// Startseite
| Tuttosport |
| +++ Sportzeitung für Italien +++ |
|
|
|
Ein kalter Märzabend, Flutlicht, 6.500 Zuschauer - und ein Spiel, das Montichiari wohl so schnell nicht vergessen wird. Am 10. Spieltag der 3. Liga Italien (1. Div) wurde die Mannschaft von Rodengo Saiano zum Albtraum für die Gastgeber. Das Endergebnis: ein deutliches 0:2, das allerdings harmloser klingt, als es war. Schon nach wenigen Minuten war klar, wohin die Reise geht. Während Montichiari noch damit beschäftigt war, den Rasen auf Rutschfestigkeit zu prüfen, feuerte Rodengo Saiano aus allen Lagen. Ganze 19 Torschüsse notierte der Statistikbogen - gegen exakt null der Heimelf. Trainer Jan Beyers Offensivkonzept wirkte, als hätte jemand das Drehbuch "Totalangriff" verfilmt. In der 19. Minute dann das, was sich seit dem Anpfiff angekündigt hatte: Alessandro Vegliaturo traf nach Vorlage von Luca Cariati zur hochverdienten Führung. Ein Schuss aus spitzem Winkel, wuchtig und präzise zugleich. "Ich hab einfach draufgehalten - der Ball wollte rein", grinste Vegliaturo später und zuckte mit den Schultern, als wäre das Tor die natürlichste Sache der Welt. Montichiaris Torhüter Alberto Pedrotti konnte einem fast leidtun. Fast. Denn während seine Vorderleute den Ball lieber aus der Distanz betrachteten, flog er von einer Ecke zur nächsten, um die Schüsse der Gäste abzuwehren. "Wir wollten eigentlich kompakt stehen", murmelte Kapitän Fabrizio Frascineto nach dem Spiel, "aber irgendwie standen wir dann überall - nur nicht da, wo der Ball war." Zur Halbzeit führte Rodengo Saiano verdient mit 1:0. Beyer wechselte zur Pause gleich doppelt: Routinier Antonio Cocco kam für den jungen Vincenzo Cerutti, und im Tor ersetzte Jamie Smith den etwas gelangweilt wirkenden Niccolò Argusto. "Er hat gefroren", scherzte der Trainer, "da dachte ich, ich bring mal den Jungen, der sich noch warmspielen will." In der zweiten Halbzeit wurde Montichiari zwar etwas mutiger - allerdings nur optisch. Der Ballbesitz lag mit 47 Prozent immerhin knapp unterhalb der Waage, doch Torgefahr blieb ein Fremdwort. Kein einziger Schuss auf das gegnerische Tor, kein Moment, der die 6.500 Zuschauer von den Sitzen riss - es sei denn, um früher nach Hause zu gehen. Rodengo Saiano dagegen blieb dran, wenn auch mit leicht gesenktem Energielevel. Die Gäste spielten weiter offensiv, aber mit einem Lächeln im Gesicht, als wüssten sie längst, dass nichts mehr anbrennen würde. In der 85. Minute machte Antonio Cocco den Deckel drauf. Nach einem präzisen Pass von Innenverteidiger Arnaldo Romaniello jagte der 34-Jährige den Ball in die Maschen - ein Treffer, der zeigte, dass Erfahrung manchmal einfach durch nichts zu ersetzen ist. "Ich hab Romaniello nur zugerufen: Schick ihn lang!", erzählte Cocco später, "und dann musste ich nur noch den Fuß hinhalten. So einfach ist Fußball." Montichiaris Trainer - namentlich nicht überliefert, vielleicht zum Selbstschutz - stand derweil an der Seitenlinie und sah aus, als überlege er, ob er sich in die nächste Saison absetzt oder einfach eine neue Sportart erfindet. Seine Mannschaft wirkte, als hätte sie vergessen, dass Tore zum Spiel dazugehören. Beyer hingegen war rundum zufrieden. "Wir haben das Spiel kontrolliert, ohne übermäßig aggressiv zu sein. Das war reif", lobte er seine Elf. Und tatsächlich: Trotz der offensiven Ausrichtung blieb Rodengo Saiano fair, spielte mit Übersicht, und ließ Montichiari kaum Luft zum Atmen. Das Publikum quittierte die Vorstellung mit gemischten Gefühlen - höflicher Applaus für die Gäste, betretenes Schweigen für die Hausherren. Ein älterer Fan, der in der Kurve seine Fahne sinken ließ, brachte es auf den Punkt: "Früher hatten wir wenigstens Ecken. Heute nicht mal das." Statistisch gesehen war der Abend eindeutig: 52,6 Prozent Ballbesitz für Rodengo Saiano, 59,8 Prozent gewonnene Zweikämpfe, 19 Torschüsse - und kein einziger Gegentreffer. Montichiari dagegen blieb in jeder Kategorie zweite Wahl. Dass der Schiedsrichter kaum Karten zeigen musste, lag wohl daran, dass Montichiari nie in die Nähe eines Zweikampfs kam. Am Ende stand ein 0:2, das Rodengo Saiano im oberen Tabellendrittel festigt und Montichiari weiter im Niemandsland lässt. Ein Spiel ohne Drama, aber mit klarer Botschaft: Wer kein Tor schießt, kann auch keines gewinnen. Oder, wie es Beyer beim Rausgehen augenzwinkernd formulierte: "Wir hätten gern noch ein drittes gemacht - aber man soll ja nicht unhöflich sein." Ein Satz, der den Abend perfekt zusammenfasst. 06.03.643994 12:03 |
Sprücheklopfer
Als ich zuletzt Sergio in Eurosport gesehen habe, dachte ich mir auch nur: Das kann er nicht sein, da muss sich einer maskiert haben.
Rainer Calmund