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Es war ein kalter Januarabend in Vicenza, aber die Gäste aus Rodengo Saiano brachten genug Feuer mit, um das Stadio Romeo Menti zum Glühen zu bringen. Mit 4:1 (3:1) deklassierten die jungen Wilden unter Trainer Jan Beyer den FC Vicenza am 25. Spieltag der 3. Liga Italien. Und das, obwohl die Hausherren etwas mehr Ballbesitz verbuchten - 51,8 Prozent, um genau zu sein. Doch Zahlen lügen nicht: 14 Torschüsse der Gäste gegenüber nur 5 der Vicentiner sprechen eine deutliche Sprache. Schon nach fünf Minuten begann das Unheil für die Heimmannschaft. Luca Cariati, gerade einmal 19 Jahre alt, zirkelte den Ball nach Vorarbeit von Vincenzo Cerutti trocken ins Eck. Torwart Pircher flog, wie man so schön sagt, vergeblich der Ästhetik halber. Kaum hatten die Vicentiner sich gesammelt, rappelte es erneut: Der erst 18-jährige Gaetano Uffugo nutzte in der 11. Minute einen Stellungsfehler der Hintermannschaft eiskalt aus - 0:2. "Ich dachte, das sei ein Trainingsspiel", murmelte ein älterer Zuschauer auf der Tribüne, während er sich den Schal enger um den Hals zog. Rodengo Saiano kombinierte mit einer Leichtigkeit, als wären sie auf dem Bolzplatz hinterm Schulhof. Cariati legte in der 23. Minute nach, diesmal nach feinem Pass des ebenfalls 18-jährigen Domenico Roggiano. 0:3 - und das Publikum in Vicenza schwieg betreten. Nur ein paar tapfere Ultras versuchten, die Mannschaft mit rhythmischem Klatschen wiederzubeleben. Und siehe da: Kurz darauf gelang tatsächlich der Ehrentreffer. In der 30. Minute fasste sich Josef Lubanski, Vicenzas zentraler Mittelfeldmann, ein Herz - nach schöner Vorarbeit des agilen Carlo Calabro. Lubanski zog aus 20 Metern ab, der Ball flatterte, Tor! Der Jubel war so laut, dass man fast vergaß, dass es immer noch 1:3 stand. "Da hab ich einfach mal draufgehauen", grinste Lubanski nach dem Spiel. "Vielleicht war’s auch Frust." Doch wer glaubte, das Spiel würde kippen, irrte. Rodengo Saiano blieb hungrig, bissig, und erstaunlich diszipliniert für so eine junge Truppe. Trainer Beyer, ein ruhiger Mann mit norddeutschem Akzent und italienischem Temperament, erklärte später: "Wir haben offensiv gespielt, aber nie den Kopf verloren. Die Jungs wissen, wann sie zubeißen müssen." In der zweiten Hälfte verwalteten die Gäste das Geschehen mit der Gelassenheit alter Hasen. Vicenza rannte an, doch ohne echte Durchschlagskraft. Ein paar harmlose Schüsschen - Locatelli in der 50., Diamante und Demetrio in der Schlussphase - mehr sprang nicht heraus. Stattdessen setzte erneut Cariati den Schlusspunkt: In der 72. Minute schnürte der Teenager seinen Hattrick. Nach einem präzisen Flankenlauf von Linksverteidiger Lorenzo Montegiordano stand er goldrichtig und schob eiskalt ein. 1:4, und das Spiel war gelaufen. "Ich wusste gar nicht, dass man mit 19 so viel laufen kann", witzelte ein erschöpfter Vicenza-Verteidiger nach Abpfiff. Cariati selbst blieb bescheiden: "Ich hab einfach versucht, Spaß zu haben. Tore sind nur ein Bonus." Man könnte fast glauben, er meint das ernst. Trainer Beyer indes zollte seinem Team Respekt: "Wir sind eine Mannschaft, kein Haufen Talente. Heute haben sie das gezeigt." Auf der anderen Seite wirkte Vicenzas Coach - dessen Name in der Pressekonferenz merkwürdigerweise verschwieg - sichtlich bedient. "Vier Chancen, vier Tore - das darf in dieser Liga nicht passieren", knurrte er, während er seine Wasserflasche etwas zu fest zudrehte. Das Publikum, 6358 an der Zahl, verabschiedete die eigene Mannschaft mit höflichem Applaus - und Rodengo Saiano mit einem anerkennenden Murmeln. "Die spielen ja wie befreit", sagte ein Fan, "als hätten sie noch nie was von Taktik gehört - im besten Sinne." Statistisch gesehen war Vicenza gar nicht so unterlegen. Mehr Ballbesitz, ausgeglichenes Passspiel, sogar ordentliches Zweikampfverhalten. Aber während die Gastgeber sorgfältig querpassten, spielte Rodengo Saiano schnörkellos nach vorn. Ihre offensive Ausrichtung - laut Daten "OFFENSIVE" mit "starker Aggressivität" - war nicht bloß Theorie, sondern gelebte Praxis. Zum Schluss gab es noch ein paar Gelbe Karten: Di Paolo in der 39., Gasser in der 86. und Cropani in der Nachspielzeit. Letzterer sah Gelb, weil er nach einem verlorenen Zweikampf den Ball frustriert auf die Tribüne drosch. "Da war Emotion drin", kommentierte er später trocken. Ein 1:4-Heimdebakel also, das in Vicenza noch nachhallen wird. Rodengo Saiano dagegen tanzt weiter auf der Erfolgswelle - angetrieben von einer Generation Teenager, die offenbar nicht weiß, dass sie eigentlich nervös sein müsste. Und wenn man ehrlich ist: Ein bisschen Spaß hat’s ja gemacht, selbst für die neutralen Zuschauer. Schließlich sieht man nicht jeden Tag, wie ein 19-Jähriger mit einem Dreierpack eine ganze Stadt verstummen lässt. 04.11.643987 10:37 |
Sprücheklopfer
Der Dieter Hoeneß hat die Glatze noch ganz nass gehabt. Da geht es um 30 bis 35 Millionen. Das ist Monopoly original.
Rainer Calmund zur großen Bedeutung der Partie zwischen Hertha und Leverkusen in der Saison 2000/2001