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7000 Zuschauer im kleinen, aber lauten Stadion von Rodengo Saiano erlebten am Montagabend eine dieser Fußballgeschichten, die irgendwo zwischen Verzweiflung, jugendlichem Leichtsinn und purem Trotz geschrieben werden. 2:2 (0:2) hieß es am Ende gegen Salerno Calcio - ein Ergebnis, das sich für die Gäste wie eine Niederlage und für die Hausherren wie ein kleiner Pokalsieg anfühlte. Die erste Halbzeit war aus Sicht der Norditaliener ein Alptraum in Zeitlupe. Schon nach zwölf Minuten traf Salernos Routinier Pierpaolo Marco aus der Distanz - ein Schuss, so trocken, dass selbst der Ball kaum mitbekam, dass er im Netz landete. "Ich dachte erst, der Pfiff sei wegen Abseits", grinste Marco später, "aber dann sah ich, wie unser Keeper sich ärgerte - da wusste ich, der zählt." Rodengo taumelte, suchte nach Halt, fand aber nur den nächsten Schlag: In der 28. Minute legte Maxime Daens nach, nach feinem Zuspiel von Emanuele Neri. Daens, 33 Jahre alt, Typ "Sonntagmorgen-Techniker", lupfte den Ball so elegant über den Torwart, dass man kurz glaubte, er habe das im Training geübt. "Natürlich hab ich das geübt", sagte er nach dem Spiel - und zwinkerte. Bei 0:2 und spürbarer Verunsicherung griff Trainer Jan Beyer schon in der Pause durch. Der junge Igor Zunino ersetzte den bislang glücklosen Keeper Luigi Nicola. Ein 17-jähriger Schlussmann in der 3. Liga - das riecht normalerweise nach Wagnis. Doch Beyer sollte belohnt werden. Nach der Pause änderte sich alles. Rodengo Saiano kam mit einer Energie zurück, die man in der ersten Halbzeit vergeblich gesucht hatte. In der 58. Minute war es der 18-jährige Gaetano Uffugo, der nach Vorlage von Marco Serrastretta den Anschluss erzielte. Ein klassisches Stürmertor: rein, drauf, drin. Drei Minuten später wiederholte sich das Kunststück - erneut Uffugo, erneut nach Vorarbeit von Serrastretta. Die Tribüne bebte, und irgendwo auf der Trainerbank fiel jemandem fast das Klemmbrett aus der Hand. "Ich hab einfach nur draufgehauen", sagte Uffugo nach dem Spiel mit einem Grinsen, das größer war als seine Schienbeinschoner. "Der Trainer meinte, ich soll frech sein - und das kann ich ganz gut." Salerno Calcio, das bis dahin souverän gewirkt hatte, verlor plötzlich den Faden. Trotz 58 Prozent Ballbesitz und mehr Ruhe im Passspiel wirkten die Gäste nervös. Ihre größten Chancen nach dem Ausgleich - durch Evan Roades (56.) und Maxime Daens (79.) - blieben ungenutzt. Stattdessen kassierten sie Gelb auf Gelb: Manuel Marchetti (73.) und Harrison Prinsloo (74.) sahen den Karton, weil sie offenbar beschlossen hatten, dass ein kleines Trittchen auch zur Taktik gehört. Rodengo dagegen rannte, kämpfte und schoss: Zehn Torschüsse insgesamt, manche wild, manche gefährlich, alle getragen von dieser Mischung aus jugendlicher Wut und Hoffnung. In der 87. Minute versuchte Niccolò Gasser noch einmal den Lucky Punch, doch Salernos Keeper Alessandro Lucido hielt das Remis fest. Trainer Beyer zeigte sich nach dem Spiel zwischen Stolz und leichter Fassungslosigkeit: "In der ersten Halbzeit wollte ich eigentlich nur, dass die Uhr schneller läuft. In der zweiten dachte ich, vielleicht haben wir hier gerade unseren neuen Helden entdeckt." Salernos Coach, der seinen Namen lieber nicht in der Schlagzeile lesen wollte, wirkte dagegen reichlich genervt: "Wir waren zu bequem. Vielleicht dachten einige, 2:0 reicht, um das Spiel auszusitzen. Aber Fußball ist eben kein Schaukelstuhl." Das Publikum verabschiedete die Mannschaft mit stehenden Ovationen - selten gab es für ein 2:2 so viel Applaus. Der Teenager Uffugo wurde auf den Schultern seiner Mitspieler vom Feld getragen, während Serrastretta, der stille Regisseur im Mittelfeld, nur lächelte und meinte: "Das war kein Comeback, das war Pubertät auf Rasen." Statistisch betrachtet war Salerno leicht überlegen - mehr Ballbesitz, aber weniger Torschüsse (8 zu 10). Doch Zahlen erzählen nicht alles. Der Moment, als der 17-jährige Ersatztorwart Zunino nach dem Abpfiff auf den Zaun kletterte und in Richtung Fans rief: "Wir geben nie auf!", fasste den Abend besser zusammen als jede Statistik. Vielleicht war dieses Spiel kein Meisterwerk, aber es war ehrlich, wild und ein bisschen verrückt. Und manchmal ist genau das der Grund, warum man Fußball liebt - oder ihn zumindest nicht ganz aufgeben kann. Schlusswort? Vielleicht dieses: Wer zweimal trifft und trotzdem unzufrieden ist, spielt für Salerno. Wer zweimal trifft und danach nicht schlafen kann, spielt für Rodengo Saiano. 15.08.643987 12:03 |
Sprücheklopfer
Wir hatten viele Verletzte, aber das soll den Sieg der Freiburger in keinster Weise schmeicheln.
Andreas Brehme