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Das Stadio Marc’Antonio Bentegodi bebte am Dienstagabend - und das nicht nur wegen der 12.500 frierenden, aber lautstarken Zuschauer. Am 19. Spieltag der 3. Liga Italien (1. Div) verlor Chevio Verona trotz mehr Ballbesitz (55 Prozent) und 15 Torschüssen mit 2:3 gegen den forschen Außenseiter Rodengo Saiano. Ein Spiel, das alles bot: frühe Tore, jugendliche Unbekümmertheit, gelbe Karten - und einen Mirko Napolitano, der zwar doppelt traf, aber am Ende ratlos in den Abendhimmel blickte. Schon nach acht Minuten stockte den Heimfans der Atem. Vincenzo Cerutti, 18 Jahre jung, nahm eine butterweiche Vorlage seines Altersgenossen Domenico Roggiano an, drehte sich wie ein erfahrener Serien-Angreifer und drosch den Ball ins rechte Eck. 0:1 - und Rodengo jubelte, als hätte man soeben die Champions League gewonnen. "Ich wollte einfach Spaß haben", grinste Cerutti nach dem Spiel. "Vielleicht sollte ich öfter Spaß haben", fügte er mit einem spitzbübischen Zwinkern hinzu. Verona brauchte fast die ganze erste Hälfte, um den Schock zu verdauen. Trainer (dessen Name in den Unterlagen leider verloren ging, aber seine Handzeichen waren eindeutig) dirigierte wild gestikulierend von der Seitenlinie. "Mehr über außen!", schrie er, und tatsächlich: In der 39. Minute brachte Linksverteidiger Fabio Sabia den Ball von der Grundlinie scharf herein, Mirko Napolitano rauschte heran und glich mit einem wuchtigen Schuss aus. 1:1 - das Stadion atmete auf, und die Fans sangen sich die Kälte aus den Knochen. Nach der Pause blieb Verona optisch überlegen, aber Rodengo spielte mit einem erstaunlichen Maß an Selbstbewusstsein, das wohl nur 18-Jährige kennen. In der 58. Minute war es wieder ein Teenager, diesmal Luca Cariati, der nach Pass von - natürlich - Domenico Roggiano zum 1:2 traf. Ein Treffer, der so schnörkellos war, dass selbst die Heimverteidiger irritiert wirkten. Doch Verona gab nicht auf. In der 70. Minute schnappte sich Napolitano den Ball an der Strafraumgrenze und setzte ihn trocken ins lange Eck - 2:2, und der Stadionsprecher überschlug sich fast beim Durchsagen des Doppeltorschützen. "In dem Moment dachte ich: Das ist unser Abend", erzählte Napolitano später. Leider irrte er. Denn kaum vier Minuten später vollendete Cerutti seinen Traumabend. Nach einem schnellen Flügelstoß legte Emanuele Soverato quer, Cerutti stand wieder goldrichtig - 2:3. Der zweite Treffer des jungen Stürmers, und das endgültige Aus für Veronas Hoffnungen. "Wir wollten sie laufen lassen, bis sie müde werden", sagte Rodengo-Trainer Jan Beyer mit einem Lächeln, das man auch als milde Ironie deuten konnte. "Aber sie haben uns das Laufen übernommen." Die letzten Minuten wurden zu einer Mischung aus Verzweiflung und Verdrängung. Klaus Schlüter feuerte in der 85. und sogar in der 93. Minute noch aufs Tor, aber der Ball wollte nicht mehr rein. Der 20-jährige Pascal Mohr sah früh Gelb (5.), Jean-Pierre Stephan tat es ihm in der 69. Minute gleich - beide sinnbildlich für Veronas übermotivierte, aber letztlich wirkungslose Bemühungen. Während Chevio versuchte, mit langen Bällen den Sieg zu erzwingen, blieb Rodengo erstaunlich ruhig. Der eingewechselte Marco Serrastretta sortierte im Mittelfeld, als hätte er ein Jahrzehnt Erfahrung mehr, und Torhüter Luigi Nicola, gerade einmal 20 Jahre alt, fischte alles weg, was in seine Nähe kam. Statistisch war Verona das bessere Team: mehr Ballbesitz, mehr Abschlüsse, bessere Zweikampfquote. Aber Fußball ist nun mal kein Mathe-Test. "Manchmal gewinnt eben die Mannschaft, die weniger denkt", sagte ein leicht frustrierter Fabio Sabia in der Mixed Zone, während er sich die Schienbeinschoner auszog. Rodengo Saiano hingegen feierte ausgelassen. Cerutti verschwand fast unter einer Traube von Mitspielern, und Beyer klatschte jeden einzeln ab. Auf der Tribüne soll ein Fan gerufen haben: "Gebt ihnen Milch, sie sind ja noch Kinder!" - und in diesem Fall war das als Kompliment gemeint. Chevio Verona bleibt nach dieser bitteren Heimniederlage im Mittelfeld stecken, während Rodengo Saiano mit jugendlicher Frische Anschluss an die obere Tabellenhälfte findet. Vielleicht war es der Abend, an dem sich die Generation Z endgültig in die 3. Liga eintrug. Und vielleicht dachte so mancher Verona-Verteidiger beim Abpfiff: "So spielen also 18-Jährige, wenn man sie lässt." Ein kleiner Trost für Verona-Fans: Der Winter ist noch lang, und wer so oft aufs Tor schießt, trifft irgendwann auch wieder. Nur diesmal jubelten eben die anderen - und das völlig verdient. 27.08.643987 01:00 |
Sprücheklopfer
Wir hatten viele Verletzte, aber das soll den Sieg der Freiburger in keinster Weise schmeicheln.
Andreas Brehme