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Ein nasskalter Februarabend, Flutlicht über dem Etihad - und 33.001 Zuschauer, die sich fragten, ob sie ihre Entscheidung, nicht auf dem Sofa geblieben zu sein, gleich bereuen würden. Doch kaum war der Anpfiff verklungen, ging es los. Nach exakt 47 Sekunden zappelte der Ball im Netz: Filipe Arias, der wendige Linksaußen der Liverpool Reds, vollendete nach Vorlage von Lucas Ward zum 0:1. "Wir wollten früh zeigen, dass wir keine Touristen sind", grinste Arias später, als wäre das ein normaler Arbeitstag gewesen. Die Manchester Blues, von Trainer Daniel Kontsch auf Offensive getrimmt, wirkten überrascht - und standen schon nach acht Minuten wieder Spalier, als Pim Voores auf Vorlage von Callum Hawn das 0:2 markierte. Die Reds waren gnadenlos effizient: drei Chancen, zwei Tore. "Ich dachte, wir hätten den Bus geparkt", knurrte Kontsch nach Schlusspfiff, "aber offenbar war der Motor noch warm." Und es kam noch dicker: In der 13. Minute zirkelte der 33-jährige Spielmacher Tristan Apers den Ball aus 20 Metern in den Winkel - 0:3. "Das nennt man Erfahrung", sagte Apers trocken. "Oder einfach Glück, wer weiß." Zu diesem Zeitpunkt wirkte Liverpool wie eine Mannschaft, die selbst mit verbundenen Augen treffen könnte. Erst dann wachten die Blues auf. Jaroslav Drulak, der auffälligste Mann im blauen Mittelfeld, nahm sich in Minute 17 ein Herz, zog nach Vorarbeit von Bradley Thuringer ab - und traf zum 1:3. Das Stadion atmete auf, die Fans sangen wieder, und plötzlich roch es nach Aufholjagd. Doch wer dachte, der Abend würde nun kippen, wurde eines Besseren belehrt. Denn noch vor der Pause schlug Liverpool erneut zu. Pim Voores, schon mit einem Treffer auf dem Konto, verwertete in der 38. Minute eine butterweiche Flanke von Veteran Apers zum 1:4. Ein Doppelschlag, der Trainer Kurt Kaiser an der Seitenlinie fast jugendlich wirken ließ. "Ich hab’ ihnen gesagt, sie sollen Spaß haben", lachte Kaiser später. "Ich wusste ja nicht, dass sie das so wörtlich nehmen." Kurz vor dem Halbzeitpfiff durften die Blues immerhin noch einmal jubeln. Riley Bosworth traf in der 41. Minute nach Vorarbeit von Drulak zum 2:4. Ein Hoffnungsschimmer, der im zweiten Durchgang allerdings rasch verglühte. Statistisch gesehen hatten die Blues sogar mehr vom Spiel - 55 Prozent Ballbesitz, 12 Torschüsse. Doch Liverpool spielte mit der Präzision eines Chirurgen: 19 Torschüsse, vier Treffer und kaum Ballverluste. Besonders der 22-jährige Lucas Ward, an fast allen gefährlichen Szenen beteiligt, zeigte, dass die Reds gerade eine neue Generation von Angreifern formen. Die zweite Halbzeit bot dann weniger Tore, aber reichlich Unterhaltung. Gleich nach Wiederanpfiff kassierte Reds-Verteidiger Aaron Simpson Gelb, weil er Yannik Gancarczyk etwas zu leidenschaftlich am Trikot zog. "Ich wollte nur wissen, aus welchem Stoff das ist", witzelte Simpson danach. In der 73. Minute dann Schrecksekunde für die Blues: Verteidiger Ruben Östergaard musste verletzt raus, konnte aber immerhin humpelnd den Applaus der Tribüne genießen. "Ruben sagte, er könne weiterlaufen", erzählte Kontsch später, "aber ich glaube, sein Oberschenkel hatte da eine andere Meinung." Lucas Carey kam für ihn ins Spiel, ohne dass sich am Ergebnis noch etwas änderte. Liverpool verwaltete das Geschehen souverän. Der 17-jährige Christopher Cort, zur Halbzeit für Voores gekommen, zeigte einige freche Dribblings - sehr zur Freude seines Trainers. "Wenn der Junge so weitermacht, muss ich bald Eintritt zahlen, um ihn spielen zu sehen", schwärmte Kaiser. Die Blues versuchten es weiter mit Herz und Mut, aber ohne Fortune. Gancarczyk und Lester vergaben in der Schlussphase gleich zwei gute Chancen, während auf der anderen Seite der eingewechselte Cort und der junge Innenverteidiger Aki Hjelm noch einmal prüften, ob Blues-Keeper Kurt Arnaud wach war. Er war es. Nur half das auch nichts mehr. Am Ende blieb es beim 2:4 - ein Ergebnis, das deutlicher klingt, als es war, aber die Effizienz der Reds perfekt beschreibt. "Wir haben versucht, mitzuspielen", meinte Blues-Mittelfeldmann Bosworth resigniert. "Blöd nur, dass die anderen mitgespielt haben." Ein Abend also, der in Liverpool wohl gefeiert, in Manchester analysiert wird. Und irgendwo zwischen Taktiktafel und Teeküche wird Daniel Kontsch wohl grübeln, wie man vier Tore kassiert, obwohl man mehr Ballbesitz hat. Die Antwort liegt vielleicht in jener alten Fußballweisheit, die jeder Reporter liebt: Wer die Tore macht, gewinnt. Oder, wie Reds-Coach Kaiser es formulierte: "Ballbesitz ist schön. Tore sind schöner." 21.09.643990 20:28 |
Sprücheklopfer
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Rudi Assauer auf die Frage, wann die Entscheidung zur Entlassung von Frank Neubarth gefallen sei