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36493 Zuschauer im altehrwürdigen Ewood Park sahen an diesem frostigen Januarabend ein Spiel, das in seiner Dramaturgie einem englischen Krimi glich - mit dem besseren Ende für die Liverpool Reds, die sich dank Alessandro Marcedusa und Ewan Burton mit 2:1 (0:0) gegen beherzt kämpfende Ewood Rovers durchsetzten. Dabei begann alles so vielversprechend für die Gastgeber. Trainer Stephan Trajes hatte seine Mannschaft offensiv ausgerichtet, "über die Flügel Druck machen" lautete die Devise. Und tatsächlich: Schon zwischen der 16. und 22. Minute brannte es mehrfach lichterloh im Sechzehner der Reds. Jyrki Hyypiä prüfte Torhüter Carl Rodrigo gleich zweimal, Nicolae Buzanszky köpfte knapp vorbei. "Wenn du da das 1:0 machst, läuft das Spiel anders", knurrte Trajes später - halb resigniert, halb trotzig. Doch wie so oft im Fußball gilt: Wer vorne die Chancen liegen lässt, bekommt hinten die Quittung. Die kam in Minute 53, als Liverpools Rechtsaußen Matthias Van Hoost den Ball artistisch mit der Hacke auf Alessandro Marcedusa durchsteckte. Der Italiener nahm das Geschenk dankbar an, sprintete an Haddington vorbei und schob eiskalt ins lange Eck - 0:1. Trainer Kurt Kaiser ballte die Faust, als hätte er selbst getroffen. "Das war genau so ein Laufweg, wie wir ihn Montag geübt haben", grinste er nach dem Spiel. Die Rovers reagierten beeindruckt, aber nicht eingeschüchtert. Nur zehn Minuten später setzte Ryan MacCallum auf links zu einem seiner typischen Power-Sprints an, flankte flach in den Strafraum, wo Samuel Hoskins den Ball aus elf Metern humorlos unter die Latte drosch - 1:1 in der 63. Minute. Das Stadion bebte. Und irgendwo auf der Tribüne soll ein älterer Fan gerufen haben: "Jetzt geht’s wieder los, so wie 1998!" (Es ging nicht so.) Denn die Reds, die in der ersten Halbzeit noch brav "balanced" spielten, schalteten nach dem Ausgleich endgültig auf Angriff. Die Taktiktafel zeigte OFFENSIVE, der Puls von Trainer Kaiser wohl ähnlich. In der 76. Minute war es dann soweit: Der gerade eingewechselte 19-jährige Federico Floris spielte einen blitzsauberen Doppelpass mit Ewan Burton, der sich nicht zweimal bitten ließ und den Ball trocken ins rechte Eck setzte. 2:1 - und die rund 2000 mitgereisten Liverpool-Fans stimmten ein lautstarkes "You’ll never..." - nun ja, den Rest kann man sich denken. Die Rovers versuchten alles, um das Spiel noch einmal zu drehen. Buzanszky hatte in der 77. Minute die Riesenchance, verzog aber um Zentimeter. MacCallum scheiterte kurz darauf am glänzend reagierenden Rodrigo. "Ich dachte, der Ball sei schon drin", keuchte Hoskins später. "Aber der Keeper war heute einfach eine Wand." Ab der 79. Minute wurde es dann ruppig. Erst sah Finlay Haddington Gelb, zwei Minuten später folgte Teamkollege Pedro Gama - beide für ziemlich britische Grätschen. Trainer Trajes konnte sich ein ironisches "Wir wollten ja zeigen, dass wir auch Körper können" nicht verkneifen. In der 80. Minute brachte er dann den 17-jährigen Lucas Lockwood für den entnervten Haddington - ein symbolischer Wechsel: die Jugend soll’s besser machen. Doch auch Lockwoods jugendlicher Elan konnte das Ergebnis nicht mehr drehen. Die Reds standen kompakt, ließen nichts mehr anbrennen und verwalteten ihren knappen Vorsprung mit jener Nervenstärke, die man von einem Spitzenteam erwartet. Statistisch betrachtet war es ein Duell auf Augenhöhe - 13 Torschüsse der Rovers, 11 der Reds, Ballbesitz nahezu pari (49,6 zu 50,4 Prozent). Aber Statistik gewinnt keine Spiele, Tore schon. Und davon hatten die Gäste eben eines mehr. Trainer Kaiser fasste es trocken zusammen: "Wir haben das gemacht, was man auswärts tun muss - überleben und treffen." Sein Gegenüber Trajes schüttelte nur den Kopf: "Fußball kann so grausam sein. Heute war’s Shakespeare in Stollen." Und so endete ein leidenschaftlicher Abend im Ewood Park mit dem leisen Gefühl, dass hier mehr drin gewesen wäre. Die Rovers verabschiedeten sich unter Applaus, die Reds klatschten ihre Fans ab - und irgendwo im Tunnel soll Buzanszky zu Hoskins gesagt haben: "Beim Rückspiel machen wir sie warm." Ob das eine Drohung oder ein Versprechen war, bleibt offen. Sicher ist nur: Dieses Spiel hatte alles, was man liebt - Drama, Emotionen, und ein bisschen britischen Wahnsinn. 14.05.643987 21:03 |
Sprücheklopfer
Dann lebe ich in Oslo, spiele immer noch Fußball und bin immer noch so langsam.
Jan-Aage Fjörtoft auf die Frage, was er mit 85 Jahren machen wird