Tuttosport
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Rodengo Saiano schießt sich mit jugendlicher Frische zum 2:0 über Sangiustese

Ein lauer Abend im März, Flutlicht, 6116 Zuschauer, und ein Heimteam, das offenbar beschlossen hatte, Fußball wieder als Abenteuer zu verstehen: Rodengo Saiano bezwang im Duell des 22. Spieltags der 3. Liga Italien (1. Division) den Gast aus Sangiustese mit 2:0 (1:0) - und das mit einer Mischung aus jugendlichem Übermut und taktischer Disziplin, die sogar Trainer Jan Beyer nach Abpfiff kurz sprachlos machte.

"Ich musste zweimal hinschauen", gestand Beyer später grinsend, "als Valerio, unser 17-jähriger Rechtsverteidiger, plötzlich im Strafraum auftauchte. Ich dachte, er hat sich verlaufen - aber offenbar hatte er eine Karte zum Tor dabei."

Gemeint war die 30. Minute: Nach einer halben Stunde, in der Rodengo Saiano mit 16 Torschüssen insgesamt die Richtung des Spiels unmissverständlich klarmachte, war es ausgerechnet der junge Valerio Rinaldi, der mit einem beherzten Vorstoß über rechts und einem trockenen Schuss ins lange Eck das 1:0 erzielte. Dario Bassi, der 31-jährige Abwehrchef, hatte den Treffer mit einem klugen Pass eingeleitet - Erfahrung trifft jugendliche Unbekümmertheit, das passte an diesem Abend.

Sangiustese, das sich in der Anfangsphase mit nur zwei Torschüssen über das gesamte Spiel hinweg kaum nennenswert am Offensivbetrieb beteiligte, kam danach kaum in die Partie. Der frühe Versuch von Matteo Ferrando in der 5. Minute blieb der einzige Moment, in dem Heimkeeper Igor Zunino wirklich eingreifen musste. Danach war der 18-Jährige weitgehend Zuschauer - und das, obwohl Rodengo Saiano laut Statistik nur knapp 50,4 Prozent Ballbesitz hatte. Es war kein Spiel des Ballbesitzes, sondern eines der Entschlossenheit.

Nach dem Seitenwechsel brachte Beyer frischen Wind: Der 17-jährige Emiliano Degano kam für Alessandro Vegliaturo - und sollte die Partie in der 68. Minute endgültig entscheiden. Nach schöner Vorarbeit des ebenfalls 17-jährigen Massimiliano Pentone vollendete Degano eiskalt zum 2:0. "Ich habe gar nicht überlegt", sagte der Teenager nach dem Spiel, "ich hab einfach draufgehalten. Und dann war der Ball drin - das war’s."

Während die jungen Wilden von Rodengo Saiano auf dem Platz tanzten, sah Trainerkollege von Sangiustese (dessen Name man sich nach diesem Abend wohl nur schwer merken wird) zunehmend ratlos aus. Seine Mannschaft spielte "balanciert", wie es das Taktikprotokoll nüchtern ausdrückt, aber das sah in der Praxis eher nach Spaziergang im Halbschatten aus. Zwei Gelbe Karten - David Di Paolo in der 35. und Piergiorgio Mancini in der 74. Minute - waren die einzigen sichtbaren Zeichen von Gegenwehr.

"Wir haben zu spät verstanden, dass man Fußball nicht im Leerlauf spielen kann", meinte Ferrando später mit einem bitteren Lächeln. "Rodengo war heute einfach galliger - und schneller. Ich glaube, ich hab in der zweiten Halbzeit mehr Rückwärtsläufe gemacht als in der ganzen Saison."

Statistisch gesehen war das Spiel fast ausgeglichen, zumindest auf dem Papier: 50 zu 49 Prozent Ballbesitz, aber eben 16:2 Torschüsse. Oder, wie ein älterer Fan auf der Tribüne lakonisch bemerkte: "Wenn du den Ball hast, aber nichts damit machst, ist das wie eine Pizza ohne Belag - sieht rund aus, schmeckt aber nach nichts."

Beyer indes hatte nach Schlusspfiff gut lachen: "Ich hab den Jungs gesagt, sie sollen Spaß haben. Dass sie dabei fast so locker wirken wie beim Training, hätte ich nicht gedacht. Aber wenn du 17-Jährige hast, die so cool bleiben, dann läuft’s eben."

Sangiustese dagegen muss sich fragen, wohin die eigene Offensive verschwunden ist. Vielleicht hat jemand sie im Bus vergessen, als man auswärts anreiste. Immerhin war Torwart Paolo Mango de Aquino mit mehreren Paraden der Grund, warum das Ergebnis nicht höher ausfiel.

Zum Schluss wurde es beinahe poetisch: In der Nachspielzeit (93.) probierte Mittelfeldmotor Giacomo Morabito noch einen Distanzschuss, der das Netz fast erzittern ließ - aber Mango de Aquino fischte den Ball mit einer Flugeinlage heraus, die jedem Zirkusartist zur Ehre gereicht hätte.

Rodengo Saiano verabschiedet sich mit diesem Sieg aus dem Tabellenmittelfeld und zeigt, dass Mut und jugendliche Frische manchmal mehr wert sind als Routine. Und während die Fans jubelnd den Platz verließen, sah man Trainer Beyer in Richtung seiner Jungs klatschen. "Das war Fußball, wie ich ihn mag", rief er in die Nacht.

Und man glaubte ihm jedes Wort.

21.05.643993 23:27
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Der Vorteil von Trainern wie Branko Zebec und Ernst Happel war ihre kuriose Sprache. Die Spieler mussten sich stark konzentrieren, um zu verstehen, was sie meinten. Deshalb kam ihre Botschaft so gut rüber.
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