La Hora
+++ Sportzeitung für Ecuador +++

Remis mit Herzklopfen - Cuencas Teenager retten einen Punkt gegen Nacional

Ein lauer Januarabend in Cuenca, 32.964 Zuschauer im Stadion, und doch war es kein gemütlicher Sonntagsspaziergang: Expreso Cuenca und der FC Nacional trennten sich am 24. Spieltag der 1. Liga Ecuador mit 1:1 (0:1) - ein Ergebnis, das nüchtern klingt, aber an Dramatik kaum zu überbieten war.

Die Gäste aus Quito starteten wie aus der Pistole geschossen. Schon in der 4. Minute prüfte Luís Ramos den Cuenca-Keeper Marcel Janas, der mit 17 Jahren gerade einmal alt genug ist, um den Bus zur Schule allein zu nehmen. Trainer Dierk Nordi hatte auf jugendliche Frische gesetzt - und bekam in den ersten 20 Minuten prompt graue Haare. Nacional drängte, kombinierte, und in der 14. Minute war es dann soweit: Mike Nickel, der 28-jährige Dauerläufer auf der rechten Außenbahn, traf nach flacher Hereingabe von Nelson Dominguez zum 0:1. Der Ball zischte so trocken in die Ecke, dass selbst die Ultras auf der Gegengeraden kurz beeindruckt schwiegen.

"Wir haben Cuenca da erwischt, wo sie noch ihre Schulhefte sortiert haben", grinste FCN-Trainer Maximilian Uhde nach dem Spiel mit einem Anflug von Stolz. Und tatsächlich: Expreso Cuenca wirkte in der ersten Halbzeit wie ein Jugendcamp, das plötzlich gegen Männer antreten muss.

Doch das junge Team fing sich. Filipe da Costa und Andrej Brezinsky versuchten, das Mittelfeld zu ordnen, während der 18-jährige Ingo Carracedo vorne um jeden Ball kämpfte, als hinge seine Fahrprüfung davon ab. Cuenca hatte mit 52 Prozent Ballbesitz und elf Torschüssen am Ende sogar leichte Vorteile, doch Nationales Kaltschnäuzigkeit stand dem gegenüber: acht Abschlüsse, einer drin.

"Ich hab den Jungs in der Pause gesagt: Wenn ihr schon Fehler macht, dann wenigstens mit Stil!", verriet Trainer Nordi später mit einem Schmunzeln. Und offenbar hatten sie zugehört, denn nach dem Seitenwechsel zeigte Cuenca plötzlich Mut, Tempo - und Witz.

In der 55. Minute donnerte der linke Verteidiger Pedro Fernandes den Ball aus 25 Metern knapp über die Latte, was den Gästetorwart Kai Baker zu einem lautstarken Fluch veranlasste, der selbst auf der Haupttribüne zu hören war. Nachwuchsspieler Sergio Rueda holte sich in der 67. Minute die obligatorische Gelbe Karte ab - "Ich wollte nur zeigen, dass ich auch da bin", erklärte er später lachend - und leitete damit ungewollt die entscheidende Szene ein.

Sechs Minuten später, in der 73. Minute, war Cuenca zurück im Spiel. Nach einem schnellen Vorstoß über rechts flankte Ingo Carracedo scharf in den Strafraum, wo der 17-jährige Rechtsverteidiger Jose Maria Estevez den Ball volley nahm - 1:1! Stadionbeben in Cuenca, Jubeltrauben, Teenager auf den Schultern ihrer Mitspieler. "Ich hab einfach draufgehauen", stammelte Estevez nach Abpfiff, "und dann war alles weiß vor Augen."

Das Tor setzte Energien frei. Die letzten zwanzig Minuten waren ein Rausch aus Chancen und Chaos: Carracedo schoss in der 82. Minute knapp vorbei, Ivan Muzek (ebenfalls 17 - man glaubt es kaum) prüfte Nacional-Keeper Baker in der 83. und 93. Minute gleich doppelt. Die Gäste verteidigten mit allen Mitteln, manchmal auch mit beiden Händen, was Schiedsrichter Morales zu übersehen schien.

"Das war kein Kinderfußball, das war Charakterfußball", sagte Coach Nordi später in die Kameras und klopfte seinem jungen Team auf die Schultern. Kollege Uhde sah das naturgemäß anders: "Wir hatten das Spiel im Griff, bis Cuenca anfing, frech zu werden."

Am Ende blieb es beim gerechten 1:1. Statistisch war Cuenca leicht überlegen, kämpferisch sowieso. Und wenn man ehrlich ist, fühlte sich das Unentschieden für die Gastgeber fast wie ein Sieg an.

"Wir sind jung, wir machen Fehler, aber wir haben Herz", resümierte Kapitän da Costa, während hinter ihm die Fans noch immer "Vamos Expreso!" brüllten.

Die Moral dieses Abends? Erfahrung ist gut, jugendlicher Wahnsinn manchmal besser. Cuenca hat beides gezeigt - und sich mit Mut, Witz und einer Portion jugendlicher Naivität einen Punkt erarbeitet, der mehr wert ist als jeder Tabellenplatz.

Und irgendwo in der Kabine summte Keeper Janas leise vor sich hin: "Ein Punkt ist ein Punkt" - vielleicht das neue Vereinsmotto für die zweite Saisonhälfte.

23.10.643987 22:48
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