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Es war ein milder Abend an der Adriaküste, aber für AC Manfredonia sollte er frostig enden. Beim 0:3 gegen Rodengo Saiano am 8. Spieltag der 3. Liga Italien (1. Div) zeigte sich der Gastgeber so harmlos wie eine Espressokanne ohne Druck. 7000 Zuschauer im Stadio Miramare sahen, wie die Gäste aus der Lombardei mit jugendlicher Frechheit aufspielten - und die routinierte Heimelf phasenweise aussehen ließen wie ein Altherren-Team beim Benefizspiel. Von Beginn an war klar, wer hier den Ton angibt. Rodengo Saiano, offensiv eingestellt, hielt sich nicht lange mit Ballgeschiebe auf. Schon nach drei Minuten prüfte der 18-jährige Daniel Marittima den Heimkeeper Enrico Centrache mit einem ersten Schuss aufs kurze Eck. Der junge Angreifer sollte an diesem Abend noch öfter in Erscheinung treten - und wie. Der Gastgeber? Versuchte mitzuspielen. Wirklich gefährlich wurde es aber selten, die vier Torschüsse im gesamten Spiel erzählen die Geschichte eines Teams, das viel wollte, aber wenig konnte. "Wir hatten den Ball, aber nicht die Idee", murmelte Manfredonias Trainer nach dem Spiel, der sich nach Abpfiff demonstrativ die Jacke über den Kopf zog. In der 33. Minute fiel dann das logische 0:1: Luca Cariati flankte von links butterweich in die Mitte, Marittima rauschte heran und drückte den Ball artistisch über die Linie. Danach riss der Himmel über Manfredonia kurz auf - allerdings nur meteorologisch. Auf dem Platz blieb es düster. Kurz vor der Pause musste Rodengo Saiano dann allerdings kurz zittern: Mittelfeldmann Luigi Scigliano verletzte sich nach einem Zweikampf und humpelte vom Feld. Für ihn kam der erfahrene Giacomo Morabito - ein Wechsel, der sich auszahlen sollte. "Ich war eigentlich schon mit einem Bein unter der Dusche", lachte Morabito später. "Dann ruft der Coach: ’Giacomo, rein da!’ - na gut, dann hab ich halt assistiert." Exakt das tat er. Nur sieben Minuten nach Wiederanpfiff setzte Morabito Luca Cariati in Szene, der aus 18 Metern trocken ins rechte Eck traf - 0:2. Manfredonia wirkte nun wie ein Boxer, der schon nach der vierten Runde weiß, dass es nicht mehr lange geht. Und als ob das nicht genug wäre, legte Marittima in der 62. Minute noch einen drauf. Wieder war Morabito der Vorlagengeber, und der Teenager blieb eiskalt. 0:3 - das Spiel war gelaufen, die Stimmung im Stadion nur noch von den Grillgerüchen der Wurststände am Leben erhalten. "Daniel war heute einfach unverschämt gut", schwärmte Gästetrainer Jan Beyer. "Aber das liegt vielleicht an seinem Alter - mit 18 denkt man noch, man kann alles." Die Zahlen gaben ihm recht: 21 Torschüsse für Rodengo Saiano, dazu 52 Prozent Ballbesitz. Es war kein Sturmlauf, sondern eher eine Demonstration von Organisation und Mut. Auf der anderen Seite wirkte AC Manfredonia ratlos. Georges Leblanc und Andrea Villa versuchten zwar, über die Flügel für Entlastung zu sorgen, doch oft landete der Ball schneller wieder bei den Gästen, als man "Forza!" rufen konnte. "Wir haben zu brav gespielt", meinte Verteidiger Loris Trevisan selbstkritisch. "Vielleicht hätten wir mal ein bisschen böser sein sollen." Rodengo Saiano kassierte zwar vier Gelbe Karten - Montegiordano, Romaniello, Roggiano und Bianchi standen alle im Notizbuch des Schiedsrichters -, aber gefährdet war der Sieg nie. Selbst der Torwartwechsel zur Pause - Igor Zunino machte Platz für Jamie Smith - brachte keine Unruhe, eher frische Motivation. Smith parierte gleich kurz nach seiner Einwechslung einen gefährlichen Distanzschuss von Manfredonias Celico - einer der seltenen Momente, in denen die Heimfans jubeln durften. Als der Schlusspfiff kam, applaudierten viele Zuschauer trotzdem. Vielleicht aus Ironie, vielleicht aus Respekt. Oder einfach, weil sie froh waren, dass es vorbei war. Rodengo Saiano nimmt mit dem Sieg Fahrt auf - und hat mit dem Sturmduo Marittima/Cariati ein Offensivduo, das man auch in höheren Ligen im Auge behalten sollte. Manfredonia hingegen blickt nach unten und wird sich fragen müssen, wie man mit fast 48 Prozent Ballbesitz so wenig anfangen kann. "Wir müssen die Köpfe hochnehmen", sagte Schlussmann Centrache noch in der Mixed Zone. "Oder wenigstens so tun." Und so ging ein Abend zu Ende, an dem ein Teenager zweimal traf, ein Veteran zweimal assistierte und ein ganzes Stadion still wurde. Nur einer grinste zufrieden: Jan Beyer, der Gästecoach. "Schöner Ort, schöner Sieg", sagte er - und verschwand mit einem Espresso in der Hand in die Kabine. 31.01.643994 12:44 |
Sprücheklopfer
Mit David Odonkor will ich mich dennoch nicht messen. Fußball ist nicht nur rennen, da ist auch der Ball dabei. Und es ist wichtig, dass man den trifft.
Michael Ballack