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Es war einer dieser Abende im beschaulichen Rodengo Saiano, an denen man spürte: Hier will eine junge Mannschaft etwas beweisen. 3149 Zuschauer im kleinen Stadion sahen ein Pokal-Viertelfinale, das kaum spannender hätte beginnen können - und dann doch ziemlich eindeutig endete. 3:0 hieß es am Ende für Rodengo Saiano gegen den AC Manfredonia. Und man konnte den Eindruck gewinnen, die Gäste hätten auch bis Mitternacht weiterspielen können - sie hätten vermutlich trotzdem kein Tor erzielt. Schon nach neun Minuten setzte Luca Cariati das erste Ausrufezeichen. Der 20-jährige Linksaußen, dessen Frisur irgendwo zwischen Rockband und Kunststudent pendelt, zog einfach mal ab - und traf. "Ich hab’ gar nicht geschaut, ob der Torwart richtig stand", grinste Cariati später, "aber anscheinend stand er nicht richtig." Den Pass zum 1:0 hatte der 19-jährige Domenico Roggiano geliefert, der sich danach demonstrativ auf die Brust klopfte - jugendliche Selbstsicherheit in Reinform. Manfredonia wirkte da schon etwas überrascht. Trainer Jan Beyer von Rodengo Saiano hatte seine Elf offensiv eingestellt - und sie dankte es ihm mit Spielfreude, Witz und einer erstaunlichen Reife im Passspiel. 52 Prozent Ballbesitz, 14 Torschüsse und eine Zweikampfquote von 57 Prozent sprechen eine klare Sprache. Die Gäste dagegen wirkten ideenlos, obwohl sie laut Statistik offensiv ausgerichtet waren. "Wir wollten nach vorne spielen", erklärte Manfredonia-Kapitän Gianfranco Isca, "aber wir kamen irgendwie nie nach vorne." Rodengo Saiano spielte weiter munter auf. Besonders auffällig: Vincenzo Cerutti, 19, Mittelstürmer mit der Körpersprache eines Routiniers, ackerte unermüdlich, scheiterte aber gleich viermal am glänzend reagierenden Manfredonia-Keeper Christian Lombardo. "Ich dachte irgendwann, der Typ hat Magnete in den Handschuhen", lachte Cerutti nach dem Spiel. Nach der Pause brachte Beyer frische Kräfte: Lorenzo Cerva und Arnaldo Romaniello kamen rein - und brachten Stabilität. "Wir wollten das Ding nicht verwalten, sondern zu Ende spielen", sagte der Coach später. Und genau das taten sie. In der 66. Minute war es dann so weit: Gaetano Uffugo, ebenfalls 19, traf nach einem schnellen Angriff über die rechte Seite zum 2:0. Kein Zufall, sondern das Ergebnis einer klaren Spielidee. Die Gäste versuchten es mit langen Bällen auf den erfahrenen Jannick Sonnenschein, der allerdings meist zwischen den Innenverteidigern Di Paolo und Romaniello verschwand. Einmal, in der 38. Minute, hatte Isca noch eine Chance - aber Rodengo-Torwart Igor Zunino, gerade einmal 18 Jahre alt, parierte souverän. "Ich hab’ nur die Augen zugemacht und gehofft", gab Zunino lachend zu. In der 78. Minute gab’s dann den einzigen Wermutstropfen für die Hausherren: Federico Di Paolo sah Gelb nach einem rustikalen Einsteigen. "Ich wollte nur zeigen, dass ich auch noch da bin", meinte der Verteidiger trocken. Trainer Beyer kommentierte das mit einem Kopfschütteln und einem Schmunzeln: "Federico hat manchmal mehr Feuer als Vernunft - aber das gehört dazu." Das Finale war filmreif: In der Nachspielzeit zog wieder Cariati ab, diesmal nach Vorarbeit von Routinier Emanuele Soverato. 3:0 - und der Jubel war grenzenlos. Die jungen Wilden von Rodengo Saiano stürmten auf ihren Torschützen zu, als hätten sie gerade die Champions League gewonnen. Am Ende stand ein Ergebnis, das in seiner Klarheit fast schmeichelhaft für die Gäste war. Drei Tore, kein Gegentor, eine Mannschaft, die mit Spielfreude und Tempo glänzte. "Ich bin einfach stolz", sagte Trainer Jan Beyer nach dem Abpfiff. "Wir haben gezeigt, dass Talent keine Frage des Alters ist." Und während die Spieler noch Selfies mit den Fans machten, klang aus der Kabine lautes Gelächter. Man munkelt, Beyer habe seinen Jungs ein Pizza-Buffet versprochen, sollte die Null stehen bleiben. Wenn das stimmt, wird der Pizzabäcker von Rodengo Saiano wohl Überstunden gemacht haben. Ein Viertelfinale, das Lust auf mehr macht - und eine Mannschaft, die plötzlich träumt. Vom Halbfinale. Vom Pokal. Vielleicht sogar davon, dass man in ein paar Jahren noch über diesen Abend spricht, an dem Rodengo Saiano den großen Favoriten einfach weggespielt hat. 02.06.643993 08:15 |
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