Tuttosport
+++ Sportzeitung für Italien +++

Rodengo Saiano lässt Pisa im eigenen Stadion alt aussehen

Es gibt Abende, da möchte man einfach die Stadionbeleuchtung dimmen, den Ball einpacken und so tun, als sei nichts gewesen. Für die AS Pisa war der Samstagabend einer dieser Abende. Vor 8052 Zuschauern im altehrwürdigen Arena Garibaldi kam die Mannschaft beim 31. Spieltag der 3. Liga Italien (1. Div) mit 0:3 gegen Rodengo Saiano unter die Räder - und das trotz 53,6 Prozent Ballbesitz.

Das klingt paradox? War es auch. Pisa hatte den Ball, Rodengo Saiano hatte alles andere: Ideen, Tempo, Zielstrebigkeit - und einen 18-jährigen Stürmer namens Vincenzo Cerutti, der sich offenbar vorgenommen hatte, aus der Toskana seine persönliche Spielwiese zu machen.

Bereits in der 17. Minute sorgte Cerutti nach Vorarbeit von Matteo Botricello für das 0:1. Ein Treffer, der die Rollen des Abends klar verteilte. Während Pisa noch versuchte, den Ball durch das Mittelfeld zu schieben, spielte Rodengo Saiano schnörkellos nach vorn. "Wir wollten mutig sein", grinste Gästetrainer Jan Beyer nach dem Spiel. "Und wenn man 18 Schüsse aufs Tor hat, darf man das Ergebnis wohl als verdient bezeichnen."

Die Statistik untermauert Beyers Understatement: 18 Torschüsse für Rodengo Saiano, ein einziger für Pisa - und der kam in der 24. Minute von Raffaello Albanese, der den Ball allerdings so mittig platzierte, dass Torhüter Luigi Nicola kurz Zeit hatte, sich die Handschuhe zurechtzurücken, bevor er zupackte.

"Wir haben eigentlich gut gestanden", meinte Pisas Verteidiger Hugo Dominguez, der in der 73. Minute immerhin noch eine Gelbe Karte sammelte - vermutlich, um wenigstens einmal im Spielbericht zu stehen. "Aber irgendwie war der Ball immer da, wo wir nicht waren."

Rodengo Saiano blieb derweil eiskalt. In der zweiten Halbzeit legte Cerutti erneut zu: Nach 72 Minuten verwertete er eine butterweiche Vorlage des eingewechselten Jean Demers, als wäre das Ganze ein Trainingsspiel. 0:2 - und das Publikum begann zu murren. Nur acht Minuten später machte Gaetano Uffugo den Deckel drauf. Der Rechtsaußen - ebenfalls 18 Jahre jung - traf nach einer flachen Hereingabe von Linksverteidiger Lorenzo Montegiordano zum 0:3. Pisa schaute hinterher wie ein Tourist, der seine Kamera verloren hat.

Der Rest war Schadensbegrenzung. Trainer der AS Pisa - der Name blieb an diesem Abend lieber im Schatten - gestikulierte wild an der Seitenlinie, während seine Mannschaft weiterhin den Ball durch die eigenen Reihen schob, als gäbe es dafür Extrapunkte. "Wir wollten ruhig bleiben und unser Spiel spielen", sagte er später mit zusammengepressten Lippen. "Leider hat Rodengo Saiano beschlossen, Fußball zu spielen."

Die Taktikblätter zeigen, dass Pisa über 90 Minuten "ausgewogen" agierte - also weder offensiv noch defensiv, sondern schlicht: harmlos. Rodengo Saiano dagegen trat mit einer "offensiven" Grundhaltung an, aggressiv in den Zweikämpfen (59 Prozent gewonnen), aber nie unfair. Eine einzige Gelbe Karte für Innenverteidiger Luca Piemontese in der 81. Minute - mehr war an Härte nicht zu sehen.

Ironischerweise hatte Pisa die bessere Feldkontrolle, aber das Spiel erinnerte an einen dieser Abende, an denen man 20 Minuten lang den Fernseher sucht, nur um festzustellen, dass er längst läuft - auf dem falschen Kanal.

Nach dem Schlusspfiff jubelten die jungen Gäste ausgelassen. Cerutti, mit zwei Treffern der Held des Abends, grinste schüchtern in die Kameras: "Ich wollte einfach Spaß haben. Mein Trainer sagt immer, Tore sind wie Eiscreme - man soll sie genießen, bevor sie schmelzen."

Rodengo Sainao hat mit diesem Sieg nicht nur drei Punkte, sondern auch eine Duftmarke gesetzt: frech, spielfreudig, unverschämt zielstrebig. Pisa dagegen muss sich fragen, wie man mit über 50 Prozent Ballbesitz so wenig anfangen kann.

Vielleicht hilft ein Besuch im Trainingslager - oder eine gemeinsame Videoanalyse. Wobei, nach diesem Spiel wird man in Pisa das Video wohl lieber auf später verschieben.

"Wir haben heute Lehrgeld bezahlt", sagte Kapitän Jannis Klein beim Verlassen des Platzes. "Blöd nur, dass wir kein Wechselgeld zurückbekommen."

Rodengo Saiano hingegen reist mit breiter Brust nach Hause. Drei Tore, drei junge Torschützen, 18 Abschlüsse - und das Gefühl, dass man diese Mannschaft besser nicht unterschätzt.

Ein Reporter am Spielfeldrand brachte es am Ende auf den Punkt: "Pisa hatte den Ball, aber Rodengo Saiano hatte den Plan." Und das, liebe Leser, ist im Fußball meist die entscheidendere Statistik.

21.03.643990 12:08
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