Tuttosport
+++ Sportzeitung für Italien +++

Rodengo Saiano siegt mit Minimalismus - Pisa verzweifelt an sich selbst

Ein Tor reicht manchmal, um eine ganze Stadt zum Schweigen zu bringen. Am Freitagabend im Stadio Romeo Anconetani war es so weit: 9.456 Zuschauer sahen, wie die AS Pisa trotz 52 Prozent Ballbesitz und einer gehörigen Portion Stolz mit 0:1 gegen Rodengo Saiano verlor - ein Ergebnis, das nüchtern betrachtet verdient war, aber emotional wie eine kalte Dusche wirkte.

Das Spiel begann, wie man es in Pisa liebt: mit viel Ballgeschiebe, eleganten Pässen im Mittelfeld - und wenig Ertrag. Trainer der Hausherren? Nun, er hätte in der Kabine vermutlich gern das Wort "Zielstrebigkeit" an die Tafel geschrieben, aber das Kreidestück war wohl schon nach fünf Minuten stumpf. Rodengo Saiano hingegen, geführt von Jan Beyer, wirkte von Beginn an frischer, wacher, irgendwie ehrlicher in seiner Spielidee.

Schon in der 2. Minute prüfte Gaetano Uffugo den Pisaner Keeper Curt Meyer - ein erster Warnschuss, den man auf den Tribünen noch mit einem Lächeln quittierte. Doch dieses Lächeln gefror, als in der 22. Minute Giacomo Morabito nach feinem Zuspiel von Luca Cariati den Ball trocken ins linke Eck drosch. 0:1 - und auf einmal roch es nach Ärger. "Ich hab ihn einfach kommen lassen", grinste Morabito später, "und dann gedacht: Wenn ich jetzt daneben schieße, lacht mich meine Nonna aus." Sie wird stolz gewesen sein.

AS Pisa hingegen wirkte danach wie ein Schüler, der die Antwort auf die Mathefrage kennt, aber den Stift nicht findet. Zwar kamen Venizelos (25., 51., 60., 65.) und Reiter (76.) zu aussichtsreichen Chancen, doch alle Versuche landeten irgendwo zwischen Torwarthandschuh und Fangnetz. Der Grieche Venizelos, sonst ein Garant für Unruhe, sah nach Abpfiff aus, als hätte er gerade erfahren, dass sein Lieblingscafé geschlossen hat. "Wir haben alles versucht", murmelte er, "aber manchmal ist der Ball eben ein Philosoph - er macht, was er will."

Rodengo Saiano dagegen spielte die Partie mit erstaunlicher Reife herunter. 14 Torschüsse, 47 Prozent Ballbesitz, aber das Gefühl, jederzeit die Kontrolle zu behalten. Besonders auffällig: der junge Domenico Roggiano im Mittelfeld, der zwar in der 80. Minute Gelb sah, aber zuvor unermüdlich rackerte. "Ich hab vergessen, dass ich erst 19 bin", scherzte er nach dem Spiel, "die Jungs sagen, ich renne wie ein 17-Jähriger."

Trainer Jan Beyer wirkte nach dem Schlusspfiff beinahe philosophisch: "Wir wollten offensiv stehen, aber mit Maß. Pisa hat den Ball, wir das Tor - das reicht mir." Seine Mannschaft folgte dem Plan mit fast deutscher Präzision. Selbst die späten Einwechslungen - Valerio Rinaldi zur Pause, Antonio Cocco in der 83. und der 17-jährige Massimiliano Pentone kurz vor Schluss - wirkten wie Kapitel in einem Buch, das längst zu Ende geschrieben war.

Pisa versuchte es bis zum Schluss. Taktisch blieb man bei der offensiven Ausrichtung, aber es fehlte der letzte Funke. Der Ballbesitz war schön anzusehen, fast mediterran verspielt, doch ohne Biss. "Wir wollten das Spiel nicht nur gewinnen, sondern stilvoll gewinnen", meinte ein frustrierter Christoph Block. "Am Ende hatten wir nur den Stil."

Und so endete ein Spiel, das keineswegs langweilig war, aber auch keinen neutralen Zuschauer in Ekstase versetzte. Rodengo Saiano nahm drei Punkte mit, Pisa blieb die Erkenntnis, dass Schönheit im Fußball selten belohnt wird, wenn sie keine Tore schießt.

Im Presseraum fragte ein Reporter den Pisaner Co-Trainer, ob seine Mannschaft unter Druck schlecht spiele. Er lächelte müde: "Nein, wir spielen auch ohne Druck schlecht - das ist Konstanz."

Vielleicht war das die ehrlichste Analyse des Abends.

Und während Rodengo Saiano in der Kabine sang (überliefert ist nur, dass Morabito den Takt auf die Umkleidebank klopfte), schlich Pisa in die Nacht hinaus - mit gesenktem Kopf, aber immerhin der Gewissheit, dass Ballbesitz allein noch kein Argument ist.

Fazit: Rodengo Saiano gewinnt knapp, aber souverän. Pisa hat den Ball, Rodengo den Punktestand. Manchmal ist Fußball eben ein Spiel für Minimalisten - und für Morabito.

27.10.643990 11:02
Login
Emailadresse
Passwort
Sprücheklopfer
Das Wort 'mental' gab es zu meiner Zeit als Fußballspieler noch gar nicht. Nur eine Zahnpasta, die so ähnlich hieß.
Rudi Assauer
NETZWERK
Football Manager
Manager de fútbol
Calcio manager
Football Manager
LINKS
Kostenlos registrieren
Online-Hilfe
Freie Teams
Spieltag & Tabelle
Plattform-News
COMMUNITY
Zeitung
Stammtisch
Chat
ÜBER UNS
Impressum
Kontakt
AGB
Managerspiel Onlinemanager