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Remis mit Drama - Retz und Kottingbrunn teilen sich die Punkte

In Retz war an diesem frostigen Januarabend alles angerichtet für einen dieser Fußballabende, die man so schnell nicht vergisst. 32.000 Zuschauer drängten sich im Stadion, als Schiedsrichter Kern um 20:30 Uhr den 12. Spieltag der 1. Liga Österreich anpfiff. Und sie wurden nicht enttäuscht - na ja, zumindest, wenn man auf Dramatik und Krampf steht.

Retz begann, wie man eine Mannschaft kennt, die von Trainer Holger Thonke auf Angriff gepolt ist: mit offenem Visier, breiter Brust und leicht überdreht. Schon in der 2. Minute prüfte Bernt Becker die Reflexe von Kottingbrunn-Keeper Pol Moutinho - der Portugiese klärte mit einer Hand, als wolle er sagen: "Nicht mit mir, mein Freund." Doch fünf Minuten später war er machtlos. Carlos Ze Castro, der flinke Linksaußen der Retzer, nahm einen Pass von Robert Sebo auf, ließ zwei Verteidiger stehen und schob den Ball eiskalt ins lange Eck. 1:0 - und das Stadion bebte.

"Ich dachte, der Ball sei schon draußen, aber Carlos hat’s einfach gemacht", grinste Thonke später, als er den Kragen seiner Daunenjacke hochzog. "So was trainierst du nicht - das ist Instinkt und ein bisschen Wahnsinn."

Kottingbrunns Coach Michael Goldfinger dagegen kaute an seiner Kappe. Sein Team wirkte zunächst überfordert mit dem aggressiven Anlaufen der Hausherren. Doch nach einer halben Stunde kippte das Spiel. Der verletzungsbedingte Ausfall von Alf Lindstrom (29.) brachte Unruhe in die Retzer Defensive. Robert Bortolotti kam für ihn, und kaum war der Wechsel abgeschlossen, klingelte es im Kasten - allerdings auf der falschen Seite.

In der 35. Minute nutzte Georgi Berbatow - nicht verwandt, aber offensichtlich fußballverwandt mit jenem eleganten Bulgaren aus alten Tagen - einen Fehler im Aufbau. Nach Vorarbeit von Robert Nolan traf er aus spitzem Winkel zum 1:1. "Ich hab einfach draufgehalten", sagte Berbatow später mit einem Grinsen, "und gehofft, dass der Ball Pols Cousin nicht trifft." Ein Scherz, der sogar Torhüter Moutinho zum Lachen brachte.

Danach entwickelte sich ein Spiel, das weniger durch kunstvolle Kombinationen als durch pure Willenskraft glänzte. Retz hatte mit 12 Torschüssen doppelt so viele Abschlüsse wie die Gäste, doch oft fehlte die Präzision. Luis Fuhrmann prüfte Moutinho gleich dreimal (22., 73., 82.), Josef Bischara setzte zwei Schüsse knapp vorbei. Der Ballbesitz sprach leicht für Kottingbrunn (53:47 Prozent), aber die besseren Chancen gehörten den Hausherren.

Die zweite Halbzeit begann mit einem offenen Schlagabtausch, der sich bald in einen zähen Ringkampf verwandelte. Goldfingers Elf blieb ihrer Linie treu - "balanciert" aufgestellt, mit Kontern als Waffe. Retz dagegen blieb offensiv, fast trotzig. "Wir wollten das Tor erzwingen", erklärte Thonke, "aber manchmal erzwingst du nur Frust."

In der 78. Minute sah Berbatow Gelb, nachdem er Bortolotti etwas zu herzlich an der Seitenauslinie begrüßte. Kurz vor Schluss revanchierte sich jener Bortolotti mit einer rustikalen Grätsche - Gelb auch für ihn. Die Fans auf den Rängen quittierten das mit einem vielstimmigen "Ooooh", das irgendwo zwischen Empörung und Begeisterung lag.

Die Schlussphase? Ein einziges Beben. Retz warf alles nach vorn, selbst Keeper Burhan Karaca schien kurz über einen Ausflug in den gegnerischen Strafraum nachzudenken. In der 88. Minute hatte Fuhrmann den Sieg auf dem Fuß, doch Moutinho hechtete wie eine Katze und lenkte den Ball um den Pfosten. Goldfinger sprang an der Seitenlinie auf, riss die Arme hoch und brüllte: "Hab ich doch gesagt, Pol hält uns im Spiel!"

Nach 90 Minuten pfiff Kern ab. 1:1 - ein Ergebnis, das keiner so richtig wollte und beide irgendwie verdienten. "Wenn du so viele Chancen hast, musst du gewinnen", knurrte Ze Castro, während er sich den Schweiß aus den Augen wischte. Berbatow hingegen nahm’s sportlich: "Ein Punkt in Retz ist wie ein warmer Tee - tut gut, aber macht dich nicht satt."

Statistisch blieb Retz vorne: mehr Schüsse, bessere Zweikampfquote (52,5 zu 47,5 Prozent), mehr Mut. Kottingbrunn dagegen zeigte, warum man sie nie abschreiben darf - diszipliniert, abwartend, gefährlich in Momenten, in denen andere schon an den Pausentee denken.

Und so trennten sich zwei Mannschaften, die an diesem Abend vieles richtig machten, aber das Entscheidende verpassten: den Ball ein zweites Mal ins Netz zu bringen. Vielleicht lag’s am Rasen, vielleicht an den Nerven, vielleicht einfach an der Fußballgöttin, die an diesem Abend offenbar auf ein Unentschieden gewettet hatte.

Ein Zuschauer brachte es beim Hinausgehen auf den Punkt: "War kein Sieg - aber immerhin warm ums Herz." Und das, an einem Januartag in Retz, zählt fast wie drei Punkte.

26.05.643987 11:22
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