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Es war ein nasskalter Februarabend in Liverpool, wie ihn selbst die Möwen über der Mersey nur mit zusammengekniffenen Augen ertragen. Doch 49.495 Zuschauer im ausverkauften Stadion der Liverpool Reds ließen sich weder von Wind noch Wetter beeindrucken - und wurden mit einem späten, aber verdienten 2:0‑Sieg gegen Stoke City belohnt. Die Partie begann mit einem Feuerwerk der Ungeduld. Schon nach fünf Minuten prüfte Roberto Marquez den Gästetorhüter Simcha Amir mit einem satten Schuss aus 18 Metern. Es folgten Chancen im Minutentakt, doch entweder segelte der Ball über die Latte oder Amirs Handschuhe waren im Weg. Lucas Ward, der junge Mittelstürmer, verzog gleich zweimal denkbar knapp. "Ich glaube, ich habe das Tornetz beleidigt, aber nicht getroffen", scherzte Ward später in der Mixed Zone. Stoke City indes wirkte, als wolle es den Ball lieber umarmen als spielen. Ganze vier Torschüsse in 90 Minuten sagen mehr als viele Taktiktafeln. Trainer Horst Fiedler versuchte es dennoch positiv zu sehen: "Wir haben unser Konzept durchgezogen - nur leider vergessen, worin es bestand." Seine Mannschaft kam erst nach der Pause zu nennenswerten Aktionen, als Marco Travassos in der 46. Minute den einzigen ernsthaften Versuch der Gäste abgab. Die erste Halbzeit endete torlos, aber nicht ereignislos. Liverpool hatte 57 Prozent Ballbesitz, 19 Abschlüsse insgesamt, und man fragte sich, ob das Tor vielleicht einfach beleidigt sei. Trainer Kurt Kaiser blieb gelassen: "Ich sagte den Jungs in der Kabine, sie sollen weitermachen. Irgendwann wird auch ein Ball mal müde, ständig vorbeizufliegen." Dann kam Minute 60 - und mit ihr der Moment, auf den Anfield gewartet hatte. Federico Floris, 19 Jahre jung und mit dem Gesicht eines Schulbubens, zog aus 20 Metern ab. Der Ball zischte wie ein geölter Blitz ins rechte Kreuzeck. Vorlagegeber Heikki Tihinen grinste danach: "Ich wollte eigentlich nur querlegen, aber Federico hat wohl beschlossen, dass das Spiel jetzt Spaß machen soll." Das Stadion explodierte, die Fans sangen sich die Kälte aus den Knochen. Stoke versuchte zu reagieren. Eine gelbe Karte für Pedro Ruy (20.) hatte bereits früh die defensive Nervosität gezeigt, und auch in der Schlussphase half kein Pressing mehr. Fiedler stellte auf volle Offensive um, brachte den jungen Joseph Latham, doch am Ende war es Liverpool, das wieder zuschlug. In der 72. Minute krönte Ewan Burton seine unermüdliche Arbeit auf dem rechten Flügel mit dem zweiten Tor. Nach feinem Zuspiel des überragenden Floris schob Burton trocken ein - und machte aus einem zähen Spiel ein versöhnliches Ergebnis. "Federico hat mir den Ball auf dem Silbertablett serviert", lachte Burton später. "Ich musste nur noch Danke sagen." Kaiser wechselte clever: Schon zur Pause brachte er Van Hoost, Tihinen und Simpson - frische Beine, frische Ideen. Stoke dagegen wirkte, als hätte der Pausentee Schlafmittel enthalten. Ihre Pressingversuche verpufften, die Reds spielten das Ergebnis souverän nach Hause. Ein kleiner Schönheitsfehler blieb: Callum Hawn sah in der 73. Minute Gelb, weil er den Ball nach einem Foul humorvoll wegschoss - direkt in Richtung Trainerbank. "Kurt hat ihn fast gefangen", witzelte Ward. "Fast." Statistisch war die Sache deutlich: 56,9 Prozent Ballbesitz, 57 Prozent gewonnene Zweikämpfe, 19:4 Torschüsse. In der Sprache des Fußballs heißt das: Einseitig, aber unterhaltsam. Stoke hatte nie wirklich Zugriff, Liverpool dagegen das Spiel im Griff. Trainer Kaiser ließ sich nach Abpfiff feiern wie ein Mann, der weiß, dass seine Philosophie Früchte trägt. "Wir wollten offensiv bleiben, auch wenn es lange 0:0 stand. Manchmal braucht man Geduld - und einen 19‑Jährigen mit Mut zum Risiko." Fiedler dagegen seufzte: "Wir haben das Beste versucht, aber Liverpool war heute einfach zu gierig." Dann fügte er mit einem Grinsen hinzu: "Vielleicht sollten wir beim nächsten Mal den Ball gleich mitbringen - den haben wir heute kaum gesehen." Am Ende sang die Anfield‑Kurve im Regen, die Spieler umarmten sich, und Federico Floris verschwand fast schüchtern im Jubelmeer. Er, der Jüngste auf dem Platz, hatte den Unterschied gemacht. Ein Spiel, das kein Spektakel war, aber eines jener Abende, an denen man spürt, dass aus Talent plötzlich Verantwortung wird. Und aus Nieselregen goldener Glanz. Oder, wie ein Fan beim Hinausgehen murmelte: "Wenn das die Zukunft ist, kauf ich mir gleich eine Dauerkarte." 06.05.643990 06:07 |
Sprücheklopfer
Das ist doch nicht weltbewegend, wenn ich einen Neuville auf rechts habe, und der spielt halt auf Rechtsaußen. Und der Bode spielt links, das ist eben so - und der Bierhoff in der Mitte.
Olaf Thon zur Taktik von Erich Ribbeck