Tuttosport
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Rodengo Saiano dreht das Spiel: Cerutti glänzt doppelt beim 3:1 in Sarzana

Ein Montagabend im März, Flutlicht über Sarzana, 10.496 Zuschauer im kleinen Stadio Comunale - und ein Spiel, das zunächst ganz anders aussah, als es endete. Sarzanese begann wie ein Wirbelwind, Rodengo Saiano ging unter - zumindest für drei Minuten. Dann zeigte der Fußball wieder einmal seine bekannte Liebe zu plötzlichen Wendungen.

Denn kaum hatte der Stadionsprecher den Anstoß verkündet, war der Ball auch schon im Netz: In der 3. Minute schickte Cesc Bermudez seinen Teamkollegen Jose Enrique Prieto auf die Reise. Der 34-jährige Routinier, sonst eher bekannt für kunstvolle Flanken als für eiskalte Abschlüsse, schob überlegt ins lange Eck - 1:0. Die Fans tobten, Trainer Paolo Mancini (Sarzanese) brüllte "So will ich das sehen!", und die Tribüne vibrierte. Man wähnte sich auf dem Weg zu einem gemütlichen Heimsieg.

Doch Rodengo Saiano, gecoacht vom kühlen Taktiker Jan Beyer, hatte anderes vor. "Wir waren gar nicht richtig wach", sagte Beyer später mit einem Lächeln, das irgendwo zwischen Ironie und Zufriedenheit rang. "Aber dann hat Vincenzo beschlossen, dass wir anfangen dürfen mitzuspielen." Gemeint war Vincenzo Cerutti, 19 Jahre jung, Mittelstürmer mit dem Selbstbewusstsein eines alten Hasen. In der 31. Minute nutzte er einen präzisen Pass von Giacomo Morabito, drehte sich elegant um seinen Gegenspieler und schob zum Ausgleich ein. 1:1 - und plötzlich war das Spiel ein anderes.

Sarzanese hatte mit 52 Prozent Ballbesitz zwar etwas mehr vom Spiel, doch Rodengo Saiano war gefährlicher: 15 Torschüsse zu 6 sprechen eine deutliche Sprache. Besonders über die rechte Seite mit Emanuele Soverato und Davide Castello rollten immer wieder Angriffe, die Sarzanese kaum verteidigen konnte.

Nach der Pause kam dann der Moment des Giacomo Morabito. In der 49. Minute zirkelte der Mittelfeldmotor einen Ball von Luca Cariati humorlos ins Netz. "Ich wollte eigentlich flanken", grinste Morabito nach dem Spiel, "aber dann dachte ich mir: Warum nicht mal aufs Tor?" Ein Schuss wie eine Unverschämtheit - und plötzlich führte Rodengo Saiano 2:1.

Sarzanese wirkte geschockt, die Fans verstummten. Nur Trainer Mancini war noch laut - allerdings nicht in der Form, die seine Spieler motivieren dürfte. "Wenn ihr so weiterlauft, schicke ich meine Großmutter rein!", soll er während einer Trinkpause gebrüllt haben. Großmutter Mancini blieb zum Glück auf der Tribüne, doch wirklich besser wurde es für die Hausherren nicht.

In der 66. Minute setzte Cerutti den Schlusspunkt. Nach einem Konter, wie er im Lehrbuch steht - Soverato nach vorn, Pass in die Tiefe, Cerutti läuft ein - schob der Teenager cool zum 3:1 ein. Doppeltorschütze, Matchwinner, Publikumsschreck. "Ich hab einfach Spaß gehabt", sagte er nach dem Spiel schüchtern, während seine Teamkollegen ihn in der Kabine mit Wasser übergossen.

Sarzanese versuchte in der Schlussphase noch einmal Druck zu machen. Bermudez prüfte Keeper Niccolò Argusto in der 60. Minute, Crosia donnerte kurz vor der Pause einen Ball knapp über die Latte, und in der Nachspielzeit durfte sogar Rechtsverteidiger Loris Moffa mal draufhalten - doch an diesem Abend wollte nichts mehr gelingen.

Die gelbe Karte für Crosia in der 76. Minute passte schließlich perfekt ins Bild: viel Einsatz, wenig Ertrag. "Wir haben den Faden verloren", gab Kapitän Davide Simone hinterher zu. "Nach dem 1:2 war irgendwie die Luft raus."

Rodengo Saiano dagegen spielte die Partie souverän zu Ende, ließ Ball und Gegner laufen und brachte sogar noch zwei 17-Jährige: Massimiliano Pentone und Valerio Rinaldi. Jugend forscht, könnte man sagen - und Coach Beyer nickte zufrieden: "Wenn du in Sarzana gewinnst, dann darfst du sie auch mal schnuppern lassen."

Am Ende stand ein 3:1 für Rodengo Saiano - verdient, abgeklärt und mit einem Hauch jugendlicher Frechheit. Sarzanese dagegen wird sich fragen, wie man ein Spiel, das man so furios beginnt, so sang- und klanglos aus der Hand geben kann.

Vielleicht lag es daran, dass man nach drei Minuten glaubte, das Werk sei schon getan. Vielleicht auch daran, dass Vincenzo Cerutti schlicht keinen Respekt vor großen Namen hat.

Und so verließen die Fans das Stadion mit gemischten Gefühlen: Enttäuschung auf der einen, staunende Bewunderung auf der anderen Seite. Der junge Cerutti winkte noch einmal in die Kurve - als hätte er gerade das Selbstverständliche getan.

Schlusswort? Vielleicht dieses: Fußball bleibt der schönste Unsinn der Welt - vor allem, wenn ein 19-Jähriger ihn so ernst nimmt.

02.06.643993 12:33
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