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Es war einer jener Abende an der Anfield Road, an denen man das Gefühl hat, der Rasen glühe leicht. 40.975 Zuschauer drängten sich am Dienstagabend in die Tribünen, um zu sehen, wie die "Liverpool Reds" die "Nottingham Magpies" mit einem furiosen 4:2-Sieg in ihre Einzelteile zerlegten - zumindest für eine Halbzeit. Danach wurde es kurz dramatisch, bevor Routine und ein alter Fuchs namens Giulio Lorusso die Sache entschieden. Trainer Kurt Kaiser stand noch vor dem Anpfiff mit einem schelmischen Grinsen an der Seitenlinie. "Heute wollen wir fliegen, nicht laufen", sagte er, als hätte er eine Vorahnung. Und tatsächlich: Seine Offensivmaschinerie hob nach 19 Minuten ab. Ein präziser Pass von Matthias Van Hoost landete bei Lucas Ward, der 21-jährige Mittelstürmer, der aussieht wie ein Schüler, aber schießt wie ein Veteran. 1:0 - und die Magpies flatterten nervös. Nur sechs Minuten später schickte Janos Zele mit einem butterweichen Steilpass Robert Warriner auf die Reise. Der sprintete, schaute kurz, und drosch den Ball ins rechte Eck. 2:0. Nottingham-Keeper Lewis Dubois sah dabei aus, als hätte er kurz überlegt, ob er lieber einen Tee trinken sollte. Und als die Magpies noch ihre Abwehr sortieren wollten, passierte das Unfassbare: Linksverteidiger Pedro Meireles, eigentlich kein Mann für die Schlagzeilen, zog aus 20 Metern ab - 3:0 nach 26 Minuten. Der Jubel war so laut, dass ein Fan in der dritten Reihe seine Brille verlor. "Ich wollte eigentlich flanken", gestand Meireles später lachend, "aber der Ball hatte andere Pläne." Zur Pause wirkte Nottingham wie ein Boxer nach drei Niederschlägen. Dennoch wechselte Trainer Christoffer Reedtz zur zweiten Halbzeit den jungen Vicente Sa Pint ein, um die linke Seite zu stabilisieren. Und siehe da: Die Magpies flatterten plötzlich wieder mit Haltung. Alfie Farnsworth traf in der 47. Minute nach feinem Zuspiel von Rafael Amir zum 3:1. Reedtz schrie von der Bank: "Jetzt sind wir da!" - und tatsächlich, zehn Minuten später legte Matthew Cabell nach, nach Vorarbeit von Matthew Barthez. 3:2! Anfield wurde kurz still, Kaiser rieb sich die Stirn. "Ich hab kurz überlegt, ob ich die Jungs an die Leine nehmen muss", witzelte er später. Doch dann kam Giulio Lorusso. Der 32-jährige Italiener, gerade erst eingewechselt, schnappte sich in der 68. Minute einen Pass von Zele, drehte sich elegant - 4:2. Ein Tor, das so reif war, dass man fast hörte, wie es "Signore" sagte. "Ich wollte zeigen, dass alte Stürmer auch noch wissen, wo das Tor steht", grinste Lorusso nach Abpfiff - und das Publikum feierte ihn mit stehenden Ovationen. Statistisch war es ein erstaunlich ausgeglichenes Spiel: 14 Torschüsse der Reds, 13 der Magpies, Ballbesitz fast pari mit 48,5 zu 51,5 Prozent. Doch wer dabei war, spürte: Die Zahlen erzählen nicht die ganze Geschichte. Liverpool hatte das Feuer, Nottingham den Schweiß. Ein kleiner Zwischenfall sorgte für Aufsehen: In der 13. Minute sah Ashton Young Gelb, nachdem er meinte, man könne Jay Darabont per Schultercheck aus dem Spiel nehmen. "Da war mehr Theatralik als Kontakt", grinste Kaiser, "aber gut, Gelb steht ihm." Die zweite Halbzeit war ein wilder Ritt. Nottingham riskierte alles, spielte offensiv, aber ohne Pressing - fast höflich. Liverpool blieb seiner Linie treu: offensiv, aber kontrolliert. In der 87. Minute durfte dann auch noch Roberto Marquez ran, der junge Flügelflitzer mit dem Dauerlächeln. "Der Trainer sagte, ich solle einfach Spaß haben. Also hab ich gelacht - und bin gerannt", erzählte er nachher, während er mit Fans Selfies machte. Als Schiedsrichter O’Connell endlich abpfiff, war die Erleichterung bei den Reds groß. Kaiser umarmte jeden Spieler einzeln, Reedtz dagegen verschwand schweigend im Tunnel. "Wir haben die erste Halbzeit verschlafen und dann zu spät den Wecker gehört", murmelte er später in die Mikrofone. Fazit: Ein Spiel mit zwei Gesichtern - Liverpool brillant vor der Pause, Nottingham mit stolzer Reaktion danach. Die Zuschauer bekamen Tore, Tempo und ein bisschen Theater. Und die Reds? Sie bleiben im Rennen um die Spitzenplätze. "Wenn wir so weitermachen", sagte Kaiser mit einem Augenzwinkern, "dann braucht die Liga bald Sauerstoffzelte." Ein Abend, der nach Fußball roch - nach Gras, Schweiß und Sieg. Und nach dem Gefühl, dass dieser Sport manchmal die beste Unterhaltung der Welt ist. 27.08.643987 00:59 |
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