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Ein lauer Märzabend in Manchester, 41.625 Zuschauer im ausverkauften Devils Park - und wieder einmal dieses Duell, das auf der Insel mehr als nur ein Fußballspiel ist. Manchester Devils gegen Liverpool Reds, Offensivwucht gegen Defensivkunst, Ekström gegen Kaiser. Am Ende jubelten die Gäste aus Liverpool über ein 2:1 (0:1), das so clever wie schmerzhaft für die Gastgeber war. Dabei hatte alles nach einem Heimsieg gerochen. Die Devils begannen mit offenem Visier, wie es Trainer Ronnie Ekström später halb stolz, halb resigniert formulierte: "Wir wollten sie früh erwischen. Und ehrlich gesagt - wir haben’s ja auch getan." In der 29. Minute war es Mika Kuqi, der nach einem langen Ball des Innenverteidigers Timofej Tertyschny eiskalt blieb. Ein Treffer aus der Kategorie "Arbeiterlob": kein Glanz, aber pure Effizienz. Das Stadion bebte, die Fans sangen, und die Reds wirkten angeknockt. Doch Liverpool wäre nicht Liverpool, wenn sie nicht stoisch an Kaisers Plan festgehalten hätten. "Wir wussten, dass sie irgendwann müde werden", grinste Gäste-Coach Kurt Kaiser später, während er seinen Kragen geradezog, als habe er selbst 90 Minuten auf dem Rasen gestanden. Die erste Halbzeit gehörte klar den Devils - 15 Torschüsse insgesamt, 49 Prozent Ballbesitz, und zwischenzeitlich sah es aus, als würde sich Liverpool nur mit Glück und Torwart Charlie Leachman über Wasser halten. In der 36. Minute dann ein Schreckmoment: Jordi Xavier blieb nach einem Zweikampf liegen, hielt sich das Knie und musste raus. Für ihn kam Matthias Van Hoost, der später noch Geschichte schreiben sollte. Nach dem Seitenwechsel änderte sich das Bild. Liverpool stand weiterhin tief, aber die Konter wurden gefährlicher. Die Devils wechselten, brachten Perlman und Pastorino, um frische Beine ins Mittelfeld zu bringen. Doch genau in dieser Phase - zwischen 70. und 80. Minute - kippte das Spiel. Zuerst war es Van Hoost, jener Joker aus der 36. Minute, der in der 72. Minute nach Vorarbeit von Robert Warriner traf. Ein trockener Schuss, halbhoch, unhaltbar. "Ich hab’ einfach draufgehalten. Wenn man so lange draußen sitzt, will man sich zeigen", sagte Van Hoost später mit einem breiten Grinsen. Fünf Minuten später schlug Warriner selbst zu. Nach einer feinen Kombination über den linken Flügel ließ er Keeper Hanegbi keine Chance. 2:1 - die Reds hatten das Spiel gedreht. "Das war typisch Robert", meinte Mitspieler Luke Greenwald, der die Vorlage gab. "Er redet nicht viel, aber wenn er’s tut, dann mit dem Fuß." Manchester warf in der Schlussphase alles nach vorn. Ekström gestikulierte wild, schimpfte auf den vierten Offiziellen ("Ich schwöre, der Ball war drin!") und trieb seine Jungs zu wütenden Angriffen. Bettencourt (80.), Nolan (89.) und Christow (90.) prüften Leachman noch einmal, doch der Liverpool-Keeper hatte offenbar beschlossen, an diesem Abend unbezwingbar zu sein. "Das Bittere ist, dass wir’s selbst aus der Hand gegeben haben", knurrte Devils-Stürmer Kuqi nach dem Abpfiff. "Ein Tor reicht eben nicht gegen ein Team, das so eiskalt zurückkommt." Trainer Ekström versuchte, das Positive zu sehen: "Wir haben gut gespielt. Nur leider war der Fußballgott heute wohl als Gast angereist." Kaiser hingegen blieb gewohnt nordisch kühl: "Wir sind nicht hier, um Freunde zu finden. Drei Punkte - das ist, was zählt." Statistisch war es ein Duell auf Augenhöhe: 15 zu 13 Torschüsse, 49 zu 51 Prozent Ballbesitz, kaum Unterschiede in den Zweikämpfen. Doch die Effizienz sprach klar für Liverpool, das seine "Sure"-Schussstrategie - nur aus guten Positionen abzuschließen - konsequent umsetzte. Als die Flutlichter erloschen, blieb den Heimfans nur der Trost, dass ihre Mannschaft wenigstens kämpfte bis zum Schluss. "Wenn man 90 Minuten gegen Liverpool führt und trotzdem verliert, dann ist das wie ein Date, das gut anfängt und mit ’Lass uns Freunde bleiben’ endet", murmelte ein Fan auf der Tribüne - und traf damit wohl den Nerv der ganzen Stadt. Ein Spiel, das zeigte, warum der englische Fußball geliebt und gefürchtet wird: Tempo, Emotionen, Drama - und am Ende ein Sieger, der weiß, wann man zuschlagen muss. Liverpool lacht, Manchester flucht, und der Rest der Liga schaut mit leichtem Gänsehautgrinsen zu. 08.01.643994 09:16 |
Sprücheklopfer
Wir wollten in Bremen kein Gegentor kassieren. Das hat auch bis zum Gegentor ganz gut geklappt.
Thomas Häßler