte (Cerutti, Di Paolo und Cariati), wirkte das Spiel eher wie ein Freundschaftskick mit klar verteilten Sympathien.

Die Krönung kam in der Nachspielzeit: Giacomo Morabito, 31 und offenbar noch immer mit Lungenflügeln aus Stahl ausgestattet, legte quer, und Marittima schob locker zum 0:4 ein. Der Jubel auf der Gästebank war ausgelassen, aber nicht überheblich - eher das befriedigte Nicken eines Teams, das wusste, dass es an diesem Abend alles richtig gemacht hatte.

"Wir wollten zeigen, dass wir nicht nur Mitläufer sind", erklärte Trainer Beyer nach dem Spiel. "Das war ein Statement." In der Tat - ein Statement in Großbuchstaben, unterstrichen und mit Ausrufezeichen.

Und Bari? Deren Kapitän Jacopo Magisano wirkte in der Mixed Zone ratlos: "Wir hatten eigentlich das Spiel unter Kontrolle", sagte er und sah dabei aus, als würde er sich selbst nicht glauben. "Aber Fußball ist manchmal eben gemein."

Die Statistik war ein Hohn: Mehr Ballbesitz, aber kaum Ideen. Rodengo Saiano dagegen spielte schnörkellos, aggressiv und mit jugendlicher Frechheit. Selbst der 34-jährige Antonio Cocco, der in der 60. Minute eingewechselt wurde, zeigte mehr Spielfreude als die gesamte Bari-Offensive zusammen.

Im Stadion verließ das Publikum frühzeitig die Ränge. Ein älterer Fan brummte beim Hinausgehen: "Ich hätte zu Hause bleiben sollen - da läuft wenigstens was im Fernsehen."

Während Rodengo Saiano jubelnd in Richtung Bus marschierte, blieb Bari mit gesenkten Köpfen zurück - und einer Menge Fragen. Wie konnte eine Mannschaft, die sich taktisch als "offensiv" versteht, so harmlos auftreten? Vielleicht, weil Offensive ohne Idee nur ein schönes Wort ist.

Rodengo Saiano hat mit diesem 4:0 jedenfalls ein erstes Ausrufezeichen in der neuen Saison gesetzt. Und wenn Daniel Marittima so weiterspielt, wird man seinen Namen noch öfter hören - vielleicht sogar in höheren Ligen.

Zum Schluss blieb nur Trainer Beyer, der mit einem Lächeln sagte: "Ich hoffe, die Jungs bleiben auf dem Boden. Aber wenn sie weiter so spielen, dürfen sie ruhig mal kurz abheben."

Bari dagegen sollte schleunigst landen - am besten im Training, mit einem Ball und einer Idee. Denn in dieser Form droht der Saisonstart mehr Albtraum als Aufbruch zu werden.

11.11.643993 12:20
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