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Wenn ein Spiel 45 Minuten lang wie ein zäher Kaugummi wirkt und danach zur Oper der Offensivfreude mutiert, dann war vermutlich Rodengo Saiano im Spiel. Am 7. Spieltag der 3. Liga Italien (1. Div) verwandelte die Elf von Trainer Jan Beyer eine lange Geduldsprobe in ein Fest der Effizienz - und schlug Lavagnese vor 8 827 Zuschauern mit 4:0. Die erste Halbzeit? Ein Lehrfilm in "Wie man alles versucht und doch nichts trifft". Ganze 21 Torschüsse feuerten die Gastgeber im Laufe des Abends ab, doch bis zur Pause blieb es beim torlosen Gleichstand. Lavagnese durfte sich glücklich schätzen, dass der Ballbesitz mit 47 Prozent die Illusion von Ausgeglichenheit vermittelte. In Wahrheit war es eine einseitige Angelegenheit - ein Angriffsfeuerwerk, bei dem nur das Feuer fehlte. "Ich habe in der Kabine gesagt: Wenn wir den Ball weiter so behandeln, als wäre er ein rohes Ei, dann bleibt’s beim Nullnull", grinste Jan Beyer später. Die Ansprache wirkte. Nur vier Minuten nach Wiederanpfiff brach Domenico Roggiano den Bann. Der 20-Jährige drosch den Ball nach Vorarbeit von Luca Cariati aus gut 20 Metern unter die Latte - ein Treffer, der so präzise war, dass selbst der Linienrichter kurz Beifall klatschen wollte, sich dann aber an seine Neutralität erinnerte. Ab da nahm die Partie Fahrt auf. Lavagnese, bis dahin mit einem einzigen Torschuss (ja, wirklich: einer!), verlor zunehmend die Ordnung. Nach Gelben Karten für Beretta, Santa und Felix wirkte das Team mehr wie eine schlecht gelaunte Theatertruppe als wie eine zusammenhängende Mannschaft. Trainer Jan Beyer kommentierte das trocken: "Manchmal ist der Gegner einfach so nett, dass man gar nicht weiß, womit man sich zuerst bedanken soll." In der 82. Minute war es dann Vincenzo Cerutti, der das 2:0 erzielte - wieder nach einer Vorlage von Cariati. Cerutti, 20 Jahre jung, grinste nach Abpfiff: "Ich wollte eigentlich flanken, aber der Ball hatte wohl andere Pläne." Die Fans nahmen’s dankbar an und sangen seinen Namen, während der eingewechselte Daniel Marittima auf der Bank rhythmisch Beifall klatschte, als wäre er der Dirigent einer besonders enthusiastischen Kurve. Doch Rodengo Saiano hatte noch nicht genug. In der 90. Minute krönte Alessandro Vegliaturo seine unermüdliche Laufarbeit mit dem 3:0. Nach Pass von Lorenzo Montegiordano zog der Linksaußen aus spitzem Winkel ab - und der Ball zappelte im Netz. Montegiordano selbst hatte kurz zuvor Gelb gesehen, was ihn offensichtlich eher beflügelte als bremste. "Ich dachte, wenn ich schon auf dem Zettel des Schiedsrichters stehe, dann wenigstens auch auf dem Spielberichtsbogen als Vorlagengeber", lachte er danach. Und weil es das Publikum so schön fand, legte Luca Cariati in der Nachspielzeit noch das 4:0 drauf. Nach Bianchi-Zuspiel tanzte der 21-Jährige durch die müden Abwehrbeine der Gäste und schob lässig ein. Der Jubel war ohrenbetäubend - und Lavagnese sehnte nur noch den Abpfiff herbei. Die Statistik des Abends sprach Bände: 21:1 Torschüsse, 59 Prozent gewonnene Zweikämpfe für Rodengo Saiano, dazu ein Ballbesitzverhältnis von 52 zu 48 Prozent - und eine Lavagnese-Abwehr, die spätestens nach dem dritten Tor kollektiv in den Urlaubsmodus wechselte. Der Gästetrainer, sichtlich bemüht, Haltung zu bewahren, murmelte in die Mikrofone: "Wir haben uns an unseren Plan gehalten - nur leider war der Plan nicht sehr gut." Vermutlich die ehrlichste Analyse des Abends. Zum Schluss noch ein kleines Detail am Rande: Bereits zur Pause hatte Beyer den 34-jährigen Keeper Niccolò Argusto durch den 19-jährigen Igor Zunino ersetzt. Auf die Frage, warum er das Risiko eingegangen sei, antwortete der Trainer trocken: "Weil Igor in der Halbzeit nicht mehr stillsitzen konnte. Und weil ich Vertrauen in meine Jungs habe - auch in die, die noch Pickel haben." So endete ein Abend, der als Triumph der Jugend in die Vereinschronik eingehen dürfte. Vier Torschützen unter 25 Jahren, ein Trainer mit Humor und ein Publikum, das den Frust der ersten Halbzeit mit einem donnernden Jubelkonzert wegpustete. Fazit: Rodengo Saiano hat nicht nur Lavagnese besiegt, sondern auch die eigene Ungeduld. Oder, wie es Torschütze Roggiano formulierte: "Manchmal muss man eben 45 Minuten warten, bis der Espresso wirkt." Und an diesem Abend war der Kaffee besonders stark. 20.01.643994 01:46 |
Sprücheklopfer
Wie immer, wenn man Koffer packt, ist das alles nicht so spaßig, Hemden zusammen legen oder Hosen. Vor allem, wenn die eigene Frau nicht dabei ist.
Rudi Völler