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Es war einer dieser Abende an der Anfield Road, an denen die Luft schon vor dem Anpfiff vibrierte. 46.272 Zuschauer sangen sich die Stimmbänder wund, als die Liverpool Reds und die Manchester Devils zum 12. Spieltag der 1. Liga England aufliefen. Und das, was folgte, war ein Spiel, das alle Facetten des englischen Fußballs bot - Tempo, Emotion, Dramen in Gelb und Rot und einen jungen Mann namens Lucas Ward, der endgültig in die Herzen der Fans stürmte. Die Partie begann mit offenem Visier. Beide Teams schossen sich förmlich warm - 14 Torschüsse pro Seite sprechen eine deutliche Sprache. Bereits in der ersten Minute prüfte Callum Hawn aus der Distanz den Devils-Keeper George Boyle, der den Ball gerade noch über die Latte lenkte. "Ich dachte, der fliegt in den Mersey", scherzte Boyle später. Doch es war nur der Anfang eines Abends, an dem er noch oft zupacken musste. Nach einer hitzigen Anfangsphase - inklusive einer frühen Gelben für Manchesters Spielmacher Manuel Pastorino (13.) - übernahmen die Reds allmählich das Kommando. In der 34. Minute dann der Dosenöffner: Jorge Salinas, eigentlich rechter Verteidiger, stürmte über den Flügel und flankte präzise in die Mitte, wo Lucas Ward lauerte. Der 21-Jährige nahm den Ball volley und traf zur 1:0-Führung. Anfield explodierte. "Ich hab nur die Augen zugemacht und gehofft, dass ich ihn richtig treffe", grinste Ward nach dem Spiel. Kaum hatten die Devils sich gesammelt, folgte der nächste Schlag. Eine Minute später (35.) kombinierte sich Liverpool mit Tristan Apers als Taktgeber durchs Zentrum, ehe Alessandro Marcedusa eiskalt ins lange Eck abschloss - 2:0! "Das war wie ein Doppelschlag beim Boxen", meinte Reds-Coach Kurt Kaiser. "Einmal getroffen, und der Gegner wackelt." Doch Manchester wäre nicht Manchester, wenn sie kampflos aufgegeben hätten. In der Nachspielzeit der ersten Hälfte (45.) schlug Logan Nolan zurück. Nach einem feinen Zuspiel von Pastorino netzte der Linksaußen zum 2:1 ein - und brachte die Devils zurück ins Spiel. "Wir wussten, dass wir sie noch erwischen können", sagte Nolan später trotzig. Kaiser wirkte da weniger begeistert: "Da hätte meine Abwehr auch auf der Tribüne sitzen können." Mit Beginn der zweiten Halbzeit kamen die Reds wieder mit Schwung. Und erneut war es Lucas Ward, der den Unterschied machte. In der 51. Minute vollendete er nach Vorlage von Ryan Winston zum 3:1 und schnürte damit seinen Doppelpack. Die Fans sangen seinen Namen, während Ward mit ausgestreckten Armen an der Kurve vorbeilief - der Inbegriff jugendlicher Unbekümmertheit. Danach wurde es ruppiger. Pastorino, schon verwarnt, sah in der 65. Minute Gelb-Rot nach einem übermotivierten Einsteigen gegen Apers. Devils-Coach Reto Klopfenstein tobte an der Seitenlinie, während der Italiener Alessandro Marcedusa demonstrativ applaudierte - zur Freude des Publikums und zum Missfallen des Schiedsrichters, der ihn ermahnte. "Wenn wir schon zu zehnt sind, dann wenigstens mit Stil", knurrte Klopfenstein nach dem Spiel. Liverpool kontrollierte fortan das Geschehen, ließ Ball und Gegner laufen - auch wenn der Ballbesitz mit 49 zu 51 Prozent leicht zugunsten der Devils ausfiel. Doch Zahlen lügen: Die Reds wirkten frischer, zielstrebiger und hatten schlicht das Momentum. In der 73. Minute wechselte Klopfenstein noch Asen Christow für Rafet Kisa ein, doch am Ergebnis änderte das nichts mehr. In den Schlussminuten sammelten beide Teams noch fleißig Gelbe Karten wie Panini-Sticker: Jean-Pierre Bettencourt (89.) für ein taktisches Foul, Ashton Young (91.) für ein rustikales Einsteigen. Der Schiedsrichter hatte alle Hände voll zu tun - und vermutlich am Abend auch kein Bier mehr frei im Pub. Als der Abpfiff ertönte, jubelte Anfield. 3:1 - ein verdienter Sieg, auch wenn Manchester keineswegs chancenlos war. Beide Teams hatten gleich viele Torschüsse, doch Liverpool traf die entscheidenden Entscheidungen (und Tore). "Wir haben unsere Chancen genutzt, das ist der Unterschied", analysierte Kaiser nüchtern. Klopfenstein dagegen fasste das Ganze mit bitterem Humor: "Wir wollten den Gegner unter Druck setzen - aber offenbar nur den Schiedsrichter." Und Lucas Ward? Der Youngster stand nach Abpfiff grinsend vor der Fankurve, die ihn feierte, als wäre er schon eine Legende. "Ich träume heute Nacht sicher von diesem Spiel", sagte er, bevor er in den Kabinentrakt verschwand - wahrscheinlich begleitet vom süßen Klang der Anfield-Hymne und dem Wissen, dass er an diesem Abend der Unterschied war. Ein Spiel, das in Erinnerung bleibt - nicht wegen der Statistik, sondern wegen des Gefühls, dass Fußball hier mehr war als nur Zahlen. Es war Leidenschaft, Chaos und ein Hauch von Wahnsinn. Genau so, wie man es an der Anfield Road liebt. 26.05.643987 10:39 |
Sprücheklopfer
Magaths Training ist wie ein Zahnarzttermin. Man fürchtet sich vorher, aber danach fühlt man sich besser.
Jan-Aage Fjörtoft