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Ein kalter Januarabend, Flutlicht über dem Stadion von Lodz, 32.000 Zuschauer, die sich warm klatschen - und zwei Teams, die sich nichts schenken wollten. Am 18. Spieltag der 1. Liga Polen trennten sich Widsev Lodz und SK Pruszkow mit 1:1. Ein Ergebnis, das beiden irgendwie nicht schmeckt und doch beiden irgendwie passt. Schon nach drei Minuten wurde klar, dass es kein filigranes Ballett werden würde: Lodz-Verteidiger Marcio Varela sah früh Gelb, eine Art Vorwarnung für den Rest seines Abends. "Ich wollte nur zeigen, dass wir da sind", erklärte er später mit einem Achselzucken, als wäre Fußball ein höflicher Begrüßungsritus mit Stollen. Pruszkow übernahm zunächst die Kontrolle. Mehr Ballbesitz, mehr Schüsse, mehr Zug nach vorn - und schließlich auch das erste Tor. In der 22. Minute setzte sich Amadeus Kowalik auf rechts durch, bekam den Ball von Grzegorz Chalaskiewicz in den Lauf und schob überlegt zum 0:1 ein. Ein blitzsauberes Tor, das in seiner Schlichtheit fast britisch wirkte. "Ich habe einfach getroffen. Das passiert nicht jeden Tag", grinste Kowalik hinterher und fügte trocken hinzu: "Vor allem nicht gegen Lodz." Das Publikum murrte, aber Widsev Lodz antwortete - und zwar mit Stil. In der 37. Minute legte Avraham Pines-Paz von der rechten Seite auf den erfahrenen Finlay Long ab, der mit stoischer Ruhe zum 1:1 einschob. Ein Treffer aus dem Nichts, aber mit maximaler Wirkung. Long riss die Arme hoch, das Stadion erwachte. "Ich dachte, der Ball sei zu weit", sagte Long später lachend. "Aber dann fiel er mir direkt vor die Füße. Da wäre selbst mein Onkel getroffen - und der spielt Golf." Die erste Halbzeit endete mit diesem gerechten Unentschieden, doch in den Zahlen zeichnete sich ein anderes Bild ab: Pruszkow hatte satte zehn Torschüsse, Lodz nur zwei. Auch beim Ballbesitz lagen die Gäste leicht vorn (51 zu 49 Prozent). Und doch stand es eben 1:1 - Fußball, dieser alte Lausbub. In Hälfte zwei wurde es ruppiger. Lodz blieb offensiv eingestellt, aber unpräzise. Pruszkow drückte, doch die Chancen verpufften, teils wegen des starken Torwarts Carlos Conceicao, teils wegen schlichter Ungenauigkeit. In der 54. Minute griff Schiedsrichter Nowak erneut zum Gelben Karton - diesmal traf es Eyjolfur Afzelius, der wohl vergessen hatte, dass Grätschen kein olympischer Kampfsport ist. Wenig später folgte die Szene, über die am Tresen noch diskutiert werden dürfte: In der 76. Minute sah Marcio Varela nach einem taktischen Foul die Ampelkarte. Zwei Gelbe, ein Abgang. Lodz also zu zehnt - und plötzlich wurde aus der Offensive der Gastgeber eine Verteidigungsübung. Trainer (dessen Name man in Lodz wahrscheinlich gerade nicht laut aussprechen möchte) fuchtelte wild an der Seitenlinie, um Ordnung ins Chaos zu bringen. "Marcio hat das Spiel gespürt - vielleicht zu sehr", murmelte er nach der Partie mit einem nervösen Lächeln. Pruszkow witterte die Chance, doch selbst in Überzahl wollte der Ball nicht mehr ins Netz. Kowalik versuchte es in der 84. Minute, Jerzy Zurawski in der 90., aber immer wieder war Conceicao da oder das Zielwasser verdunstet. Trainer Stefan Petruck schüttelte nach Abpfiff den Kopf: "Wir hätten zehn Minuten länger spielen können, und Lodz hätte sich trotzdem irgendwie dazwischengeworfen. Ich muss meinen Jungs trotzdem ein Kompliment machen - aber ein 1:1 fühlt sich heute wie ein verlorenes Spiel an." Die Statistik untermauerte Petrucks Frust: zehn Torschüsse zu zwei, bessere Zweikampfquote (56 Prozent), mehr Ballbesitz - und trotzdem nur ein Punkt. Lodz dagegen feierte das Remis fast wie einen Sieg. "Wir haben gekämpft, gebissen, uns reingeworfen", sagte Torschütze Long. "Und am Ende haben wir sogar zu zehnt das 1:1 gehalten. Das ist mehr wert als ein 3:0 gegen ein schwaches Team." Im Stadion wurden nach dem Abpfiff noch Schals geschwenkt und letzte Glühweine geleert. Die Fans von Lodz sangen, als hätte ihr Team gerade die Liga gewonnen. Vielleicht, weil sie wissen: In solchen Spielen zeigt sich Charakter. Oder, um es mit dem humorvollen Torhüter Conceicao zu sagen: "Manchmal ist ein Punkt wie ein warmer Pullover - er sieht nicht schön aus, aber er hält dich durch den Winter." Und so ging ein frostiger Abend in Lodz zu Ende - mit einer roten Karte, zwei Toren, zehn verpassten Chancen und einem Gefühl, das irgendwo zwischen Erleichterung und Ärger pendelte. Ein gerechtes 1:1, das keiner wollte und doch alle verdient hatten. Schlusswort? Vielleicht dieses: Wer 90 Minuten lang kämpft, lacht und flucht, darf sich am Ende über einen Punkt freuen - selbst wenn er ihn kaum berührt hat. 24.08.643987 18:43 |
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