Anpfiff
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Reichenbach tanzt Linx schwindlig - ein 3:0 mit Ansage

An einem kühlen Märzmorgen, 20:15 Uhr, Flutlicht an, 10.717 Zuschauer im Stadion - und der TSV Reichenbach spielt Fußball, als hätte er monatelang auf genau diesen Abend gewartet. Der SV Linx dagegen wirkte, als habe man ihn zu einem Tanzabend eingeladen, aber vergessen, die Musikrichtung zu verraten. Am Ende stand ein klares 3:0 für Reichenbach - und das war noch das Gütigste, was passieren konnte.

Schon in den ersten Minuten rollte Angriff um Angriff auf das Tor von Oscar Haase, dem Linxer Keeper, der sich vermutlich fragte, warum seine Vorderleute offenbar beschlossen hatten, ihm heute ein Sondertraining zu spendieren. 22 Torschüsse feuerten die Reichenbacher insgesamt ab - Linx kam auf zwei. "Ich hab irgendwann aufgehört zu zählen", grinste Reichenbachs Trainer Lutz Köhler nach dem Spiel, "aber unsere Jungs hatten sichtlich Spaß am Zielen."

Der erste Jubel kam in der 28. Minute: Rhys Kendall, der flinke Rechtsaußen, nahm einen Pass von Angelo Torre di Ruggiero auf, ließ einen Verteidiger ins Leere rutschen und drosch den Ball humorlos ins lange Eck. 1:0 - verdient, eindeutig, fast überfällig. Der anschließende Sprint Kendalls zur Eckfahne war schneller als alles, was Linx bis dahin nach vorne gebracht hatte. "Ich hab nur gedacht: endlich!", keuchte Kendall später. "Angelo hat den Ball perfekt durchgesteckt. Ich musste nur noch... naja, alles selbst machen", fügte er mit einem Augenzwinkern hinzu.

Kurz darauf sah derselbe Angelo Gelb, weil er offenbar zu leidenschaftlich verteidigte - was Trainer Köhler nach eigenem Bekunden "als Liebeserklärung an den Beruf" wertete. Linx hingegen kam kaum über die Mittellinie, und wenn doch, dann eher zufällig. Ein Schuss von Detlev Miller in der 51. Minute war das erste Lebenszeichen - und das letzte, das Reichenbachs Keeper Samuel Keane überhaupt prüfen musste.

Nach der Pause versuchte Linx zaghaft, das Spiel zu öffnen, doch Reichenbach nutzte die Räume eiskalt. In der 64. Minute schickte der junge Vitorino Makukula seinen Stürmerkollegen Sergio Arino steil. Der Spanier blieb cool, schob den Ball flach ins Eck - 2:0. Köhler klatschte an der Seitenlinie nur kurz, als wollte er sagen: "Genau so haben wir das im Training gestern fünfmal geübt."

Drei Minuten später folgte das, was man getrost als den Deckel bezeichnen darf: Goran Mikulic, der Routinier auf der linken Seite, bekam nach feinem Pass von Ramon Alves den Ball und drosch ihn unter die Latte - 3:0, Spiel vorbei. Linx-Trainer Michal Dickschat schüttelte fassungslos den Kopf und murmelte später: "Wir haben versucht, die Mitte dichtzumachen. Leider war das Spielfeld auch an den Seiten offen."

Köhler wechselte munter durch, brachte den jungen Brynjar Gottskalksson, der prompt Gelb sah, weil er beim ersten Zweikampf etwas zu nordisch in die Sache ging. "Alles im Rahmen", meinte der Trainer trocken. Weniger glimpflich verlief das Ende für den jungen Jacques Blanchard, der sich in der Nachspielzeit verletzte - die Diagnose stand beim Abpfiff noch aus.

Reichenbach spielte die Partie souverän zu Ende, als sei das 3:0 ein Ergebnis, das man in die Vereinschronik meißeln möchte. Und vielleicht gehört es da auch hin: 51,7 Prozent Ballbesitz, fast 60 Prozent gewonnene Zweikämpfe, und eine Spielfreude, die man in dieser Liga nicht jeden Tag sieht.

Michal Dickschat, der Linxer Coach, versuchte es nach dem Spiel mit Galgenhumor: "Wir haben uns vorgenommen, keine vier Tore zu kassieren. Das hat immerhin geklappt." Sein Torwart Oscar Haase nickte neben ihm stumm und wirkte, als wolle er noch heute Abend irgendwo ganz weit weg an den Strand fahren.

Lutz Köhler dagegen hatte sichtlich Spaß an der Pressekonferenz: "Ich sag’s mal so - wenn du 22 Mal aufs Tor schießt, darfst du auch drei Mal treffen. Und wenn du’s nicht tust, schimpft der Reporter. Also bin ich heute ganz zufrieden."

Ein Reporter fragte, ob das Team jetzt an den Aufstieg denke. Köhler lächelte verschmitzt: "Ich denke an das nächste Training. Und daran, dass Rhys Kendall vielleicht mal wieder das Bier für die Kabine zahlt."

So endete ein Abend, an dem Reichenbach zeigte, wie moderner Regionalliga-Fußball aussehen kann: schnell, spielfreudig, mit Witz - und einer Spur Übermut. Linx dagegen reiste mit der Erkenntnis ab, dass man manchmal einfach der Statist in einer fremden Gala ist.

Und während die Fans beim Abpfiff sangen und die Mannschaft Ehrenrunden drehte, konnte man sich des Eindrucks nicht erwehren: TSV Reichenbach hat an diesem Abend nicht nur drei Punkte gewonnen, sondern auch ein bisschen Stilbewusstsein. Linx hingegen? Vielleicht immerhin Erfahrung. Manche sagen ja, die sei unbezahlbar.

03.09.643993 01:08
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Der Dieter Hoeneß hat die Glatze noch ganz nass gehabt. Da geht es um 30 bis 35 Millionen. Das ist Monopoly original.
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